Kräht der Hahn auf dem Mist . . .
. . . sorgt sich der Bauer ums Futter

Ochtrup -

„Kräht der Hahn auf dem Mist, . . .“, heißt die Serie, in der die Westfälischen Nachrichten die Ochtruper Landwirte durch das Jahr begleiten und ihnen bei ihrer täglichen Arbeit über die Schulter schauen. Ende August wird auf dem Hof von Jan Franke das Futter für die Milchkühe knapp. Weil das Gras in diesem Sommer wieder einmal nicht nachwächst, fallen mindestens zwei komplette Schnitte aus. Nun muss er Futter zukaufen.

Freitag, 23.08.2019, 06:00 Uhr
Jan Franke macht sich Sorgen: Bedingt durch das trockene Wetter hat der Landwirt in diesem Jahr weniger Heu ernten können. Bisher fallen mindestens zwei komplette Schnitte aus, sagt er. Das fehlende Futter muss Jan Franke zukaufen.
Jan Franke macht sich Sorgen: Bedingt durch das trockene Wetter hat der Landwirt in diesem Jahr weniger Heu ernten können. Bisher fallen mindestens zwei komplette Schnitte aus, sagt er. Das fehlende Futter muss Jan Franke zukaufen. Foto: Marion Fenner

Es regnet einfach nicht genug, und das Gras wächst nicht nach. Die braunen Halme, die Gartenbesitzer nur aus optischen Gründen stören, sind für einen Landwirt existenziell. Im Stall von Jan Franke stehen rund 250 Milchkühe mit Nachzucht. Die Tiere brauchen täglich viel und gutes Futter, damit sie Milch geben, von deren Verkauf Jan Franke lebt.

„Einen trockenen Sommer muss jeder Bauer irgendwie kompensieren können“, ist der Landwirt überzeugt. „Jetzt haben wir ein zweites Jahr mit zu wenig Regen, da wird es langsam eng.“ Etwa fünf Mal pro Jahr hat Jan Franke in normalen Jahren seine Wiesen gemäht, damit er seinen Rindern ausreichend Raufutter zur Verfügung stellen kann. Weil das Gras in diesem Sommer wieder einmal nicht nachwächst, fallen bisher mindestens zwei komplette Schnitte aus. „Das fehlt, und wir müssen das Futter dazukaufen.“

35 Kilogramm pro Tag

35 Kilogramm Raufutter benötige eine Milchkuh pro Tag, erklärt Jan Franke. Deutlich mehr als ein Pferd. „Weil Kühe auch mehr Leistung bringen als ein Pferd“, sagt der Landwirt. „Wir lassen regelmäßig einen Futterberater kommen, der die Rationen für die Tiere genau berechnet. Grundlage ist das, was wir selbst auf unserem Land produzieren“, erklärt Jan Franke. Dazu gehört auch der Mais, der auf den Feldern wächst und der ebenfalls mit der Trockenheit zu kämpfen hat. Der Landwirt aus der Wester-Bauerscahft rechnet auch dabei mit Einbußen von bis zu 20 Prozent bei der nächsten Ernte.

Zu fressen bekommen die Rinder noch hochwertiges Kraftfutter, Mais, Pressschnitzel aus Zuckerrüben, Biertreber aus Gerste – ein Rest, der in Brauereien anfällt.

Kalkulieren angesichts der Futterknappheit

Einige Landwirte reduzieren ihren Tierbestand angesichts der akuten Futterknappheit. Für Jan Franke ist das bisher noch keine Option. Was aber nicht heißt, dass nicht auch er genau kalkulieren muss. „Ich sortiere Kühe, die nicht die erwartete Milchleistung bringen, eher aus“, sagt der Landwirt. Was bedeutet: Sie werden geschlachtet. „Eine Entscheidung, die auch mir nicht leichtfällt, aber aus wirtschaftlichen Gründen erforderlich ist.“

32 Cent bekommt Jan Franke für jeden Liter Milch. „Das wird auch bei trockenem Wetter nicht mehr.“ Jungen Rindern füttert Franke jetzt noch Stroh dazu, das habe in diesem Jahr eine gute Qualität. Lieber hätten auch diese Tiere etwas Grünes, aber sie fressen es.

Ich versuche alles, um meinen Kühen das Leben so angenehm wie möglich zu machen.

Jan Franke

„Ich versuche alles, um meinen Kühen das Leben so angenehm wie möglich zu machen“, versichert der Bauer. Jan Franke hält seine Tiere in einem großen luftigen und hellen Stall. Sie haben trockene Liegeflächen, rotierende Bürsten für die Fellpflege und große Ventilatoren, die heiße Sommer erträglicher machen. Computergesteuert kann Jan Franke über sein Mobiltelefon jedes einzelne Tier überwachen. Jan Franke setzt aber auch auf den persönlichen Kontakt zu seinen Kühen und Jungtieren. Mehrfach am Tag geht er durch den Stall. „Ich kenne jede einzelne Kuh und weiß, wie sie tickt.“ Nummer „249“, die mit richtigen Namen Mopad heißt, gehört zu seinen Lieblingen. „249“ kommt immer als erste an, wenn Jan Franke im Stall ist und begleitet ihn bei seinen Rundgängen. Ob sie auf eine besondere Leckerei hofft oder die Zuneigung auf Gegenseitigkeit beruht, ist nicht geklärt. Kühe, die Nachwuchs erwarten, kommen auf Jan Frankes Hof in große Boxen mit Stroh. Sie werden zudem mit einer Kamera überwacht, sodass der Landwirt sie auch nachts vom Bett aus im Blick haben kann. Auch Tiere, die eine medizinische Behandlung benötigen, werden in große mit Stroh eingestreute Boxen gebracht und bekommen von Jan Franke und seinen Mitarbeitern besondere Aufmerksamkeit.

„Pessimismus bringt keinen Regen“

Auf die Frage, ob der Bauer in zehn Jahren auch noch Milchkühe hält, antwortet er eindeutig mit Ja. „Kühe sind meine Leidenschaft und mein Leben. Vielleicht werden wir etwas umdenken und neue Wege gehen müssen, aber Kühe wird es auf dem Hof mit mir immer geben“, sagt er und krault Nummer 250.“ Der Landwirt setzt ein wenig Hoffnung in neue Pflanzenzüchtungen. Es werde derzeit viel experimentiert, um Pflanzen zu finden, die Trockenheit besser vertragen, aber dennoch ausreichend Energie liefern. „Ich will nicht negativ in die Zukunft blicken“, betont er. „Pessimismus bringt uns auch keinen Regen.“

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