Rathaus-Neubau
„Ordentlicher Schluck aus der Pulle“

Ochtrup -

Die Stadt Ochtrup braucht ein neues Rathaus, schon lange. 65 Jahre dauert das Provisorium an der Professor-Gärtner-Straße schon. Ein neuer Standort ist bereits gefunden. Auf einem Areal an der Weinerstraße will die Stadt bauen. Dazu sollen jetzt die Verträge für 16 Grundstücke abgeschlossen werden. Der Rat hat dem Kauf bereits zugestimmt.

Freitag, 19.07.2019, 05:00 Uhr
Im südlichen Bereich der Weinerstraße soll in naher Zukunft das neue Rathaus für die Stadt Ochtrup entstehen.
Im südlichen Bereich der Weinerstraße soll in naher Zukunft das neue Rathaus für die Stadt Ochtrup entstehen. Foto: Anne Steven

Vor Kurzem wollte Roland Frenkert eine Art Jubiläum feiern. „Aber niemand in der Verwaltung wollte mitfeiern“, erzählt Ochtrups Kämmerer beim Pressegespräch am Donnerstagmorgen lachend. Ja, mit Humor geht vieles leichter. Doch beim Ochtruper Rathaus an der Professor-Gärtner-Straße, in dem die Verwaltung seit 1954 beheimatet ist, fällt das zunehmend schwerer. Ursprünglich war dieser Standort als Provisorium gedacht, das mittlerweile 65 Jahre andauert.

Der Kämmerer, Bürgermeister Kai Hutzenlaub und auch die Erste Beigeordnete Birgit Stening sind froh, dass die rund 110 städtischen Mitarbeiter bald an einen neuen Standort umziehen werden. „Schon als ich hier anfing, hieß es immer: Wir brauchen ein neues Rathaus“, erinnert sich Hutzenlaub noch gut an seinen Start als Verwaltungschef im Jahr 2009. Mit den Jahren habe sich zudem ein Instandhaltungsstau für das aus dem Jahr 1908 stammende Gebäude entwickelt. „Da wurde natürlich nur das Notwendigste gemacht“, weiß Hutzenlaub.

Neuer Standort an der Weinerstraße

Bereits Ende Februar 2018 hatte sich der Rat für einen neuen Standort im südlichen Bereich der Weinerstraße – zwischen der Weinerstraße 15, dem Kniepenkamp 16 und dem Südwall – ausgesprochen. Ursprünglich wollte die Stadt nur etwa 40 Prozent der teils bebauten Flächen von einem Investor erwerben, den Rest hatte dieser zunächst für sich selbst verplant. „Damals sind wir aber noch von einer vier- bis fünfgeschossigen Bebauung ausgegangen“, erinnert sich der Bürgermeister. Im Laufe der Gespräche habe sich herausgestellt, dass eine solche Bauweise aus städtebaulicher Sicht nicht tragbar ist. Außerdem bewirken die Denkmäler am Kniepenkamp einen sogenannten Umgebungsschutz. Im Rat lösten die Pläne ebenfalls „Gemurmel“ aus, wie Hutzenlaub erzählt, und auch die Verwaltungsspitze war nicht bedenkenfrei.

Die gesamte Fläche

Weitere Gespräche folgten und schließlich bot der Investor der Kommune an, das gesamte Areal – 14 bebaute und zwei unbebaute Grundstücke – zu erwerben. „Wenn wir im aktuellen Bebauungsplan bleiben, brauchen wir die gesamte Fläche“, betont Hutzenlaub, der das Unterbringen sämtlicher Verwaltungsabteilungen gerne mit Lego-Bausteinen vergleicht. Neben den Büros für die städtischen Mitarbeiter werden zudem Besprechungszimmer, Sitzungsräume und ein großer Ratssaal benötigt.

Hutzenlaub kann sich aber auch vorstellen, die zuletzt genannten Räume anderweitig zu nutzen, etwa für kulturelle Veranstaltungen zum Beispiel der VHS. Eine weitere Idee: Die Verbund-Sparkasse könnte mit ins neue Rathaus ziehen. Auch damit wären Synergien genutzt. Doch all das sind bisher Gedankenspiele.

Zustimmung des Rates liegt vor

Fest steht nur: Die Stadt wird das Areal kaufen. Das hat der Rat in nicht-öffentlicher Sitzung mehrheitlich beschlossen. Zu welchem Preis, darüber haben die Beteiligten Stillschweigen vereinbart. Doch der Investor habe die Flächen lediglich zu seinen Einstandspreisen weiterverkauft, also keinen zusätzlichen Gewinn herausgeschlagen. Trotzdem sei diese Investition für die Kommune „ein ordentlicher Schluck aus der Pulle“, formuliert Frenkert es etwas flapsig. Die Stadt hat zudem ein Sicherheitsnetz eingebaut: Sie hat nun fünf Jahre Zeit, die Machbarkeit des Projekts zu prüfen – inklusive Verkehrsführung und Parkproblematik. Stellt sich innerhalb dieses Zeitraums heraus, dass es nicht funktioniert, kann die Kommune die Flächen zurückgeben.

Bürgerinformation im Herbst

Doch erst einmal gehen die Verantwortlichen davon aus, dass alles klappt. Im Herbst will die Verwaltung die Bürger im Rahmen einer Infoveranstaltung über das weiteren Vorgehen informieren. „Die besondere Verantwortung liegt darin: Das neue Rathaus muss in die Stadt passen“, sagt die Erste Beigeordnete Birgit Stening. „Und da müssen Fachleute ran“, ergänzt der Bürgermeister. Der Verwaltungschef kann sich vorstellen, gegebenenfalls die Fassaden der alten Häuser in der Weinerstraße zu erhalten und in das neue Rathaus zu integrieren. Wann die Mitarbeiter dort allerdings einziehen können, steht noch in den Sternen: Die Kommune geht zunächst von einen Planungshorizont von fünf Jahren aus.

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