Heimatverein schnitzt Palmstöcke
Tradition mit Gekräusel

Ochtrup -

Der Holzstock, den Manfred Schründer in die Hand nimmt, sieht ein wenig komisch aus: Ein entrindeter Ast, der an einen Seite mit jeder Menge Gekräusel, am anderen Ende mit einem quietschgelben Tennisball versehen ist.

Samstag, 13.04.2019, 08:00 Uhr
Buchsbaum ist in Ochtrup noch zu haben.
Buchsbaum ist in Ochtrup noch zu haben. Foto: Susanne Menzel

Manfred Schründer muss ob des irritierten Blickes grinsen: „Der Tennisball gehört nicht zur Palmstock-Deko. Er hat einen ganz praktischen Zweck zu erfüllen: Beim Schnitzen muss ich den Stock so halten, dass mir ein Ende fast in den Bauch bohrt. Um Verletzungen oder Löcher in Hemd beziehungsweise Pullover zu vermeiden, kommt der Ball ins Spiel.“ Gewusst wie.

Aber das „wie“ ist bei dem 71-jährigen Vorsitzenden des Ochtruper Heimatvereins ohnehin keine Frage. Seit fünf, sechs Jahren, sind die Mitglieder des Heimatvereins in den Kindergärten vor Ort unterwegs, um mit dem Nachwuchs auf Anfrage Palmstöcke zu basteln, die dann am Palmsonntag in den Kirchen gesegnet werden.

Die Tradition des Palmstockes „mit Gekräusel“ oder mit „Puschel“ stammt eigentlich aus der Nachbarkommune Metelen, dem Geburtsort von Manfred Schründer. „Ich habe mich daran wieder erinnert und die Metelener Heimatfreunde seinerzeit gebeten, uns hier in Ochtrup zu zeigen, wie sie das Gekräusel herstellen.“ Er selbst habe es dereinst bei seinem Vater beobachtet und gelernt: „Der hat dazu eine Glasscherbe genommen.“

Mein Vater hatte früher eine Glasscherbe als Werkzeug

Manfred Schründer

Der Junior allerdings führt sein Gewerk etwas anders aus: „Wir haben uns aus unterschiedlichen Dingen selbst Werkzeug hergestellt.“

Gemeinsam mit Beisitzer Bruno Kippelt demonstriert er nun an einem Holunderzweig die hohe Kräuselkunst. „Holunder eignet sich am besten“, gibt der 69-jährige Bruno Kippelt seine Erfahrungen weiter. „Wir haben es auch schon mit Weide und Haselnuss getestet – aber da wird das Gekräusel nicht so schön“, erklärt er.

Erst vergangene Woche haben die beiden Palmstock-Experten im St. Michael-Kindergarten in Langenhorst den Nachwuchs mit Stöcken ausgestattet. Rund eine halbe Stunde (Schründer: „Mit etwas Übung.“) benötigen die Männer, um einen Stock fertig zu stellen. Am oberen Ende wird der weiche Kern noch abschließend ein wenig ausgehöhlt und dient später als Einsatzloch für den Buchsbaum.

Manfred Schründer (l.) drapiert den Buchsbaum, Bruno Kippel assistiert.

Manfred Schründer (l.) drapiert den Buchsbaum, Bruno Kippel assistiert. Foto: Susanne Menzel

Und den, so erklären Schründer und Kippelt, gäbe es in Ochtrup zumindest in diesem Jahr noch in ausreichender Menge. Während andernorts im Münsterland bereits zum diesjährigen Palmsonntag Ersatzpflanzen herhalten mussten, konnten die Ochtruper noch mit dem ursprünglichen Grün arbeiten. Aber der Buchsbaumzünsler, ein ostasiatischer Kleinschmetterling, der als Schädling zu Beginn des 21. Jahrhunderts nach Mitteleuropa eingeschleppt wurde, hat inzwischen auch die Töpferstadt erreicht. Mit ihm zudem ein Pilz, der dem beliebten Gehölz ebenfalls den Garaus macht. „Wir mussten schon einen Teil der Kugeln und Beeteinfassungen aus dem eigenen Bestand in unseren Gärten entfernen“, sagen die beiden Männer.

Allerdings ist auf städtischen Grund noch reichlich Buchsbaum vorhanden, der in diesem Jahr wieder beim Rückschnitt der Pflanzen anfällt. „Damit ist dann auch der Maibaum gerettet“, atmen Schründer, Kippelt und die restlichen Heimatvereins-Mitglieder auf.

Das Binden des traditionellen Maibaums steht in den nächsten Tagen ebenfalls an. Ein Anhänger voll mit Grün wird für den im Durchschnitt etwa zwei Meter großen Maibaum an Material benötigt. „Und bei diesen Dimensionen sind helfende Hände immer willkommen“, machen die Heimatvereins-Mitglieder gleich einmal Werbung für tatkräftigen Einsatz weiterer Interessierter: „Wer mag, kann am Dienstag nach Ostern, also am 23. April, um 14.30 Uhr zum Töpfereimuseum kommen. Zum Mitmachen oder auch nur zum Zuschauen.“ Aufgestellt wird der Maibaum dann am 28. April (Donnerstag).

Das Gekräusel wird direkt am Stock geschnitzt.

Das Gekräusel wird direkt am Stock geschnitzt. Foto: Susanne Menzel

Zunächst aber tragen die Kinder jetzt erst einmal am Sonntag stolz ihre Palmstöcke in die Kirche. Überwiegend noch mit Buchsbaum, bei den meisten zusätzlich noch mit bunten Kreppbändern geschmückt.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6538013?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F105%2F182%2F
Auf den Hund kommen
Die App aus Münster, die Hunderassen erkennt, ist nicht nur in Deutschland erfolgreich. Die Start-up-Gründer haben die Anwendung deshalb schon in zahlreiche Sprachen übersetzen lassen – mal professionell, mal von begeisterten App-Nutzern.
Nachrichten-Ticker