Mit 61 Jahren: Irmgard Thiemann läuft und läuft und läuft
Der innere Schweinehund ist tot

Ochtrup -

Laufen macht süchtig. Und diese Sucht richtet sich nicht nach einem Alter. Irmgard Thiemann ist 61 Jahre. Und hat jetzt in drei Etappen die 100 Kilometer lange Strecke am Nord-Ostsee-Kanal entlang bewältigt.

Samstag, 06.07.2019, 10:00 Uhr
Auf der 100 Kilometer langen Laufstrecke am Nord-Ostsee-Kanal entlang fand Irmgard Thiemann immer wieder Gelegenheit für Landschaftsaufnahmen.
Auf der 100 Kilometer langen Laufstrecke am Nord-Ostsee-Kanal entlang fand Irmgard Thiemann immer wieder Gelegenheit für Landschaftsaufnahmen. Foto: Irmgard Thiemann

Zwei Minuten laufen, zwei Minuten gehen. Drei Minuten laufen, drei Minuten gehen. Vier Minuten . . . – Langsam, in kleinen Schritten, hat sich Irmgard Thiemann in den Sport zurückgetastet. „Viele Jahre lang hatte ich mit Asthma und Bronchitis zu kämpfen. Ich musste Medikamente nehmen. Mit körperlich anstrengender Betätigung war da nix“, erzählt die 61-Jährige rückblickend.

Anfang der 2000er Jahre musste die Ochtruperin dann zwei Kuren absolvieren. Beim anschließenden Reha-Sport kam das Trimmrad zum Einsatz. „Da dachte ich mir: Wenn das klappt, dann klappt es auch mit dem Laufen in freier Natur.“ Monat für Monat hat sich die agile Frau vorangearbeitet. „In 2007 habe ich zum ersten Mal zehn Kilometer am Stück zurücklegen können“, freut sie sich noch heute über diesen Erfolg.

Parallel zur läuferischen Leistungssteigerung ging‘s auch gesundheitlich bergauf. Die Kilos schmolzen, die Tabletten wurden überflüssig. Zusätzlich zu ihrem individuellen Fitnessprogramm meldete sich Irmgard Thiemann bei Lau-Brechte an, trainiert seitdem zusätzlich zweimal wöchentlich im Verein. „Inzwischen gehe ich vier Mal in der Woche auf die Strecke. Privat lege ich zwischen sechs und 15 Kilometer zurück, im Team schaffen wir zwischen fünf und acht Kilometer“, rechnet sie vor.

Die 61-Jährige liebt ihren Sport: „Der Kopf wird frei, man fühlt sich anschließend einfach wohl“, sagt sie. „Mein innerer Schweinehund ist schon lange tot.“ Deshalb war ihr Umfeld sicherlich auch nicht sonderlich überrascht, als sie jetzt ihr neuestes persönliches Ziel bekanntgab: „Ich bin im Urlaub bereits häufiger am Nord-Ostsee-Kanal entlang gelaufen. Aber immer nur einzelne Etappen. Deshalb habe ich mir gedacht: Die gesamte Länge von 100 Kilometern müsste doch auch zu schaffen sein.“

Irmgard Thiemann schoss unterwegs Selfies.

Irmgard Thiemann schoss unterwegs Selfies. Foto: Irmgard Thiemann

Aus dem Verein konnte aus beruflichen Gründen niemand mitziehen. Ehemann Bernd-Heinz hat sich zwar dann nicht läuferisch, aber moralisch unterstützend an die Seite seiner Frau gestellt. „Er hat mich mit dem Wohnmobil begleitet und war stets rufbereit, falls mal etwas passieren sollte“, lobt die Ochtruperin.

Ein halbes Jahr lang hat sich die 61-Jährige auf die 100-Kilometer-Etappe vorbereitet, die Route ausgeklügelt und berechnet und mit Ehemann Bernd-Heinz nach Campingplätzen an günstigen Standpunkten gesucht. Dann ging‘s jetzt los. „Vier Etappen hatte ich mir ursprünglich vorgenommen. In drei hab‘ ich es trotz der Hitze geschafft. In einer Gesamtlaufzeit von 16 Stunden“, schießt bei dem Gedanken an diese Leistung immer noch das Adrenalin in die Adern.

„Es war eine wunderschöne Strecke. Ich bin am Montagmorgen um 10 Uhr am Leuchtturm gestartet. Ohne Kopfhörer, nur mit zwei Wasserflaschen und dem Handy im Gepäck“, schildert Thiemann. Unterwegs habe sie immer wieder besonders markante Punkte im Bild festgehalten. „Man trifft beim Laufen viele nette Menschen“, freut sich die Ochtruperin rückblickend. „Auch beim Nachfüllen der Wasserflaschen – einmal in einer Schule, ein anderes Mal in einem uralten Gasthof – wurde ich freundlich empfangen.“ Und so ließen sich die 40 Kilometer bis zur Gemeinde Schacht-Audorf gut bewältigen. Am nächsten Tag jedoch setzte die enorme Hitze der Läuferin stärker zu als gedacht. „Nach 25 Kilometern ging nichts mehr. Ich habe deshalb erst einmal das Handtuch geschmissen“, berichtet sie.

Als am Mittwoch die Temperaturen noch weiter hoch kletterten, legte sie eine Pause ein, um am Donnerstag das anvisierte Ziel ins Visier zu nehmen. „Ich bin schon ein wenig stolz auf mich“, bekennt Irmgard Thiemann ganz offen.

Und obwohl sie die 100 Kilometer nun geschafft hat – läuferisch am Ziel ist sie noch lange nicht. „Das Virus hat mich infiziert. Aber ich kann gut damit leben“, lacht sie. Die nächsten Pläne sind übrigens bereits geschmiedet. Gebürtig am Niederrhein, „möchte ich mir entlang der Grenze dort meinen Weg suchen.“ Das sind lockere 170 Kilometer. Und wo der innere Schweinehund schon zu Grabe getragen worden ist, sind sie ganz sicher für Irmgard Thiemann zu schaffen.

Nur bei Gewitter und Glatteis wird indoor trainiert.

Nur bei Gewitter und Glatteis wird indoor trainiert. Foto: Susanne Menzel

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