Als Zwillinge in der Schule
Svenja und Manuel sind ein gutes Team

Ochtrup -

Svenja und Manuel zanken für ihr Leben gern miteinander. Die 16-jährigen Zwillinge bekommen am Freitag ihre Abschlusszeugnisse der Städtischen Realschule in Ochtrup. Beim Rückblick auf zehn Jahre Schulzeit fällt ihnen auf: Es ist schon etwas Besonderes, die Schwester oder den Bruder auch in der Schule immer an seiner Seite zu wissen.

Freitag, 28.06.2019, 06:00 Uhr
Svenja und Manuel Grave bekommen heute ihre Abschlusszeugnisse. Vor zehn Jahren begann die Schullaufbahn der Zwillinge.
Svenja und Manuel Grave bekommen heute ihre Abschlusszeugnisse. Vor zehn Jahren begann die Schullaufbahn der Zwillinge. Foto: Anne Steven

Wer Svenja und Manuel Grave zusammen erlebt, stellt sehr schnell fest: Ja, die beiden sind Geschwister. Denn so herrlich zoffen und zanken, das können einfach nur Schwester und Bruder. Die Tatsache, dass die beiden 16-Jährigen Zwillinge sind, spielt dabei kaum eine Rolle. Heute bekommen die Geschwister nach zehn gemeinsamen Realschuljahren ihre Abschlusszeugnisse. Und beim Rückblick fällt auf: Ein bisschen besonders ist es doch, wenn man ein Zwilling in der Schule ist.

Für ihre Eltern Sabine und Martin Grave stand von Anfang an fest, dass ihre beiden jüngsten Kinder – Tochter Vanessa ist dreieinhalb Jahre älter als die Zwillinge – in der Grundschule eine Klasse besuchen werden. „Die Kinder aus der Oster gehen ja traditionell in Langenhorst zur Schule. Und dort gibt es nur eine Eingangsklasse“, sagt Sabine Grave. Zwischen den beiden Standorten der Von-Galen-Schule in Langenhorst und Welbergen zu pendeln, dass sei ihr „ganz ehrlich“ auch zu aufwendig gewesen. „Da war ich egoistisch. Ich fahre doch nicht zu zwei Elternabenden“, erzählt die Mutter lachend von ihren Beweggründen. Wobei sie zugibt, wenn ihre Zwillinge kein Pärchen, sondern jeweils zwei Mädchen oder zwei Jungs und dann womöglich noch eineiig gewesen wären, hätte sie vielleicht anders gedacht. Jedes Kind solle ja die Chance bekommen, sich eigenständig entwickeln zu können.

Teamarbeit in Perfektion

Für die Grave-Zwillinge kein Problem. Zwar verbrachten sie in der Grundschule noch viel Zeit miteinander, aber jeder habe sich eigene Freunde gesucht, stellt die Mutter rückblickend fest.

Und obwohl Manuel unumwunden zugibt, sich für sein Leben gern mit seiner ein winziges bisschen älteren Zwillingsschwester zu streiten (Sabine Grave: „Die zwei können sich zoffen wie die Kesselflicker“), war er dann beim Wechsel auf die Realschule froh, Svenja an seiner Seite zu wissen. „Denn mein bester Freund ist damals zum Gymnasium gegangen“, erzählt der 16-Jährige.

So fing es an: Svenja und Manuel Grave am Tag ihrer Einschulung.

So fing es an: Svenja und Manuel Grave am Tag ihrer Einschulung. Foto: Familie Grave

Und die beiden Streithähne können sich zanken so viel sie wollen – sie scheinen ein gutes Team zu sein, auch in der Schule. Svenja hat den organisatorischen Part übernommen. Egal, ob Anmeldezettel oder Elternbrief, wenn die heute 16-Jährige sich darum kümmerte, kam beides rechtzeitig beim Empfänger an. Andersherum konnte sie sich beim Thema Mathematik auf ihren jüngeren Zwillingsbrüder verlassen.

Apropos: Sabine Grave hat während der Schulzeit ihrer Kinder festgestellt, „dass es schon eine große Hilfe ist, wenn die Kinder sich zum Beispiel bei den Hausaufgaben auch gegenseitig unterstützen können.“

Künftig wird das wohl anders sein. Denn beruflich werden sich die Zwillinge in unterschiedliche Richtungen bewegen. „Kümmererin“ Svenja absolviert demnächst einen Bundesfreiwilligendienst bei den Caritaswerkstätten in Langenhorst. Manuel will weiter die Schulbank drücken und erst einmal sein Fachabitur machen. Parallel geht er außerdem die Ausbildung zum Informationstechnischen Assistenten an. Danach soll es dann ein duales Studium im Bereich IT sein.

Ein ganz besonderer Abschlussball

Doch erst mal gibt es heute die Abschlusszeugnisse und abends soll kräftig gefeiert werden. „Diesmal aber zu fünf“, betont ihre Schwester Vanessa. Die 19-Jährige hat im vergangenen Jahr ihr Abitur gemacht. Doch damals konnte Mutter Sabine bei den Feierlichkeiten nicht dabei sein. Nach einer schweren Lungenerkrankung bekam die heute 50-Jährige in der Nacht vor dem Abiball den Anruf, dass für sie ein Spenderorgan gefunden worden war. Während in der Aula die Reifezeugnisse verteilt wurden, lag Sabine Grave schon im OP. Daher ist der Abschlussball der Zwillinge für Familie Grave etwas ganz Besonderes. Svenja und Manuel haben sogar versprochen, an diesem Tag ausnahmsweise nicht zu zanken – auch wenn sie das für ihr Leben gern tun.

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