Ochtrup einst und heute
kfd St. Lamberti im Wandel der Zeit

Ochtrup -

Bererits Ende des 19. Jahrhunderts gab es in Ochtrup die „Genossenschaft christlicher Mütter“ mit immerhin 280 Mitgliedern. Heute hat allein die kfd St. Lamberti 460 Mitglieder. 80 von ihnen sind bereits ein halbes Jahrhundert und länger dabei. Vieles hat sich seitdem verändert, einiges ist auch gleich geblieben. Die Frauen haben jede Menge zu erzählen.

Freitag, 10.05.2019, 06:00 Uhr
Teamsprecherin Birgit Potthoff verlieh jetzt über 80 Frauen eine Urkunde für ihre langjährige Treue zur Frauengemeinschaft.
Teamsprecherin Birgit Potthoff verlieh jetzt über 80 Frauen eine Urkunde für ihre langjährige Treue zur Frauengemeinschaft. Foto: Susanne Menzel

„Kirche, Bauernhof und die Frau dabei – das gehörte dazu. So war das damals auf dem Land. Und man trat der kfd bei. Meine Schwiegermutter war Mitglied, ich hab‘s von ihr übernommen.“ Und Alwine Demandt ist geblieben. Seid 53 Jahren hält sie den katholischen Frauen Deutschlands – dafür steht die Abkürzung kfd – in St. Lamberti die Treue. Über 80 der aktuell rund 460 Mitglieder sind zwischen 1952 und 1968 eingetreten. „Eine bewegte Ära, diese Nachkriegszeit“, wie Teamsprecherin Birgit Potthoff jetzt bei der kleinen Jubiläumsfeier bilanzierte. In der Töpferstadt, so führte sie mit Blick in die Chronik aus, war der Mütterverein bereits 1880 als „Genossenschaft christlicher Mütter“ gegründet worden. 280 Mütter hatten sich bereits ein Jahr später aufnehmen lassen, 1884 waren es schon 400 Frauen, 1931 sogar 950. „Neben dem Mütter- gab es auch noch den Jungfrauen- und den Frauenverein“, erinnert sich ein kfd-Mitglied.

Alwine Demandt findet, dass die Themen in der kfd heute moderner gestaltet werden als früher, sich inhaltlich aber wenig verändert haben.

Alwine Demandt findet, dass die Themen in der kfd heute moderner gestaltet werden als früher, sich inhaltlich aber wenig verändert haben. Foto: Susanne Menzel

Als eine Bezirkshelferin auf dem Hof bei Alwine Demandt den Eintrittsschein abgab, „war das selbstverständlich für mich, dabei zu sein.“ Die Themen, so überlegt sie kurz, „waren damals wie heute eigentlich sehr ähnlich. Heute sind sie etwas moderner gestaltet. So gibt es Angebote mit Theaterstücken oder Fahrten. Das Beste an der kfd war und ist aber, dass die Frauen unter sich sind und Neuigkeiten austauschten können.“

Nun, vielleicht unterliegt noch ein wenig mehr dem Wandel der Zeit. „Das sieht man deutlich an den handschriftlich geführten Aufnahmebüchern von einst. Im Jahr 2019 haben die Mitglieder Chipkarten“, fällt beispielsweise Birgit Potthoff ein Beispiel ein. Ein anderes: „Das Bild der Frau hat sich in den Jahrzehnten gewandelt. So wurden die Frauen etwa 1939 unter dem Namen ihres Mannes, dahinter mit ihrem Geburtsnamen geführt. Die Frau selbst hatte wenig zu melden. Sie durfte ohne das Einverständnis ihres Mannes weder arbeiten noch den Führerschein machen.“

Viele kfd-Mitglieder besitzen noch ihren handschriftlichen Mitgliedsausweis. Heute gibt es Chipkarten.

Viele kfd-Mitglieder besitzen noch ihren handschriftlichen Mitgliedsausweis. Heute gibt es Chipkarten. Foto: Susanne Menzel

Zeiten, die Klärchen Schmäing ebenfalls miterlebt hat. Die 96-Jährige – das älteste kfd-Mitglied in Och­trup wird demnächst 100 Jahre – bringt es auf 67 Jahre der Zugehörigkeit: „Vielleicht sind es sogar noch ein paar mehr“, vermutet sie. In der Zeit, als ihre Kinder klein waren, „habe ich an Veranstaltungen nicht teilgenommen. Das ging gar nicht. Dafür ist es aber jetzt, im Alter, umso wichtiger, nicht einsam daheim zu sitzen, sondern sich in Gesellschaft zu begeben.“ Sie habe nach der Geschäftsaufgabe „wieder nette Menschen um mich herum gebraucht. Und Abwechslung. Ich schätze vor allem das Miteinander. Viele Frauen, die nicht teilnehmen, wissen gar nicht, was sie verpassen.“

Der Wandel vom Mütter- zum modernen Frauenverband haben viele der Seniorinnen „zwar am Rande mitbekommen“, wie sie zugeben, aber für die meisten „ist dieser Bereich gar nicht so wichtig.“

Dennoch betont Birgit Potthoff in ihrer kleinen Ansprache noch einmal, „dass die kfd ein starker Verband in Kirche und Gesellschaft geworden ist und besonders für die Rechte der Frauen eintritt.“ Das gelte auch für die Frauengemeinschaft vor Ort.

Vielleicht hat sich der Wandel auch still – und selbstverständlich vollzogen. Unbemerkt. Ein wenig durch die Hintertür. So, wie es Angela Schlepphorst erklärt.

Angela Schlepphorst war früher mal Teamsprecherin der kfd.

Angela Schlepphorst war früher mal Teamsprecherin der kfd. Foto: Susanne Menzel

Die 83-Jährige ist vor über fünf Jahrzehnten aus der Großstadt Essen im Ruhrgebiet ins ländliche Ochtrup gezogen. „Kurz nachdem wir hier wohnten, kam eine ältere Frau vorbei und fragte, ob ich nicht dem Mütterverein beitreten wollte. Ich kannte hier niemand – und habe deshalb sofort zugesagt. Meine Mutter war auch da drin. Und dass ich ebenfalls dazugehörte, hat mich stolz gemacht.“ Gemeinschaftsmessen, monatliche Versammlungen, Ausflüge oder Aufführungen: „Die gab es damals noch nicht. Man war Mitglied, mehr nicht“, erzählt Angela Schlepphorst. „Der Wandel kam so um 1971 mit dem Aufbau der Dekanate. Es gab Vorsitzende, die sich für die Weiterbildung der Frauen einsetzten. Man lernte dort, was Teamarbeit heißt und wie man Referate vortrug. Die Frauen bekamen dadurch Selbstbewusstsein. Sie wurden gehört.“ Die Weiterbildung, so schmunzelt die weißhaarige Dame, „hat immer morgens stattgefunden. Die Frauen waren wieder daheim, wenn die Kinder aus der Schule kamen.“ Sie selbst, so die Seniorin, habe durch die Schulungen viel mitgenommen, sie hat sich selbst später als Teamsprecherin zur Verfügung gestellt. Und manches, so stellt Angela Schlepphorst fest, „wiederholt sich: Früher haben wir uns um die Kommuniongruppen gekümmert. Eine Zeit lang war das dann eingeschlafen. Jetzt ist es wieder aktuell.“

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