Will Mollen war 53 Jahre beim Kreis
Start ins Berufsleben als 13-Jähriger

Ochtrup -

Heute sind Jugendliche 16 Jahre alt, wenn sie ins Berufsleben starten. Willi Mollen hatte in diesem Alter bereits die Verantwortung für die Bußgeldstelle beim Kreis Steinfurt. Nun ist der Ochtruper im Ruhestand und blickt auf 53 Berufsjahre zurück. Das hat beim Kreis vor ihm noch niemand geschafft

Donnerstag, 04.04.2019, 06:00 Uhr
Willi Mollen hat als 13-Jähriger seine Karriere beim Kreis Steinfurt begonnen. Jetzt nach 53 Jahren – so lange hat vor ihm niemand beim Kreis gearbeitet – ist er im Ruhestand.
Willi Mollen hat als 13-Jähriger seine Karriere beim Kreis Steinfurt begonnen. Jetzt nach 53 Jahren – so lange hat vor ihm niemand beim Kreis gearbeitet – ist er im Ruhestand. Foto: Anne Steven

„Ich denke, ich bin ein Mann der Kontinuität.“ Bei diesen Worten geht ein breites Grinsen über das Gesicht von Willi Mollen . Widersprechen kann man ihm kaum, bedenkt man, dass der Ochtruper 53 Jahre beim Kreis Steinfurt gearbeitet hat – so lange wie sonst keiner vor ihm –, 50 Jahre kümmerte er sich um die Aufgaben im Kreisverband der Kriegsgräberfürsorge und 48 Jahre war er Jugendtrainer bei Arminia Ochtrup.

Den Trainerstab hat er jüngst weitergegeben, und auch im Kreis Steinfurt ist jetzt Schluss. „Ich schaue mit Ruhe und Gelassenheit auf diese Zeit zurück. Aber irgendwann muss es gut gewesen sein“, meint er lachend.

Start als 13-Jähriger

Als 13-Jähriger startete er seine berufliche Karriere beim Kreis Steinfurt mit einer Ausbildung. Nach acht Jahren Volksschule („Wer da nicht aufpasst, muss länger“) wollte er eigentlich auf der Handelsschule weiter die Schulbank drücken. „Mein Vater hat mich mal einen Tag mitgenommen zu seiner Arbeit in der Weberei bei Laurenz“, erzählt Willi Mollen von seinem ersten Ausflug in die Berufswelt. Doch dort gefiel es ihm gar nicht. „Dieser Krach dort, das war nichts für mich. Und ich dachte mir: Da muss es doch noch etwas anderes geben“, erinnert sich der Volksschüler von einst zurück.

Es gab etwas anderes. Seine Tante entdeckte die Stellenanzeige des Kreises Steinfurt in der Zeitung. Dort wurden Auszubildende gesucht. Willi Mollen bewarb sich, schaffte die Aufnahmeprüfung und bekam die Lehrstelle. „Ich wusste ja gar nicht, was der Kreis macht“, gibt er lachend zu. Unter den Azubis war er der Jüngste. „Da wurde ich dann mit 13 aufgeklärt“, schmunzelt der heutige Rentner.

Mit 16 Jahren trug Willi Mollen beim Kreis Steinfurt bereits viel Verantwortung.

Mit 16 Jahren trug Willi Mollen beim Kreis Steinfurt bereits viel Verantwortung. Foto: privat

Verantwortung für die Bußgeldstelle

Mit gerade einmal 16 Jahren trat der Ochtruper dann seine erste Stelle in der Kreisverwaltung an. „Zum 1. April 1969 wurde die Bußgeldstelle ins Leben gerufen. Vorher haben sich Gerichte um diesen Bereich gekümmert“, erzählt Willi Mollen. Wäschekörbeweise wurden dem Teenager damals die Akten ins Büro geliefert. „Das war schon eine Herausforderung“, meint er im Rückblick. „Heute nicht mehr denkbar, dass ein 16-Jähriger die Verantwortung für so einen Aufgabenbereich bekommt.“ Doch der junge Mann machte seine Arbeit gut und zwischendurch blieb auch mal Zeit für einen Plausch mit dem Oberkreisdirektor (heute Landrat) auf dem Flur. Denn der hatte sein Büro nur zwei Türen weiter.

Bis 1974 blieb Willi Mollen in der Bußgeldstelle. Nach der Neuordnung der Kreise wechselte er schließlich ins Ordnungsamt. Dort standen nun ganz andere Aufgaben an, bei denen der Kontakt mit Menschen noch mehr in Mittelpunkt rückte. Ab etwa 1978/1979 kümmerte sich Willi Mollen auch um den Bereich Rettungsdienst und Feuerschutz auf Kreisebene. Danach wechselte er ins Amt für Datenverarbeitung. Dort arbeitete er im Einkauf.

Nachfolger von Helmut Brüning

1998 schließlich trat er die Nachfolge von Helmut Brüning im Jugendamt an. Bis 2004 übernahm der Ochtruper Vormundschaften für Kinder und Jugendliche, kümmerte sich, holte sie bei Bedarf aus ihren Familie heraus. „Das war eine sehr intensive Zeit“, erinnert sich der Rentner noch gut. Und so mancher Jugendlicher ist ihm im Gedächtnis geblieben – einige, weil sie es trotz schlechter Startbedingungen geschafft haben, andere weil sie die Kurve nicht gekriegt haben. Mitleid, das habe er in dieser Zeit aber gelernt, helfe den betroffenen Jugendlichen oftmals nicht weiter. Da sei es viel wichtiger, Probleme anzugehen, Dinge zu regeln, und Strukturen zu schaffen, mit denen die Kinder eine Chance haben.

Eine weitere Chance bot sich für ihn 2004, als Helmut Brüning Bürgermeister von Metelen wurde. Denn erneut sollte Willi Mollen dessen Nachfolge antreten – diesmal in der Kämmerei im Bereich „Zentraler Grunderwerb“. „Das war absolut mein Ding“, schwärmt der Ochtruper von Verhandlungen mit Grundstückseigentümern und dergleichen. Im Gespräch mit dem damaligen Landrat Thomas Kubendorf habe dieser einmal gefrotzelt, nun müsse er doch nur noch nach Metelen ziehen, dann könne er Helmut Brüning auch in seinem Amt als Bürgermeister beerben. Nein, es reiche schon, dass er an der Metelener Straße wohne, habe er damals geantwortet, erzählt Willi Mollen schmunzelnd.

Unkraut zupfen als Rentner

Aber vielleicht wäre das ein bisschen zu viel Kontinuität gewesen. Letztere hat sich jetzt auch schon in seinem Alltag als Rentner bereit gemacht. „In meinen ersten beiden Tagen habe ich nur Unkraut gezupft“, erzählt er schmollend. Nein, in der Rente mag er ein bisschen mehr Abwechslung: Entspannen, Radfahren, in der Natur sein und ein bisschen Urlaub machen. Das steht nun an.

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