Beratungsstelle für Eltern, Kinder und Jugendliche
Zeit für Beziehungen wird knapper

Ochtrup -

Mit einer „bunten Themenmischung aus allen Lebenslagen“ werden die Mitarbeitenden der Beratungsstelle für Eltern, Kinder und Jugendliche bei ihren offenen Sprechstunden konfrontiert.

Dienstag, 14.05.2019, 06:00 Uhr
Eine lockere Runde fand sich bei der jüngsten offenen Sprechstunde der Beratungsstelle für Eltern, Kinder und Jugendliche mit Tobias Bendfeld zusammen. Persönliche Anliegen werden natürlich in einem geschützten Raum unter vier Augen besprochen, betonen Berater Bendfeld und Kita-Leiterin Gudrun Bienbeck (4.v.l.)
Eine lockere Runde fand sich bei der jüngsten offenen Sprechstunde der Beratungsstelle für Eltern, Kinder und Jugendliche mit Tobias Bendfeld zusammen. Persönliche Anliegen werden natürlich in einem geschützten Raum unter vier Augen besprochen, betonen Berater Bendfeld und Kita-Leiterin Gudrun Bienbeck (4.v.l.) Foto: Susanne Menzel

Die Stimmung ist gelöst an diesem Vormittag im Familienzentrum St. Stephan. Mehrere Mütter, Kita-Leiterin Gudrun Bienbeck sowie der einzige Mann in der Runde, der Diplom-Psychologe Tobias Bendfeld , haben sich um den Tisch im Eingangsbereich versammelt, plaudern und lachen. Eine lockere Runde, zu der sich die Erwachsenen zusammengefunden haben, während der Nachwuchs in den Gruppenräumen spielt oder mit den Fahrzeugen um die Ecke flitzt.

Die offene Sprechstunde der Beratungsstelle für Eltern, Kinder und Jugendliche des Diakonischen Werkes im Kreis Steinfurt wird diesmal vor allem für einen gegenseitigen Erfahrungsaustausch genutzt, an dem sich alle beteiligen. „Für tiefer gehende Gespräche oder Probleme nutzen wir natürlich einen geschützten Raum innerhalb des Familienzentrums“, stellt Berater Tobias Bendfeld klar. „Da werden die Anliegen natürlich nicht in aller Öffentlichkeit diskutiert.“

Regelmäßig ist Bendfeld zu Gast in der Kita: „Wir unterbreiten hier ein niederschwelliges, ortsnahes Angebot, das sowohl Eltern als auch Jugendliche oder junge Erwachsene wahrnehmen können“, erklärt er. „Dabei sind die Themen eine bunte Mischung aus allen Lebenslagen“, umreißt er das Beratungsspektrum. „Das können Schlafprobleme der Kleinen sein, zu denen sich die Eltern einen Rat erhoffen, aber auch Trotzphasen, Schul- oder Pubertätsprobleme.“

Die Beratungsstelle will dabei allen Interessenten als Ansprechpartner auf Augenhöhe entgegentreten. „Es ist eine für Jugendliche und Erwachsene kostenlose Einladung, bei der wir nicht nur der Schweigepflicht unterliegen, sondern wir auch gemeinsam am Tisch sitzen und versuchen, Lösungswege zu finden. Entweder im kleinen oder, wenn gewünscht, im größeren Kreis“, umschreibt Tobias Bendfeld seine Tätigkeit. Wichtig sei für viele Eltern oft der Hinweis, „dass wir alles, was hier gesprochen wird, auch für uns behalten. Wir sind keinem Jugendamt Rechenschaft schuldig“, unterstreicht er.

Die Mitarbeitenden der Beratungsstelle präsentieren sich dabei als „multifunktionales Team“, bestehend aus Heil-, Sozial- und Diplom-Pädagogen sowie Psychologen. „Und wenn jemand von uns feststellt, dass noch andere Institutionen mit ins Boot geholt werden könnten, um zu einem positiven Ergebnis zu kommen, besprechen wir das mit den Ratsuchenden. Sind sie einverstanden, können wir ohne lange Antragswege dann diese Richtung einschlagen.“

Etwa 700 bis 800 Fälle liegen den Beratern pro Jahr in den kleinen Kommunen aus dem südlichen Teil des Kreises Steinfurt vor. „Steigend sind die Hilfen bei Trennung und Scheidung“, sagt Bendfeld. „Hier geht es für alle ja häufig um existenzielle Fragen. Da müssen wir dann Eltern wie Kinder gleichermaßen unterstützen. Man bleibt ja auch im Falle einer Trennung immer in seiner Elternrolle. Selbst wenn es auf der Beziehungsebene einen Bruch gibt. Das gut hinzubekommen, ist nicht immer leicht“, weiß der erfahrene Berater.

Vielfach sind es allerdings die klassischen Umbruchsituationen im Leben eines Kindes, die Eltern ratlos machen. Schlafschwierigkeiten etwa, oder der Wechsel von der Kita in die Schule, der Kinder ängstigt. „Immer breiteren Raum nimmt zudem der Medienkonsum der Jungen und Mädchen ein“, berichtet Bendfeld. „In diesen Fällen schauen wir auf Erwachsenenebene, wie eine gute Begleitung durch die Eltern aussehen kann. Denn eines ist klar“, so der Fachmann: „Die gemeinsame Familienzeit sieht heute anders aus als noch in der 80er Jahren. Die Kinder sind länger in den Institutionen wie Kita und Schule, die Eltern zumeist beide berufstätig. Die Zeit für Bindungen und Beziehungen ist knapper. Diese wenigen Stunden gut zu gestalten, um in Kontakt und im Gespräch zu bleiben, ist eine neue – und vor allem sehr große – Herausforderung.“

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