Elternabend „Abenteuer Pubertät“
Im Gespräch bleiben

Ochtrup -

Dem Abenteuer Pubertät waren jetzt einige Mütter und Väter im Familienzentrum St. Stephan auf der Spur. Ein Elternabend mit Bernhard Heimbrodt vom Diakonischen Werk sollte Licht ins Dunkel der Stimmungen von pubertierenden Jugendlichen bringen und – ganz wichtig – viele Fragen beantworten.

Freitag, 12.04.2019, 05:00 Uhr
Die Pubertät ist eine schwierige Phase – für Eltern und Kinder. Ein Elternabend im Familienzentrum St. Stephan sollte Mütter und Väter vorbereiten.
Die Pubertät ist eine schwierige Phase – für Eltern und Kinder. Ein Elternabend im Familienzentrum St. Stephan sollte Mütter und Väter vorbereiten. Foto: colourbox

Was zum Beispiel tun, wenn im Zimmer von Sohn oder Tochter die Kleider trotz mehrfacher Ermahnung konsequent auf dem Boden liegen bleiben? „Ein Vater hat in einem Beratungsgespräch mal erzählt, er habe sich mit einer Schneeschüppe bewaffnet ins Zimmer seines Sprösslings begeben und getreu dem Motto ‚Fluchtwege müssen frei bleiben’ einen Durchgang freigeschippt“, erzählt Bernhard Heimbrodt und erntete dafür einige Lacher.

Gemeinsam mit den Eltern begibt er sich auf eine kleine Zeitreise. „Sie selbst haben es ihren Eltern damals natürlich nicht schwer gemacht“, scherzt der Heilpädagoge. „Aber bei ihrem Sitznachbarn können Sie es sich doch sicher vorstellen.“ Natürlich kann jeder Anwesende an diesem Abend von den emotionalen Berg- und Talfahrten der eigenen Pubertät ein Lied singen. In entspannter Runde erinnern sich die Eltern nun an die Zeiten von Dr. Sommer und des Biologiebuches zurück. Diese wurden damals bei Fragen rund um das Thema Pubertät zu Rate gezogen. Heute sehe das deutlich anders aus. Es ist einfacher geworden, da sind sich alle einig.

Über Google und die sozialen Netzwerke finden die Jugendlichen Antworten auf viele Fragen. „Es ist trotzdem nicht ganz ungefährlich“, bemerkt Bernhard Heimbrodt. „Es fällt den jungen Menschen immer schwerer, die Realität herauszufiltern.“

Google statt Dr. Sommer

Ein wichtiger Punkt sei also, dass Eltern mit ihren Kindern in Beziehung beziehungsweise im Gespräch blieben, erläutert der Pädagoge weiter. „Natürlich fängt man nicht mit zwölfeinhalb Jahren damit an. Wem es vorher in der Kindheit aber bereits gelungen ist, eine gute Beziehung aufzubauen, der kann sich sicher sein, diese Bindung trägt auch durch schwere Zeiten hindurch“, ermutigt er die Väter und Mütter. Und auch mit Blick auf die Erziehung sei klar: Wer sich erst in der Pubertät auf den Weg begebe und mit seinen Kindern über Ordnung, Benehmen und dergleichen spreche, müsse sich darauf gefasst machen, „dicke Bretter“ bohren zu müssen.

Eine Mutter meldet sich zu Wort: „Das sagt man so leicht. Meine Tochter ist jetzt 14 Jahre alt. Sie weiß ganz genau, welche Knöpfe bei Mama gedrückt werden müssen, bis in mir so viel Sprengstoff ist, dass ich explodieren könnte. Wie reagiere ich denn dann darauf?“ Bernhard Heimbrodts Rat: Bei Reibungsthemen und Dauerkonflikten auch einfach mal den Raum verlassen. „Aber haben die Kinder denn dann nicht gewonnen, wenn der Vater oder die Mutter das Schlachtfeld räumen?“, will ein Vater wissen. Von einer Kampfebene auszugehen, sei in der Bewältigung von Problemen falsch, sagt Bernhard Heimbrodt. Besser sei eine Formulierung wie „Wir besprechen das noch mal, wenn wir uns beide beruhigt haben.“

Vertrauen, um Selbstvertrauen zu entwickeln

Der Leitsatz „Liebe mich, wenn ich es am wenigsten verdiene, denn dann brauche ich es am meisten“ sei manchmal gar nicht so leicht umzusetzen, wissen die Mütter und Väter aus eigenen Erfahrungen.

„Man braucht Vertrauen, um neues Selbstvertrauen zu entwickeln, eine Basis“, findet der Pädagoge. Deshalb sei es wichtig ist, auch positive Situationen und Aktionen mit dem Kind zu erleben – selbst wenn es um das gemeinsame Schauen von „Germanys next Topmodel“ im Fernsehen ginge, oder man sich einfach mal gemeinsam an den Rechner setze. Wichtig: Eltern sollten nicht gleich abwertend reagieren, sondern sich einfach mal auf die „Faszination Heidi Klum“ oder ein bestimmtes Computerspiel einlassen.

Einen Tipp hat Bernhard Heimbrodt noch: „Gelassen bleiben! Die Pubertät geht vorüber – manche Kinder müssen dafür nur 35 werden.“

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