Tagesvater Lars Petersen
Ein Unikat in Ochtrup

Ochtrup -

Er ist bisher der einzige seiner Art in Ochtrup: Lars Petersen ist Tagesvater. Der gelernter Hörgeräteakustiker fand in diesem Job zu wenig Zeit für seine Familie. Deshalb sattelte der 32-Jährige vor gut zwei Jahren um. Bereut hat er diesen Schritt nicht.

Samstag, 09.03.2019, 05:00 Uhr
Tagesvater Lars Petersen mit Theo (1) und Lana (2)).
Tagesvater Lars Petersen mit Theo (1) und Lana (2)). Foto: Anne Steven

Lars Petersen hat sich immer eine große Familie gewünscht. Seit Juli 2017 lebt der 32-Jährige in Ochtrup. Und in dieser Zeit hat er sich diesen Wunsch zumindest schon ein bisschen erfüllt: Er lebt mit seiner Frau Sonja und Sohn Linus zusammen. Und dann gibt es da aber noch mehrere andere Kinder, die auch regelmäßig zur Familie gehören. Zum Beispiel die zweijährige Lana oder der einjährige Theo. Denn Lars Petersen ist Tagesvater.

Früher arbeitete der gelernte Hörgeräteakustiker mitunter mehr als 55 Stunden pro Woche. „Im ersten Jahr habe ich bei meinem Sohn ganz viel verpasst“, weiß der Ochtruper rückblickend. Dann nahm er sich ein Jahr Elternzeit und krempelte zumindest sein berufliches Leben und auch ein bisschen das Familienleben um. Lars Petersen machte die Fortbildung für die Kindertagespflege. Die Familie zog von Essen nach Ochtrup und in das Haus von Sonjas Ur-Ur-Großvater. Die Entscheidung fürs Ländliche haben sie damals ganz bewusst getroffen. „Für Kinder ist es hier schöner“, sagt Lars Petersen.

Die Elternzeit nutzte er für die Ausbildung zum Tagesvater. Heute betreut Lars Petersen insgesamt sechs Kinder – jedoch nicht gleichzeitig. Jedes hat seine individuellen Zeiten. Und gerade das – davon ist der 32-Jährige überzeugt – mache eben auch die große Flexibilität in der Tagespflege aus. Seine Frau ist ebenfalls Erzieherin. Sie arbeitet auf einer Internatsschule in Buldern. Meistens beginnt ihr Dienst am Nachmittag. „Morgens sind wir hier zu zweit. Das ist ein unschlagbarer Vorteil“, weiß Lars Petersen. Nur der kleine Linus fehlt. Er ist dann in der Kita, stößt aber am Nachmittag zur Familie dazu.

Lars Petersen legt großen Wert auf die familiennahe Betreuung der Kinder, die die Tagespflege nun mal sei. Trotzdem liege der Fokus bei der Kinderbetreuung in der Gesellschaft immer noch auf der Kindertagesstätte – auch durch Vorgaben des Gesetzgebers. Denn Eltern hätten nicht nur ein Recht auf einen Kita-Platz für ihr Kind, sondern außerdem eben auch kein Recht auf einen Platz in der Tagespflege. Demnach sei Letztere meist nur im U 3-Bereich eine Option. Danach besuchten die Kinder in der Regel einen Kindergarten. Theoretisch könnte Lars Petersen Kinder im Alter von einem bis 14 Jahren betreuen.

Dass er ein Mann ist, spiele bei den meisten Eltern keine übergeordnete Rolle. Wichtiger sei vielen Müttern und Vätern hingegen die Entfernung der Tagespflege zum Wohnort. Ob er in der Betreuung etwas anders macht als eine Frau? „Männer gelten als konsequenter und strenger“, weiß der Tagesvater. „Aber vielleicht können wir Kindern auch etwas geben, was Frauen nicht haben“, überlegt er. Doch ganz egal, was es ist, Lana und Theo fühlen sich pudelwohl bei ihrem Tagesvater.

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