Ochtrup einst und heute
Deckellade, Schlemmerplatte und Co.

Ochtrup -

Die Geschichte des Hotel-Restaurants Brinck­wirth beginnt 1873. Abgesehen vom Namen „Zum Köhler“, den die Familie Brinckwirth in Ehren hält, hat sich seither viel verändert. Seniorchefin Maria Brinckwirth hat aber noch viele Erinnerungen an ihre Zeit als Wirtin. Gemeinsam mit Sohn Heinrich und Schwiegertochter Silvia hat sie die alte Deckellade, Schlemmerplatten und vieles mehr wieder lebendig werden lassen.

Mittwoch, 22.05.2019, 06:00 Uhr
Diese Luftaufnahme der Gaststätte Brinck­wirth entstand Mitte der 1960er Jahre kurz nach der Fertigstellung des Neubaus.
Diese Luftaufnahme der Gaststätte Brinck­wirth entstand Mitte der 1960er Jahre kurz nach der Fertigstellung des Neubaus. Foto: privat

Wenn Maria Brinck­wirth aus ihrer aktiven Zeit als Gastwirtin erzählt, fällt ihr spontan die Schlemmerplatte ein. „Die Leute, die zum Essen kamen, haben fast alle eine Schlemmerplatte bestellt“, erinnert sich die Seniorin an die Spezialität aus ihrer Küche. Über viele Jahre sei das der Hit auf der Speisekarte des Restaurants Brinckwirth „Zum Köhler “ gewesen. „Die wurde auch oft außer Haus geliefert“, weiß ihr Sohn Heinrich , der heutige Chef des Hauses. Auch seine Frau Silvia hat die Schlemmerplatten kennengelernt. „Als ich nach Ochtrup kam, waren die noch immer die Nummer eins“, wendet sich die gebürtige Schweizerin an ihre Schwiegermutter.

Im Gespräch mit der Berichterstatterin graben die drei Brinkwirths in Erinnerungen. Maria Brinkwirth erzählt aus der Blütezeit des Frühschoppens am Sonntagmorgen. Zuerst gingen die Männer in den sonntäglichen Gottesdienst und anschließend schnurstracks ins Wirtshaus. Man trank vorwiegend Schnäpskes und tauschte die Neuigkeiten der Woche aus. „In Dreierreihen standen die Männer damals vor der Theke“, spannt Maria Brinck­wirth den Bogen zurück in die 1950/60er Jahre, als das Bier noch nicht so begehrt war wie heute. Auf die Frage, ob ihre sonntäglichen Gäste denn stets pünktlich zum Mittagessen heim gingen, schmunzelt die Seniorin und meint nach einer kurzen Pause: „Nicht alle.“

Gemeinsam mit ihrem Sohn Heinrich und dessen Frau Silvia (l.) blickt Maria Brinckwirth zurück auf ihre Zeit als Wirtin im Hotel-Restaurant Brinckwirth.

Gemeinsam mit ihrem Sohn Heinrich und dessen Frau Silvia (l.) blickt Maria Brinckwirth zurück auf ihre Zeit als Wirtin im Hotel-Restaurant Brinckwirth. Foto: Irmgard Tappe

Der Thekenbetrieb hatte früher einen viel größeren Stellenwert als heute. Das hat auch Heinrich Brinck­wirth als Heranwachsender mitbekommen. Viele Handwerker seien nach Feierabend gern in der Gaststätte eingekehrt. Ein paar Bierchen oder Körnchen trinken, ein bisschen plaudern – so ließen sie den Tag ausklingen. Zu der Zeit, berichten die Brinckwirths, hätten viele Thekengäste einen „Deckel“ machen lassen. Anstatt „Zahlen bitte“ hieß es: „Schriew‘t man an“, und die Bierdeckel füllten sich. Jeder hatte seinen persönlichen Deckel, der circa einmal monatlich abgerechnet wurde. „Meine Eltern hatten extra eine Deckelschublade eingerichtet“, schmunzelt Heinrich Brinck­wirth.

Der 50-Jährige erzählt auch von den Sparclubs. Besonders in den 1970er/1980er Jahren hatten sie Tradition in Ochtrup: „Die Krönung des Jahres waren für diese Clubs die Sparfeste. Zur Musik eines Alleinunterhalters wurde viel getanzt. Und die Luft war wie Nebel, weil an diesen Abenden enorm viel geraucht wurde. Außerdem gab es eine Verlosung. Und bei der Auszahlung der Ersparnisse wurde der Sparkönig gekürt. Die Sparclubs hatten diese Abende eine Woche lang vorbereitet.“

Die Geschichte des Hauses Brinckwirth aber ist viel älter als Deckelschublade, Sparclubs und Schlemmerplatten. Und auch älter als das Gebäude an der Ecke Bahnhofstraße/ Marienstraße.

So sieht das Hotel-Restaurant Brinckwirth heute aus.

So sieht das Hotel-Restaurant Brinckwirth heute aus. Foto: Anne Steven

Das alte Gebäude stand an der Bahnhofstraße. Johann Köhler eröffnete dort im Jahre 1873 die Schankwirtschaft „Zum Köhler“. Ende des 19. Jahrhunderts heiratete die Köhler-Tochter Anna den Metelener Felix Brinckwirth. Felix und Anna übernahmen 1900 die Gaststätte, die weiterhin „Zum Köhler“ hieß. „Nebenbei betrieb mein Urgroßvater eine kleine Landwirtschaft, einen Landhandel und ein Kolonialwarengeschäft“, weiß Heinrich Brinck­wirth aus der Familienchronik. Um diese Zeit stand auch die erste Modernisierung der Gaststätte an. „Nachdem mein Großvater Heinrich den Betrieb übernommen hatte, gab er die Kolonialwaren auf und vertrieb Kohlen. Das hat mein Vater Hermann noch weiter geführt. Bis die Ochtruper Haushalte zunehmend auf Gas- und Ölheizung umstellten.“

1964 übernahmen Hermann und Maria Brinck­wirth den Betrieb. Fortan konzentrierten sie sich auf ihre Gastwirtschaft und passten sich dem Zeitenwandel an. Statt Kohle hieß das neue Standbein: ein Neubau mit zusätzlich fünf Hotelzimmern und einem Restaurant. Während der Bauphase habe die Familie in dem alten Haus gewohnt, erzählt Heinrich Brinckwirth und zeigt ein Foto, auf dem beide Gebäude zu sehen sind. Bei den Planungen aber muss der Architekt sich wohl etwas verkalkuliert haben. „Als der Bau ziemlich fortgeschritten war, stellte man fest, dass für das letzte Stückchen Mauer in Richtung Bahnhofstraße kein Platz war. Das alte Haus stand im Weg. Man machte kurzen Prozess und brach das erforderliche Stück aus dem alten Gebäude heraus“, berichtet Heinrich Brinck­wirth.

Seit 1991 leiten er und seine Frau Silvia den Gastronomiebetrieb, der inzwischen auf 17 Hotelzimmer angewachsen ist und über einen Saal mit 200 Plätzen verfügt. Dort hängt noch die Skizze des ersten Schankraums. Vieles hat sich seither geändert im Hause Brinckwirth. Der Ursprungsname „Zum Köhler“ aber ist erhalten geblieben.

Die alte Wirtschaft wurde Anfang der 1970er Jahre abgerissen. Gleich daneben entstand bereits mitte der 1960er Jahre der Neubau.

Die alte Wirtschaft wurde Anfang der 1970er Jahre abgerissen. Gleich daneben entstand bereits mitte der 1960er Jahre der Neubau. Foto: privat

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