Kräht der Hahn auf dem Mist
. . . fährt der Bauer in den Urlaub

Ochtrup -

„Kräht der Hahn auf dem Mist, . . .“, heißt die Serie, in der die Westfälischen Nachrichten die Ochtruper Landwirte durch das Jahr begleiten und ihnen bei ihrer täglichen Arbeit über die Schulter schauen. Und, ja, auch ein Bauer fährt mal in den Urlaub. Nur, was passiert während dieser Zeit mit dem Hof? Die Tiere müssen schließlich auch versorgt werden.

Montag, 12.08.2019, 06:00 Uhr aktualisiert: 12.08.2019, 15:58 Uhr
Ein Mal pro Jahr gönnen sich die Ostendorfs – (v.l.) Thomas, Florian, Jonas, Hannes und Sandra – einen Familienurlaub. Hofhund Anton vermisst seine Familie dann am meisten. Doch auch alle anderen Tiere wollen während dieser Zeit versorgt werden. Gut, dass Maria und Franz Ostendorf – die Eltern des Landwirts – noch fit sind und ihn vertreten können.
Ein Mal pro Jahr gönnen sich die Ostendorfs – (v.l.) Thomas, Florian, Jonas, Hannes und Sandra – einen Familienurlaub. Hofhund Anton vermisst seine Familie dann am meisten. Doch auch alle anderen Tiere wollen während dieser Zeit versorgt werden. Gut, dass Maria und Franz Ostendorf – die Eltern des Landwirts – noch fit sind und ihn vertreten können. Foto: Anne Steven

„Der Hund hat am meisten gelitten“, lacht Thomas Ostendorf und schaut zu, wie seine Söhne mit Rüde Anton ein fröhliches Wiedersehen feiern. Gerade ist die Familie aus dem Urlaub auf den heimatlichen Bauernhof zurückgekehrt. „Der Anton“, sagt Senior Franz Ostendorf , „hat ein paar Tage gar nicht gefressen, weil er seine Familie so vermisst hat.“ Dafür ist die Freude nun umso größer. Doch auch Franz Ostendorf und seine Frau Maria sind erleichtert, dass ihr Sohn und seine Familie zurück sind. Denn sie hatten während ihrer Abwesenheit zusammen mit einem Mitarbeiter die Verantwortung auf dem Ferkelaufzuchtbetrieb in der Wester-Bauerschaft.

„Wir können nur in den Urlaub fahren, weil wir die erste Generation und Mitarbeiter haben“, weiß Thomas Ostendorf ganz genau, was er an seinen rüstigen Eltern hat. Zwar gibt es den Betriebshilfsdienst in Saerbeck, der eigentlich Vertretungen für Landwirte im Krankheitsfall organisiert und manchmal auch bei Urlauben einspringt, doch auch dort herrsche Fachkräftemangel. Zudem belaste es das Urlaubsbudget. Denn so eine Aushilfskraft muss natürlich auch bezahlt werden.

„So lange wir zwei Generationen auf dem Hof haben, darf jeder Urlaub machen“, stellt Thomas Ostendorf klar. Mit den drei Söhnen Florian, Jonas und Hannes gönnen sich Sandra und Thomas Ostendorf einmal pro Jahr in den Sommerferien einen Familienurlaub. „Mehr als zehn Tage sind aber nicht drin“, sagt der Landwirt und Vorsitzende des Landwirtschaftlichen Ortsvereins. Bliebe er länger weg, würde zu viel Arbeit liegen bleiben.

Auf den Familienurlaub folgt ein Wochenende, an dem er sich mit seiner Frau eine Auszeit nimmt. Immer im November geht es dann auf eine Nordseeinsel. „Einmal vom Wind durchpusten lassen“, nennt Thomas Ostendorf diese drei Tage „Entspannung und Abschalten pur“.

In diesem Jahr hat seine Frau den Urlaub schon im Januar klar gemacht. „Hast du da schon gewusst, wann wir mit der Ernte fertig sind?“, staunt der Senior über möglicherweise hellseherische Fähigkeiten seiner Schwiegertochter. „Nein“, meint diese lachend, „Das war diesmal einfach nur perfektes Timing.“ In der Tat: Sonntags fuhren die letzten Wagen der Getreideernte und dienstags ging es ab in den Urlaub für die Ostendorfs. „Wir sind dienstags nach dem Besamen der Schweine losgefahren. Und jetzt sind wir, kurz bevor die nächsten Geburten, anstehen wieder da“, weiß Thomas Ostendorf.

Denn bei der Urlaubsplanung eines Landwirts spielen nicht nur die Sommerferien der Kinder eine Rolle, sondern auch der Stallkalender. Die Ernte sei mittlerweile zweitrangig geworden. „Früher hätte es das nicht gegeben, dass der Bauer während der Ernte in den Urlaub fährt. Heute ist das anders“, ist Thomas Ostendorf froh. „Die Ernte kannst du mittlerweile im schwatten Anzug machen“, frotzelt Franz Ostendorf gerne. Früher hatte fast jeder Hof Kühe, die abends gemolken werden mussten. Da war es weitaus schwieriger, Urlaubsvertretungen zu finden. Heute steht bei Ostendorfs während der Familien-Urlaubszeit für Maria und Franz Ostendorf „nur“ die Grundversorgung des Hofes an. Doch auch diese Arbeit muss erst einmal getan werden. „Wenn es so heiß gewesen wäre wie die Wochen zuvor, wären wir nicht gefahren“, sagt Thomas Ostendorf. Die Belastung sei für seine Eltern dann einfach zu groß.

Auch im Urlaub kommt der Landwirt nie ganz von seinem Hof los. Via Handy steht er irgendwie immer im Stall. Und gibt es eine Störung, beispielsweise in der Lüftung oder bei der Hackschnitzelheizung, blinkt der Alarm auf seinem Display auf. Per Telefon gibt der Ochtruper dann Anweisungen, welche Knöpfe zu drücken sind. „Eigentlich müsste es für jede Störung einen Notfallplan geben. Mit der neuen Technik kenne ich mich ja nicht mehr so gut aus. Da wüsste ich dann genau, was zu tun ist“, meint Franz Ostendorf. Für das Notstromaggregat gibt es solch einen Plan bereits. „In 19 Schritten zum Erfolg“, kennt ihn Thomas Ostendorf schon auswendig. Auch seine Mutter musste schon mal – das Telefon zwischen Schulter und Ohr eingeklemmt – „zwei Knöpfe an der Hackschnitzelheizung gleichzeitig drücken“. Diese Ferndiagnose sei für ihn kein Problem, betont ihr Sohn. Schließlich kenne er die Technik in- und auswendig.

Heute fahren Maria und Franz Ostendorf übrigens auch in den Urlaub. „Mit einer Gruppe von ehemaligen Fachschulabsolventen geht es quer durch Europa. Das finde ich gut“, betont Thomas Ostendorf.

Und seine Familie? Die macht – man glaubt es kaum – am liebsten Urlaub auf dem Land. „Da müssen wir dann ja nichts tun“, lacht Sandra Ostendorf. „So vertrieben sich ihre Jungs bei der jüngsten Urlaubsreise die Autofahrt damit, Trecker zu zählen. „Einen Nachteil hat der Urlaub allerdings: Sie können die Trecker nur anschauen, fahren, das geht nur zu Hause“, meint Thomas Ostendorf augenzwinkernd.

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