Vortrag von Hermann-Josef Frisch zum Koran
Ein Liebesbrief Gottes an die Menschen

Ochtrup -

Hermann-Josef Frisch hatte sich am Donnerstag mit seinem Pkw durch den Berufsverkehr auf der Autobahn zwischen Köln und Ochtrup gequält. Im Forum der Bücherei St. Lamberti referierte der Pfarrer im Ruhestand anlässlich der Woche der Brüderlichkeit zum Thema „Koran für Christen“. Dr. Guido Dahl, Geschäftsführer des Kulturforums, stellte den 71-Jährigen als „Wissenschaftler im Unruhestand“ vor.

Samstag, 16.03.2019, 07:00 Uhr
Hermann- Josef Frisch zeichnete in seinem Vortrag zahlreiche Parallelen der Weltreligionen auf.
Hermann- Josef Frisch zeichnete in seinem Vortrag zahlreiche Parallelen der Weltreligionen auf. Foto: Irmgard Tappe

Der Theologe präsentierte zunächst den Entwurf eines bunten Hundertwasser-Hauses, das allerdings nie erbaut wurde. Frisch nahm es als Beispiel für ein „Haus der Religionen“ das viele Zimmer hat. „Gehen wir von unserem Glauben aus ins Zimmer des Islam und kommen bereichert zurück“, forderte er seine rund 40 Zuhörer auf. Mit der landläufigen Meinung, in Saudi Arabien würden die meisten Muslime leben, räumte er gleich zu Anfang auf. „Die meisten – nämlich 1,7 Milliarden – leben in Indonesien. Selbst China verzeichnet mehr Muslime als Saudi Arabien.“

Die Offenheit der katholischen Kirche gegenüber anderen Weltreligionen gebe es erst seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil, fuhr er fort „Unsere Religion ist das einzig Wahre, alles andere sind Irrlehren. Und wer etwas anderes glaubt, ist ein Heide“, sei bis dahin das Denken der Katholiken gewesen. Mohammed habe man einen „Lügenprophet“ genannt und den Koran als „falsche Schrift“ bezeichnet.

Dann spannte Frisch den Bogen zum Koran, dem Schwerpunkt seines Vortrags. „Der Koran ist keine Anleitung zum religiösen Terrorismus, sondern ein Liebesbrief Gottes an die Menschen“, heißt es in einer der 114 Suren. Auch Jesus und seine Mutter Maria würden in dem Buch häufig erwähnt. Jesus gelte im Islam aber nicht als Sohn Gottes, sondern ebenso wie Mohammed als Prophet und Diener Gottes. Die Kreuzigung Jesu werde ebenfalls bestritten. „Doch der Islam deutet die Dreifaltigkeit als drei Götter und wirft deshalb den Christen vor, dass sie diese drei Götter anbeten“, erläuterte der Theologe die muslimische Sichtweise, die sich von der der Christen abhebt. Denn nach unserem Glaubensverständnis, so der Pfarrer, verberge sich hinter der Dreifaltigkeit ein einziger Gott mit drei Gesichtern.

Aufmerksam und konzentriert verfolgten die Besucher den Vortrag. Frisch zeichnete zahlreiche Parallelen der drei Weltreligionen Christentum, Judentum und Islam auf. Die Suren des Koran würden mit der Formulierung „Im Namen des barmherzigen und gnädigen Gottes“ eingeleitet, berichtete er und stellte heraus, dass Gott in allen drei Glaubensrichtungen als Schöpfer, Allmächtiger und Freund bezeichnet wird. Außerdem sei Abraham das Fundament dieser Religionen. Allerdings mit sehr unterschiedlichem Verständnis. „Keine Freiheit unter den Nationen ohne Friede zwischen den Religionen“, zitierte Hermann-Josef Frisch am Ende seines brillanten Vortrags den Theologen Hans Küng. Bereichert an Verständnis und Wissen, verließen die Anwesenden das Zimmer des Islam und kehrten zurück in den Raum ihres Glaubens.

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