Möllers Erdbeeren haben Saison
Viel Einsatz für kleine Früchtchen

Ochtrup -

Die süßen Früchtchen haben jetzt Hochsaison: Auf acht Hektar erstrecken sich die Erdbeerfelder der Familie Möllers, auf denen täglich geerntet wird. Erdbeerpflücken ist am Wochenende ein gerne durchgeführtes Familien-Event - in der Woche ist der Umsatz an bereits abgewogenen Früchten jedoch weitaus höher.

Donnerstag, 06.06.2019, 06:00 Uhr aktualisiert: 06.06.2019, 06:02 Uhr
Eine Pause gibt‘s nur fürs Foto: (v.l.) Heiner, Luisa, Michael und Monika Möllers.
Eine Pause gibt‘s nur fürs Foto: (v.l.) Heiner, Luisa, Michael und Monika Möllers. Foto: Susanne Menzel

Sie sind klein, prall – und schmecken am besten, wenn sie noch eine leichte Wärme haben, die davon zeugt, dass sie reichlich von der Sonne geküsst wurden. So entwickeln sie ihren vollen Geschmack. Klar, die Rede ist von Erdbeeren. Und die haben gerade Hochsaison.

Auf rund acht Hektar Fläche baut Heiner Möllers in der Töpferstadt die Beere an, die in Wirklichkeit gar keine ist, sondern botanisch als Sammelnussfrucht gilt. Vier Hektar werden direkt am Hof in der Wester bestellt, die anderen vier liegen verteilt rund um die Töpferstadt und bieten auch die Möglichkeit zum Selberpflücken.

„Die Idee, sich mit dieser Pflanze ein weiteres Standbein für unseren landwirtschaftlichen Betrieb zu schaffen, hat eigentlich mein Schwiegervater Karl ins Spiel gebracht“, gibt Heiner Möllers zu. Er selbst war damals noch im Mobilfunkgeschäft unterwegs, „wusste aber, dass durch die Standortverlagerung vieler Anbieter für mich eine Alternative her musste. Da wir zuvor schon über 30 Jahre Stiefmütterchen als Direktvermarktung im Portfolio hatten, waren wir bereits ein Stück weit drin in diesem Geschäft“, erinnert sich der heute 63-Jährige.

Die Familie zog mit. Vier Generationen leben und arbeiten bei Möllers unter einem Dach: Senior Karl, Tochter Monika , Schwiegersohn Heiner, Junior Michael (32) und seine Frau Luisa. Sie alle haben sich ihre Nische gesucht. Selbst Leon, mit vier Jahren der jüngste Spross, hat schon eine Aufgabe übernommen: Er kostet auf den Feldern die leckeren Früchtchen auf ihren Geschmack.

Die Erdbeerernte ist zwar eine Saisonarbeit – zumeist von Anfang Mai bis Ende Juli –, die aber hat es in sich: „Ich stehe bei Sonnenaufgang so um 4.30 Uhr auf und lege mich bei Sonnenuntergang wieder ins Bett. Ganz nach dem Motto ‚Und täglich grüßt das Murmeltier‘. Ende Juli ist dann wirklich die Luft raus bei diesem Programm“, schildert Heiner Möllers. Sowohl er als auch Ehefrau Monika, Sohn Michael und Schwiegertochter Luisa stehen „nebenbei“ noch zusätzlich im Beruf. „Damit ständig jemand von uns vor Ort ist, nehmen wir in der Erntezeit einer nach dem anderen Jahresurlaub“, erläutert Monika Möllers den durchorganisierten Ablauf. Denn die Felder bewirtschaften sich nicht von alleine, auch die Ware kommt nicht von Zauberhand an Abnehmer wie Hotels, Gastronomie, Eisdielen oder Genossenschaft. „Die wird morgens – direkt nach dem Pflücken – frisch ausgeliefert. Es gibt bei uns keine Erdbeere vom Vortag zu kaufen.“ Was nicht an den Mann oder die Frau gebracht werden kann, wird verarbeitet: zu Fruchtaufstrich, Saft oder – in einer Kellerei – zu Erdbeer-Secco. „Das Aufstrich-Rezept stammt noch von meiner Mutter Anna“, sagt Monika Möllers.

Zehn Saisonkräfte aus Rumänien unterstützen die Möllers bei der Pflückarbeit. Sieben weniger als noch im vergangenen Jahr. „Es sind Helfer, die schon über Jahre bei uns sind. Die aber jetzt wiederzubekommen, war ein Kraftakt“, geben die Ochtruper zu. „Die anderen wären auch gerne wiedergekommen. Die seit Ende vergangenen Jahres geänderte Gesetzeslage erschwert aber zusehends die Möglichkeiten“, ärgern sich Heiner Möllers und Sohn Michael.

Wer im dritten Jahr in Folge regelmäßig drei Monate in Deutschland gearbeitet hat, wird sozialversicherungspflichtig. Bekamen die Pflücker bislang das Geld netto gleich brutto ausgezahlt, bleibt ihnen nun weniger im Portemonnaie. „Blieben ihnen in 2018 noch 8,84 Euro übrig, müssen sie in diesem Jahr von den 9,19 Euro Stundenlohn rund zwei Euro an Sozialabgaben abführen. Macht etwas über sieben Euro netto. Das wollen die Helfer so nicht akzeptieren“, zeigt Heiner Möllers für sie Verständnis.

Und der Arbeitgeber muss auf die 9,19 Euro selbst noch einmal zwei Euro an Sozialabgaben drauflegen. „Da wird‘s dann langsam eng“, weiß die Familie. Aufgeben oder verzagen ist für die landwirtschaftlichen Unternehmer allerdings keine Option: „Wir werden das irgendwie hinbekommen, wir haben‘s bisher immer geschafft“, sprechen sie sich selbst Mut zu. Und dann sind da auch noch die Kunden: „Zwar ist das selber Pflücken eher zu einem Familienevent am Wochenende geworden, viele wissen aber die Qualität und den Geschmack unserer Erdbeeren zu schätzen.“ Ob in Ochtrup, in Gronau, in Metelen oder in Schöppingen: Die weithin sichtbaren Erdbeerhäuschen sind gut besucht. Und nicht jede Erdbeere schafft es von dort aus auch bis zum Heim der Käufer, sondern landet schon auf dem Weg zum Rad oder Auto genussvoll im Mund.

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