Küchenchef Carsten Gust arbeitet zurzeit in Ruanda
Als Koch die Welt gesehen

Ochtrup -

Carsten Gust hat in vielen Töpfen der Welt gerührt. Als Küchenchef war der 42-jährige Ochtruper von San Franzisko bis Ruanda in unterschiedlichen Restaurants tätig. In Peking hat er schon einmal eine Brauerei betrieben, aber zuhause lassen ihn seine Eltern nicht an den Herd ...

Mittwoch, 10.07.2019, 23:00 Uhr
Der Ochtruper Carsten Gust auf Heimaturlaub – mit seiner Frau Linda und den Kindern Upale und Ishmi
Der Ochtruper Carsten Gust auf Heimaturlaub – mit seiner Frau Linda und den Kindern Upale und Ishmi Foto: Marion Fenner

Kochen fand Carsten Gust schon als Ferienkind auf Baltrum klasse. Mittlerweile rührt er in den Töpfen auf der ganzen Welt. Derzeit befindet sich der Ochtruper mit seiner Familie im Heimaturlaub bei seinen Eltern. Ausspannen steht dabei ganz oben der Tagesordnung. Ausflüge sind ebenfalls geplant, denn seiner Frau Linda und den Kindern Upale und Ishmi will er möglichst viel von seiner Heimat zeigen.

Ausbildung

Aus Ruanda ist Carsten Gust angereist, wo er gerade eine Stelle als Küchenchef in einem noblen Hotel innehat. Angefangen hat die Karriere mit einer Ausbildung in einem Hotel in Reit im Winkel. Im dortigen Steinbacher Hof lernte er sein Handwerk. „Ich wollte extra weit weg von zuhause“, sagt der 42-Jährige. „In meinem Beruf ist es aufgrund der Arbeitszeiten kaum möglich, sich abends oder am Wochenende mit Freunden zu treffen.“ Also galt die Devise: Je weniger Ablenkung, umso besser.

Als fertiger Koch ging es raus in die Welt. „Das läuft immer über Empfehlungen der Chefs“, erklärt Carsten Gust. Da gelte es dem vorauseilenden Ruf gerecht zu werden und die Erwartungen des neuen Arbeitgebers zu erfüllen. Es folgte eine Anstellung in einen mit 16 Gourmetpunkten bewerteten Restaurant in Davos. „Das war aber nur etwas für den Winter, im Sommer zog es mich wieder einmal nach Baltrum. Am besten lässt es sich dort arbeiten, wo andere Urlaub machen“, sagt der Ochtruper mit einem Augenzwinkern.

Knochenjob

In Emden besuchte Carsten Gust noch die Hotelfachschule und schloss als Betriebswirt für das Hotel- und Gaststättenwesen ab. Es folgte Stationen in Küchen in San Franzisko, London und Hamburg.

„Koch ist ein Knochenjob“, sagt Carsten Gust. Die Arbeitstage seien sehr lang und anstrengend. „Trotzdem würde ich mich immer wieder für diesem Weg entscheiden“, betont der Küchenchef. Von Hamburg aus ging es nach China. In der Sieben-Millionen-Einwohner-Stadt Suzhou habe ich mit meiner damaligen Freundin eine Brauerei eröffnet. Zudem habe wir bayerische Spezialitäten angeboten – das kam richtig gut an.“ Jeden Tag hätten sie etwa 400 Gäste bewirtet.

Ich habe noch gedacht, Portugal ist auch nicht schlecht, aber es war Lagos in Nigeria.

Carsten Gust

„Dort haben wir unseren Sohn einmal besucht“, berichtet Horst Gust von einem einmaligen Erlebnis. „Seine Freundin hat uns Ecken gezeigt, die Touristen sonst nicht zu sehen bekommen“, sagt Horst Gust. Auch kulinarisch sei dort manches mehr als gewöhnungsbedürftig gewesen. Hühnerfüße hat der Vater nicht probiert, und die Pekingente, die ihn immer angeschaut habe, sei auch nicht sein Ding gewesen.

Nach zwei Jahren zog es Christian Gust weiter. Es folgte ein Zwischenstation in Hamburg unter anderem im Hotel Radisson Blu, für das Carsten Gust auch vor seinem China-Aufenthalt tätig war. „Die Hotelgruppe ist fast auf der ganzen Welt vertreten. Mein Chef weiß, dass ich gut organisieren kann und wollte mich auch wieder weiterschicken. Ich habe ihm gesagt, dass ich überall hingehe, nur Russland und Afrika wollte ich nicht.“ Dann sei eine Anfrage für Lagos gekommen. „Ich habe noch gedacht, Portugal ist auch nicht schlecht, aber es war Lagos in Nigeria.“ Carsten Gust nahm die Herausforderung an. „In Afrika zu arbeiten ist nicht immer ganz einfach“, sagt der Koch. Nicht umsonst gelte der Spruch der Afrikaner: „Ihr habt die Uhr, wir haben die Zeit.“ Deutsche Pünktlichkeit gelte dort einfach nicht – doch auch damit kam der Ochtruper letztlich gut zurecht.

Verständigung

„In der Küche verständigen wir uns mit Händen und Füßen, gelegentlich auch mit Bildern, und irgendwann ist das Essen fertig und der Gast zufrieden.“ Zwei Jahre verschlug es Carsten Gust später in das sambische Lusaka. Dort lernte er auch seine Frau kennen. Zur Hochzeit reisten seine Mutter, seine Schwester und sein Patenkind an. „Dort haben wir auch das Problem mit der Pünktlichkeit kennengelernt“, berichtet Ingrid Gust. Als die Trauung stattfinden sollte, war eine vorherige Beerdigung noch nicht beendet. „In Afrika heißt es, wenn eine Hochzeit pünktlich beginnt, hält die Ehe nicht lange“, sagt Carsten Gust. Das habe dann auch seine Mutter akzeptiert.

Grünkohl-Samen

Seit zweieinhalb Jahren arbeitet der Ochtruper nun in Ruanda in einem Hotel, in dem vor allem Geschäftsleute zu bewirten sind. So langsam hält er Ausschau nach einer neuen Stelle. Aber Afrika soll es auf jeden Fall sein. Ende Juli geht es wieder zurück nach Ruanda. Im Gepäck hat Carsten Gust dann unter anderem Grünkohl-Samen. „Mein Lieblingsgericht“, sagt er und lacht. Der gedeiht bei uns prächtig, wir ernten zwei Mal im Jahr. Den nötigen Frostschock, den der Grünkohl für den Geschmack benötigt, erhält er in Äquatornähe im Tiefkühlfach.

Auf die Frage, ober er beim Heimaturlaub auch einmal seine Eltern bekocht, antwortet ganz schnell der Vater: „Auf keinen Fall. Carsten braucht immer mindestens zehn Töpfe, und wenn er fertig ist, lässt er einfach alles stehen.“

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