Die „schwarze Armee“ dominiert die Natur
Der Kiebitz ist fast verstummt

Ochtrup -

Früher galt der Kiebitz stets als erster Frühlingsbote. Heute ist seine Anwesenheit auch in den Außenbereichen von Ochtrup selten geworden. Statt dessen ist vermehrt das Gekrächze der Saatkrähen zu hören, hat Paul Issinghoff festgestellt, der in der Oster wohnt. Er wünscht sich, dass Naturschützer mit Leuten zusammenkommen, die in der Natur und von der Natur leben, um sachlich und fachlich miteinander zu reden.

Samstag, 04.05.2019, 05:00 Uhr
Die Saatkrähe wird zur Bedrohung für Kiebitze und alle Bodenbrüter, meint Paul Issinghoff.
Die Saatkrähe wird zur Bedrohung für Kiebitze und alle Bodenbrüter, meint Paul Issinghoff. Foto: Nagel

Paul Issinghoff liebt die Natur. Vor allen Dingen die frühen Morgenstunden. Wenn der Tag sich den Weg durch die Dunkelheit bahnt, dann ist der Landwirt bereits auf den Beinen. „Schon als Kind hat mich der Gesang der Vögel fasziniert und ich erkannte die Arten an ihren Stimmen. Der Kiebitz war stets der erste Frühlingsbote. Wenn wir ihn hörten, dann wussten wir: Jetzt ist Frühling“, erinnert sich der 52-Jährige an seine Kindheit auf dem elterlichen Hof in der Oster-Bauernschaft, den er heute betreibt.

„Diese Gegend war immer ein beliebtes Gebiet für Kiebitze. Aber heute ist er nicht leider nicht mehr“, bedauert Issinghoff. Statt dessen werde man vom Gekrächze der Saatkrähen beschallt. Und damit habe die „Schwarze Armee“ gesiegt. Saatkrähen sind seiner Meinung nach eine Bedrohung für Kiebitze und für alle Bodenbrüter. „Sie plündern ihre Nester. Aber auch auf Hasen haben sie es abgesehen, hacken ihnen die Augen aus und zerlegen sie“, schildert Issinghoff seine Beobachtungen.

Früher habe es in dieser Gegend allerdings kaum Saatkrähen gegeben. „Das hat sich geändert, seit sie unter Artenschutz stehen. Sie vermehren sich drastisch und mit den Kiebitzen wird es von Jahr zu Jahr weniger“, macht sich der Ochtruper Sorgen um den Bestand dieser Singvögel. Er geht sogar noch einen Schritt weiter und fordert, das Naturschutzgesetz zu ändern. „Das bedeutet keinesfalls, dass wir die Saatkrähe ausrotten wollen. Denn selbstverständlich hat auch eine Rabenmutter das Recht, ihre Jungen auszubrüten. Nur außerhalb der Schonzeit sollten Saatkrähen kontrolliert zur Jagd freigegeben werden.“

Issinghoff vermutet, dass die Krähen durch eine solche Maßnahme sogar ihr Verhalten ändern würden. Saatkrähen seien intelligente Tiere und würden schnell erkennen, wenn man sie bejagt, hofft er auf mehr Disziplin seitens des schwarzen Gefieders, dem das aktuelle Naturschutzgesetz seiner Meinung nach die totale Narrenfreiheit geschaffen hat. Es müsse etwas geschehen, denn sonst sei die Natur irgendwann schwarz,

Doch nicht nur die Landwirte würden sich über die Krähenvögel ärgern, berichtet Issinghoff von einem Gespräch mit einem Ochtruper, der im Stadtparkgebiet wohnt. Der Mann habe sich über Krähenkot auf Gehwegen und Autos geärgert. Und über das dauerhafte Gekrächze. Die Saatkrähen, erzählt Issinghoff, hätten nämlich auch den Stadtpark als Wohngebiet für sich entdeckt und dort ihre Nester angelegt. „Wir fahren mal hin, dann können Sie sich überzeugen“, schlägt er der skeptischen Berichterstatterin vor. Auf geht’s in den Park. Und tatsächlich: Man wird empfangen von einem krähenkreischenden Begrüßungskonzert. Ein wenig fühlt man sich an den Hitchcock-Film „Die Vögel“ erinnert. „So geht das von morgens bis abends“, sagt Paul Issinghoff.

Er wolle ja gar nicht jammern, fährt er fort. Aber eine offene und ehrliche Diskussion darüber, ob das alles richtig sei, was die Naturschützer verherrlichen, die würde er sehr begrüßen. Issinghoff wünscht sich, dass sich Naturschützer mit Leuten an einen Tisch setzen, die in der Natur und von der Natur leben, um sachlich und fachlich miteinander zu reden.

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