Videodreh bei „Memories of Fake“
Von Pralinen und gläsernen Herzen

Ochtrup -

So düster wie ihr Video zum Song „Mr. Dmon“ ist die Ochtruper Band „Memories of Fake“ eigentlich gar nicht. Doch gemeinsam mit Steff Astan haben sie sich an etwas Neues gewagt. Am Freitag (12. April) geht das Werk bei Youtube online.

Donnerstag, 11.04.2019, 06:00 Uhr
Grusellige Metamorphose: Eine Stunde brauchte Maskenbildnerin Nele „Wii“ Wittenberg, um aus dem Frontmann von „Memories of Fake“, Michael Sünker, „Mr. Dmon“ (kl. Foto) zu machen.
Grusellige Metamorphose: Eine Stunde brauchte Maskenbildnerin Nele „Wii“ Wittenberg, um aus dem Frontmann von „Memories of Fake“, Michael Sünker, „Mr. Dmon“ (kl. Foto) zu machen. Foto: Marlen Santos Martins

Bleiche Haut, die Augen liegen in tiefen, dunklen Höhlen, die schwarze Kapuze hat der Mann mit den Kettenhandschuhen tief ins Gesicht gezogen und in seinen Mundwinkeln lauert ein böses Grinsen. Wer hätte hinter dieser Maskierung Michael Sünker vermutet? Bei den Dreharbeiten für das Video zu „Mr. Dmon“ schlüpfte der Frontmann von „Memories of Fake“ in die Rolle des düsteren Dämons.

Eigentlich ist das gar nicht der Stil der Ochtruper Band, die hauptsächlich Alternative-Rock „mit einem Hauch Punk“ spielt, wie Michael Sünker es formuliert. Aber Steff Astan , der mit bürgerlichem Namen Stefan Mensing heißt, aus Metelen kommt und das Video gedreht hat, fand, dass die Combo ruhig mal etwas wagen könnte. „Ich bin eher bekannt für etwas düstere Sachen“, meint Steff Astan grinsend. So ein Video zu einem Song sei wie eine Pralinenschachtel. „Wenn die Verpackung gefällt, will man auch die Praline essen.“

Gute Verpackung

Was eine gute Verpackung seiner Meinung nach ausmacht? Sie muss überraschen und ein bisschen schräg sein. Doch es dürfe dabei nicht nur sein Video werden. „Die Band muss ja auch zufrieden sein“, weiß der Profi und spricht von einem schmalen Grad, auf dem er als kreativer Kopf wandern muss. Aber er hat festgestellt: „Wenn ich mich mit der Band zusammen auf den Song einlasse, macht es mehr Spaß.“ Dass dabei völlig verschiedenen Ideen, Ansichten und Geschmäcker aufeinanderprallen, sei ganz normal.

Michael Sünker als „Mr. Dmon“.

Michael Sünker als „Mr. Dmon“. Foto: Marlen Santos Martins

Ein Beispiel gefällig? Der Song „Mr. Dmon“ erzählt „von einem Typen, der viel Scheiße erlebt hat, und sich in einen Dämon verwandelt“, fasst Michael Sünker die Idee hinter dem Song ganz knapp zusammen. In einer Liedzeile singt er von einem brechenden Herzen. Die ursprüngliche Idee des Sängers: „Ich nehme ein Herz aus Glas und lasse es in dem Video zerspringen, so dass die Scherben und Splitter in alle Richtungen fliegen.“

Das Feedback von Steff Astan sei ein wenig brutal und ernüchternd gewesen. „So einen Helene-Fischer-Kram mache ich nicht“, habe er zu hören bekommen, erzählt Michael Sünker und lächelt beschämt. Steff Astan lacht, will aber nicht falsch verstanden werden. „Das, was Helene Fischer macht, macht sie gut und professionell. Es ist halt nur nicht meine Richtung“, betont er. Doch für Michael Sünker, Peter Kersting, Simon Krugmann und Martin „Potti“ Potthoff von „Memories of Fake“ und ihren „Mr. Dmon“ hatte er eine bessere, düstere Idee.

Metamorsphose

Im Video hat er einige Woodoo-Elemente verarbeitet. Sänger Michael Sünker spielt die Hauptrolle. Er ist derjenige, der die Metamorphose hin zum Dämon durchlebt. Steff Astan setzte beim Dreh weniger auf Computertechnik. „Ich liebe die alten Hitchcock-Filme“, gesteht der Metelener. Davon habe er sich inspirieren lassen und soweit dies möglich war, in der Realität gefilmt. Dabei kamen zahlreiche seiner eigenen, schrägen Möbel zum Einsatz: ein mit zwei Geweihen und einer Lampe verzierter Schaukelstuhl etwa. „Das sieht sehr krass aus“, meint Michael Sünker und betrachtet sich selbst als Dämon auf einem Foto von den Dreharbeiten. „Ein bisschen sieht es nach Death-Metal aus“, gibt Steff Astan zu. Aber genau das sei eben der Bruch, das Spannende, das Neue, etwas, das die Band eben noch nie gemacht habe.

Während von Sänger Michael Sünker schauspielerisches Talent gefragt war, wurden die übrigen Bandmitglieder beim Videodreh eher klassisch in Szene gesetzt – mit Neben und Licht von unten.

Während von Sänger Michael Sünker schauspielerisches Talent gefragt war, wurden die übrigen Bandmitglieder beim Videodreh eher klassisch in Szene gesetzt – mit Neben und Licht von unten. Foto: Marlen Santos Martins

Apropos: Michael Sünker musste sich erst einmal in seine neue Rolle als Schauspieler hineinfinden. Während seine Bandkollegen relativ klassisch gefilmt wurden („Nebel, Licht von unten, eben das, was auch auf der Bühne passiert“), rückte für ihn sogar eine Maskenbildnerin an. Nele „Wii“ Wittenberg übernahm das aufwendige Schminken. Eine Stunde dauerte die Verwandlung zum Dämon. Jede Menge Arbeit, Schweiß und – auch wenn es im Video nicht fließt – Blut stecken in dem Werk. „Während des Drehs bin ich mit meinem Lippenpiercing an dem 50er-Jahre-Mikrofon hängen geblieben. Gerade als ich es zur Seite gerissen habe“, erzählt der Frontmann von kleineren „Outtakes“ während des Drehs. Doch der Aufwand habe sich gelohnt. „Uns war wichtig, eine Geschichte zu erzählen“, erklärt der Sänger.

Vier aus 100

Das Ergebnis aus 100 Minuten Material ist ein vierminütiges Video, das ab Freitag (12. April) bei Youtube zu sehen sein wird. Der Startschuss fällt um 19 Uhr. Und dann hofft die Band natürlich auf jede Menge Klicks. Schließlich wollen sie im Frühjahr 2020 eine kleinere Tournee machen. Die soll aus dem Münsterland herausführen. Das Ruhrgebiet ist das Ziel. Tja, und dafür müssen sie ein bisschen die Werbetrommel rühren – mit einem bösen Grinsen im Mundwinkel.

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