Akuter Platzmangel an Von-Galen-Schule und OGS
Willkommen in der Puppenstube

Ochtrup -

Die Von-Galen-Schule in Welbergen hat Charme. Das alte Gemäuer entspricht wohl dem Idealbild einer echten Dorfschule. Und trotzdem hat sie einen Mangel: Sie ist zu klein. Der Ausschuss für Bildung und Sport ließ sich am Montagabend von Schulleiterin Katja Bahlinghorst und ihrem Team herumführen. Dabei wurde auch klar: Die OGS muss dringend erweitert werden.

Mittwoch, 26.06.2019, 06:00 Uhr
In der Von-Galen-Schule in Welbergen herrscht Platzmangel.
In der Von-Galen-Schule in Welbergen herrscht Platzmangel. Foto: Steven

Das in der OGS der Von-Galen-Schule in Welbergen Platzmangel herrscht, bekamen die Mitglieder des Ausschusses für Bildung und Sport am Montagabend am eigenen Leib zu spüren. Dicht gedrängt hockten sie mit etwa 20 Politikern, den Vertretern der Verwaltung und einigen Zuschauern im Saal des Pfarrheims „Die Brücke“ – dort, wo aktuell fast 50 und im kommenden Schuljahr knapp 60 Kinder der Offenen Ganztagsschule ihr Mittagessen einnehmen.

„Das ist kaum noch haltbar“, beschrieb die Leiterin der Von-Galen-Schule, Katja Bahlingshorst, den Status quo. Viele Jahre sei die Nutzung des Pfarrheims durch die OGS eine gute Lösung gewesen. Gestartet war die Einrichtung, die übrigens in Trägerschaft der Kirchengemeinde steht, 2005 mit 15 Kindern. Die Situation sei langsam gewachsen.

Jeden Tag, so berichtete Katja Bahlinghorst , müsse das zehnköpfige Team der OGS unter Leitung von Christel Kötter neben der Betreuung der Kinder und den Vorbereitungen für das Mittagessen in der winzigen Teeküche beispielsweise die Tische und Stühle im Saal der „Brücke“ auf- und wieder abbauen, schließlich werden die Räume auch durch andere Gruppen genutzt. Auch die sanitären Anlagen sind überschaubar: Es gibt jeweils eine Toilette für Männlein und Weiblein – wobei das Personal die selben Anlagen nutzt wie die Schüler.

Wenig Platz gibt es auch in der OGS. Deren etwa 50 Kinder nutzen derzeit die Räume im Pfarrheim „Die Brücke“.

Wenig Platz gibt es auch in der OGS. Deren etwa 50 Kinder nutzen derzeit die Räume im Pfarrheim „Die Brücke“. Foto: Anne Steven

Um ihre Hausaufgaben zu machen, wechseln die Mädchen und Jungen der OGS nach dem Mittagessen hinüber in die Von-Galen-Schule. Der kleine Raum neben dem Saal der „Brücke“ reicht dafür schon lange nicht mehr aus. Glücklicherweise sind die Wege in Welbergen kurz. Durch den Garten der „Brücke“, vorbei am ehemaligen Pfarrzentrum, das am Wochenende von den Maltesern genutzt wird und wohin die OGS ebenfalls ausweicht, geht es über eine Obstbaumwiese direkt auf den Hof der Von-Galen-Schule.

Auch die Politiker gingen am Montagabend den Weg der Schüler. Denn die fehlenden Raumkapazitäten in der OGS sind nicht das einzige Problem. Lange habe die Schulleitung mit sich gerungen, doch irgendwann sei einfach ein Punkt erreicht, an dem sie sich auch den Platzmangel in der Von-Galen-Schule in Welbergen nicht mehr schön reden könnten, so Katja Bahnlinghorst. Klar, der Standort sei idyllisch und habe Charme, eine richtige Dorfschule eben – mit hohen Räumen, aber eben auch nur begrenztem Platz.

Die Küchensituation in der OGS Welbergen soll kurzfristig verbessert werden. Darin war sich der Ausschuss für Bildung und Sport sofort einig.

Die Küchensituation in der OGS Welbergen soll kurzfristig verbessert werden. Darin war sich der Ausschuss für Bildung und Sport sofort einig. Foto: Anne Steven

„Herzlich willkommen in unserer Puppenstube!“, begrüßte sie am Montagabend die Politiker und öffnete schwungvoll die Tür zu dem kleinen Büro, das sie sich mit Konrektorin Sandra Rohe, der Sekretärin, der Hausmeisterin und Christa Kötter teilt. „Wenn ich ein Elterngespräch führen muss, muss ich in einen anderen Raum wechseln und dort die Fördergruppe rausschmeißen“, verdeutlichte die Schulleiterin den Platzmangel.

Aktuell nutzt sie mit ihrer ersten Klasse den größten Raum der Schule. Doch dieser hat auch einen Nachteil: Er ist ein Durchgangszimmer.

„Wir haben uns fast schon daran gewöhnt, dass die Kollegen auf dem Weg zur Toilette bei uns vorbeilaufen“, erzählte Katja Bahlinghorst aus dem Schulalltag. Doch es fehle beispielsweise auch an Förderräumen mit Möglichkeiten zur Differenzierung. Auch einen Werk- oder Musikraum sucht man sowohl in Welbergen als auch in Lan­genhorst vergeblich, von Barrierefreiheit ganz zu schweigen.

„Hier findet die Acht- bis Eins-Betreuung statt – mit 20 Kindern“, erklärte Christa Kötter und drehte sich in dem zwar mit hohen Decken, aber wenig Grundfläche ausgestatteten Räumchen um die eigene Achse. Wie das funktioniert? „Im besten Fall ist gutes Wetter“, meint die Och­truperin schulterzuckend. An Regentagen sei Improvisationstalent gefragt. Manchmal müsse man dann eben auf die Flure ausweichen.

Längst haben Katja Bahlingshorst und ihre Mitstreiterinnen bei diesem Rundgang alle Beteiligten überzeugt. Doch wie könnte eine sinnvolle Lösung aussehen? Für die Schulleiterin wäre das ein Neubau neben der Turnhalle, der beide bisherigen Standorte – Welbergen und Langenhorst – sowie die OGS aufnehmen kann. So müssten Kinder und Lehrkräfte nicht mehr pendeln und lange Wege in Kauf nehmen. Auch die Kosten für die Instandhaltung von Gebäuden würden sinken. Alternativ kann sich Bahlinghorst aber auch den Neubau einer Schule auf dem Schulhof in Welbergen inklusive OGS vorstellen. In diesem Fall müsse aber auch das Schulgebäude in Lan­genhorst saniert werden.

Der Ausschuss war sich sofort einig, dass etwas passieren muss. Die Verwaltung bekam den Auftrag, nun die im Antrag der Von-Galen-Schule genannten Ideen auf ihre Umsetzbarkeit hin zu prüfen. Außerdem soll zeitnah die Küchensituation in der OGS verbessert werden. Michael Alfert, Fachbereichsleiter Ordnung, Schulen, Soziales, hatte in diesem Zusammenhang bereits Raummodule als kurzfristige Lösung im Kopf.

Der Vertreter des Jugendparlaments, Emil Lippers-Hollmann, hatte dann noch eine ganz entscheidende Frage. Er wollte wissen, von welchem Zeitraum die Politiker denn da eigentlich redeten. So richtig konnte ihm diese Frage niemand beantworten. Doch mit fünf Jahren müsse er schon rechnen.

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