Apotheken beklagen Lieferengpässe
Auf der Suche nach Medikamenten

Ochtrup -

Eigentlich sollte in Apotheken die pharmazeutische Beratung im Mittelpunkt stehen. Doch wie in ganz Deutschland liegt auch in Ochtrup der Fokus vieler Mitarbeiter derzeit auf einem anderen Thema. Denn, um Kunden zu einem Präparat beraten zu können, müsste dieses auch verfügbar beziehungsweise bestellbar sein. Und an dieser Stelle hakt es aktuell gewaltig.

Mittwoch, 05.06.2019, 06:00 Uhr
Viele Medikamente sind derzeit nicht lieferbar. Auch die Apotheken in Ochtrup haben mit diesem Problem zu kämpfen.
Viele Medikamente sind derzeit nicht lieferbar. Auch die Apotheken in Ochtrup haben mit diesem Problem zu kämpfen. Foto: dpa

„Es ist ein großes Problem“, gibt Apothekerin Milena Post unumwunden zu. In ihrer Markt-Apotheke ist aktuell immer eine Mitarbeiterin damit beschäftigt, abzuklären, bei welchem Medikament es gerade Lieferschwierigkeiten gibt. Wie es zu diesen Engpässen kommt? Ein Faktor ist, dass Medikamente heute aus Kostengründen größtenteils in asiatischen Ländern wie Indien oder China produziert werden. „Die Hersteller arbeiten für mehrere Pharmafirmen gleichzeitig“, weiß Milena Post. Wenn nun, wie im vergangenen Jahr bei dem Wirkstoff Valsartan, der in Blutdruckmitteln eingesetzt wird, Präparate zum Beispiel wegen Verunreinigungen zurückgerufen werden müssen, ist nicht nur ein Pharmaunternehmen betroffen, sondern gleich mehrere. Das sei das Ergebnis der Globalisierung sagt Milena Post.

Hinzu kommt, dass die Krankenkassen mit den Pharmaproduzenten sogenannte Rabatt-Verträge abschließen, um Kosten zu sparen. Deren Laufzeit beträgt in der Regel ein Vierteljahr. Die Firmen lassen deshalb meist nur noch geringe Mengen herstellen. Eine Tatsache, die nicht zur Entschärfung der Situation beiträgt.

Mittlerweile gehöre es zum täglichen Geschäft, den Kunden zu erklären, warum dieses oder jenes Medikament gerade nicht lieferbar ist, sagt Milena Post. Ähnliches berichtet auch Carolin Galonska , Apothekerin in der Marien-Apotheke. Einige Kunden wüssten bereits über die Thematik Bescheid, andere reagierten verständlicherweise mit Ärger.

Die Apotheken dürfen in der Regel nur solche Präparate herausgeben, die die jeweilige Krankenkasse im Rabatt-Vertrag ausgehandelt hat. Ist dieses Medikament nicht verfügbar, haben Apotheker die Möglichkeit, einen Vermerk auf das Rezept zu schreiben und eine Alternative herauszugeben. „Wir müssen das aber immer begründen“, betont Carolin Galonska. Und für die Apotheke bleibe das Risiko, auf den Kosten sitzenzubleiben, wenn beispielsweise die Krankenkasse die Situation anders bewerte.

„Den Kunden ohne Medikament nach Hause zu schicken, ist aber keine Option“, stellt Carolin Galonska klar. Oftmals bekomme dieser den Aufwand, der hinter den Kulissen betrieben werde, um das entsprechende Präparat oder ein alternatives Produkt aufzutreiben, gar nicht mit. Und manchmal hieße das eben auch, den Kunden in eine andere Apotheke zu schicken, weil das Mittel dort vielleicht noch vorrätig ist. „Wirtschaftlich ist das natürlich Mist“, weiß auch Carolin Galonska, doch das nehme sie dann eben in Kauf.

Ist auf keinem Wege ein Ersatzmittel zu finden, wenden sich die Apotheker an die behandelnden Ärzte, die dann wiederum gegebenenfalls die Medikation verändern müssen. Milena Post hatte jüngst den Fall, dass ein Antiepileptikum nicht lieferbar war. Gerade bei dieser Erkrankung sei es schwierig, „einfach so“ das Medikament zu wechseln. Doch in diesem Fall blieb der Patientin keine Wahl. Ebenfalls nicht lieferbar ist aktuell ein Breitband-Antibiotikum, das bei schweren Infektionen zum Beispiel durch Borreliose einsetzt wird. „Das geht gar nicht“, findet Milena Post und macht sich Sorgen. Denn ihres Wissens nach wird mittlerweile kein einziges Antibiotikum mehr in Deutschland hergestellt.

Auch bei zahlreichen Impfstoffen beklagt die Apothekerin Lieferengpässe. Eine Auflistung findet sich auf der Homepage des Paul-Ehrlich-Instituts.

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