Lamberti-Grundschüler besuchen während Projektwoche das Bienenhaus
Ein Symbol für die Natur

Ochtrup -

Bienenfleißig und bedroht: Auf den Spuren der Honigsammler waren jetzt Kinder der Ludgeri-Grundschule, die sich den Lehrbienenstand im Stadtpark anschauten.

Sonntag, 14.04.2019, 18:00 Uhr
Liliane zeigt die Kirschblüte, anhand derer die Kinder erfahren haben, woher sich die Bienen den Nektar holen.
Liliane zeigt die Kirschblüte, anhand derer die Kinder erfahren haben, woher sich die Bienen den Nektar holen. Foto: Susanne Menzel

Insektensterben, Klimawandel, Arten- und Umweltschutz – die Biene ist wie kein anderes Tier als Insekt zum Symbol für die Natur geworden. „Sie hat es sogar als einzige bisher in den Bundestag geschafft“, ist Imker Ferdi Becker schon ein klein wenig stolz auf den Erfolgsflug, zu dem seine Schützlinge aufgebrochen sind. Dabei ist es für die kleinen Tierchen auch allerhöchste Zeit, dass sie mit ihrer unschätzbaren Leistung ins menschliche Bewusstsein rücken. „Und zwar nicht nur als ein Flieger mit Stachel, sondern auch als wesentlicher Indikator für den Zustand unserer Umwelt“, betont Becker.

Nicht zuletzt deshalb beteiligt sich der Imkerverein gerne an Führungen und Unterrichtsstunden für Schulklassen oder begleitet sonstige Interessierte, die sonntags beim Spaziergang durch den Stadtpark am Bienenhaus halt machen.

An diesem Morgen sind es die 16 Erst- und Zweitklässler der Lamberti-Grundschule, die sich im Rahmen ihrer Projektwoche fürs Thema „Bienen“ gemeldet haben. „Die sind einfach cool“, befindet der siebenjährige Noah. „Sie können fliegen, haben einen Stachel und sind total fleißig.“ Dem stimmt auch sein achtjähriger Namensvetter zu: „Ich werde zwar regelmäßig von den Tieren im Sommer gestochen, dennoch finde ich sie interessant.“

Mit Respekt nähern sich die Kinder den Völkern in den beiden Schaukästen, die Imker Ferdi Becker eigens für sie dort platziert hat. „Momentan ist es zu kalt, um draußen zu fliegen und Nektar zu sammeln“, erklärt der ehemalige Lehrer. „Aber so lässt sich wunderbar beobachten, wie sozial sie sich als Volk in ihrem Stock verhalten.“

Damit es für die Laien etwas einfacher ist, hat er die Königin extra mit einem ungefähr Stecknadelkopf großen roten Plättchen gekennzeichnet. Gespannt verfolgen die Grundschüler, wie die Bienenweibchen um die erste Frau in ihrem Staat herumtänzeln, sie putzen, sie füttern und hegen. „Legt sie da gerade ein Ei?“, ruft ein Dötz ganz aufgeregt. „Gut beobachtet“, lobt Experte Becker. „Und schaut mal etwas weiter oben, dort ist die Kinderstube angesiedelt.“ Fasziniert folgen die Schüleraugen seinem Zeigefinger.

„Es sind Milliardenwerte, die die Bienen an Bestäubungsleistung erbringen. Das ließe sich gar nicht ohne sie bewerkstelligen“, erzählt der Imker weiter: „Der Honig ist nur ein Nebenprodukt.“ 60 000 Tiere zählt ein Volk. „Und alle Bienen, die ihr hier seht, sind Kinder einer einzigen Königin. Sie legt immerhin bis zu 2 000 Eier pro Tag. Unsere Königin hier macht das schon im sechsten Jahr. Das ist höchst selten.“ Die Mädchen und Jungen zeigen sich ob dieser Zahlen schwer beeindruckt. „Sie sehen auch gar nicht so wild und angriffslustig aus, wie man immer vermutet“, zeigt Noah vor dem Insektenvolk aber dennoch einen gewissen Respekt.

Als Ferdi Becker allerdings weiterspricht, verzieht der Bub ein wenig das Gesicht: „Die Männchen, also die Drohnen, haben‘s eigentlich – zumindest im Sommer – am besten in dem Staat. Sie müssen nichts tun und werden Tag und Nacht umsorgt. Nur im Herbst, da ist dann ihre Stunde gekommen: Dann werden sie als überflüssige Fresser rausgeworfen.“ Die Mädchen in der Runde grinsen: „Da habt ihr als Menschen ja Glück“, scherzt eine von ihnen in Richtung der Jungen.

Übrigens sind es durchaus nicht nur Kinder, die sich für die summenden Völkchen nach diesen aufklärenden Stunden demnächst stärker engagieren wollen. „Es kommen mehr und mehr jüngere Menschen zu uns in den Verein“, freut sich Imker Ferdi Becker: „Wir sind schon längst keine Rentnertruppe mehr, sondern aktuell über 50 Mitglieder ganz gemischten Alters. Nachwuchssorgen haben wir keine.“ Die Bienen, so erhofft er sich, „bekommen jetzt endlich mehr und mehr eine Lobby. Es gibt kein sozialeres Volk als sie: Wenn Bienen hungern, hungern sie alle gemeinsam. Und wenn sie sterben, dann sterben alle. Sie halten zusammen bis zum Schluss.“

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