Bäckerei Bruns lieferte Kostproben bis Paris und Berlin
Backe, backe Pumpernickel

Ochtrup -

„Wenn Du als Nachtisch Käse willst nehmen, darf Bruns‘ Pumper­nickel nie fehlen.“ – Ein wenig holprig für heutige Ohren, aber eingängig als Werbeslogan war es allemal: „Bruns‘ Pumpernickel wurde geliebt und gegessen“, weiß Heinz Bruns noch, als sei es gestern gewesen.

Samstag, 09.03.2019, 08:00 Uhr
Um 1938, so schätzt Heinz Bruns, entstand diese Aufnahme an der Brookstraße 5. Heute steht an der Stelle ein Mehrfamilienhaus (r.). Nach dem Verkauf war das alte Gebäude mit Lebensmittelladen und Backstube abgerissen worden.
Um 1938, so schätzt Heinz Bruns, entstand diese Aufnahme an der Brookstraße 5. Heute steht an der Stelle ein Mehrfamilienhaus (r.). Nach dem Verkauf war das alte Gebäude mit Lebensmittelladen und Backstube abgerissen worden. Foto: Susanne Menzel

Ohnehin hat der 91-Jährige die meisten Ereignisse aus der Vergangenheit – genauso wie die aus der Gegenwart – parat. Die Augen blitzen lebhaft hinter der Brille, wenn er erzählt: von seinem Leben als Bäcker, von seiner Passion für diesen Beruf: „Meine Kinder kannten mich nur in der Bäckerbux. Ich habe dieses Handwerk immer geliebt“, sagt der Ochtruper.

Sein Großvater Heinrich hatte um 1900 mit der Backstube angefangen. Die Brookstraße hieß damals noch Horst und Wall. Dem Opa folgte der Vater, diesem der älteste Sohn Heinz . „Damals war das selbstverständlich“, hat der junge Bäcker, der mit 22 Jahren als jüngster Ausbildungsteilnehmer seinen Meistertitel erwarb, diese Gegebenheiten nicht nur hingenommen – ihn erfüllte die Berufswahl mit Freude, Ehrgeiz und Zufriedenheit: „Ich habe die Bäckertätigkeit einfach gelebt.“

Schon der Vater hatte sich auf die Pumpernickel-Produktion spezialisiert: „Es gab 24 Kollegen im Ort, die Backwaren erzeugt haben. Da mussten wir uns mit unserem Angebot absetzen“, meint Heinz Bruns. Drei Öfen heizten jeweils gleichzeitig in der Backstube ein. Die fertigen Laibe wurde anschließend geschnitten und zu 500-, 250- und 100-Gramm-Portionen verpackt. „Ausgeliefert haben wir in Ochtrup und Metelen, per Bahn aber auch nach Hamburg, München und Berlin, ja selbst nach Paris verschickt“, klingt noch heute der leise Stolz in der Stimme von Heinz Bruns mit.

Den Kontakt nach Frankreich hatte ein Vertreter hergestellt, der als Soldat dort im Ersten Weltkrieg stationiert war. „Es ist sogar 1932 ein Brief aus Paris zurückgekommen, in dem sich der Verfasser der Zeilen für die leckere Brotprobe bedankt hat“, erzählt der Ochtruper Bäckermeister. Das Schreiben befindet sich noch heute in seinen Unterlagen.

Auch während des Zweiten Weltkrieges lief die Pumpernickel-Produktion in der Töpferstadt weiter: „Wir waren ein sogenannter lebenswichtiger Betrieb“, erinnert sich Heinz Bruns: „Deshalb musste mein Vater auch nicht in den Krieg ziehen. Ich dagegen wurde im Alter von 16 Jahren einberufen.“

Nach Kriegsende kehrte der junge Bäcker in den elterlichen Betrieb zurück. Unterstützt von holländischen Mitarbeitern („Die hatten leider nur wenig Ahnung von Pumpernickel. Das gab‘s ja jenseits der Grenze nicht.“) ging‘s weiter.

Neben dem dunklen Brot waren auch Lebensmittel im kleinen Laden am Haus im Verkauf. Anfang der 60er Jahre wurden Geschäft und Backstube noch einmal vergrößert. Doch kaum zehn Jahre später, nach dem Aufkommen der ersten Supermärkte, lohnte sich der Lebensmittelverkauf nicht mehr: „Wir haben es dann drangegeben.“ Drei Brüder seines Vaters, die nach Berlin verzogen waren, kurbelten dort den Pumpernickelverkauf noch mit an.

1982/83 ging die Ära des Bruns‘ Pumpernickel zu Ende. Die vierte Generation hatte sich in andere Berufsrichtungen orientiert, das Haus an der Brookstraße 5 wurde veräußert.

Anderweitig gekaufter Pumpernickel übrigens kommt bei Heinz Bruns bis heute nicht auf den Tisch: „Da bin ich verwöhnt.“ Und selbst gebackenes? Dazu müsste man den Senior mit in die Küche nehmen. Denn schriftlich niedergelegt hat er die Brot-Rezepte nicht: „Die sind alle in meinem Kopf gespeichert. Selbst heute noch.“

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