Vortrag mit Dr. Henning Scherf
Plädoyer für eine Kultur der Menschlichkeit

Ochtrup -

Dr. Henning Scherf, der frühere Bremer Bürgermeister, hielt auf Einladung des Hospizvereins Ochtrup-Metelen einen Vortrag in der Bücherei St. Lamberti. Er sprach sich dafür aus, dass ein bewusstes Auseinandersetzen mit Sterben und Tod einen Platz im Leben finden sollte.

Samstag, 31.08.2019, 07:00 Uhr
„Über das Sterben reden und den Abschied leben lernen“ – darum ging es in einem lebendigen Vortrag mit Dr. Henning Scherf, der auch aus seinem Buch las und gefragter Gesprächspartner beim Signieren war.
„Über das Sterben reden und den Abschied leben lernen“ – darum ging es in einem lebendigen Vortrag mit Dr. Henning Scherf, der auch aus seinem Buch las und gefragter Gesprächspartner beim Signieren war. Foto: Norbert Hoppe

Ein leidenschaftliches Plädoyer für eine Kultur der Menschlichkeit am Ende des Lebens hielt am Donnerstagabend der frühere Bremer Bürgermeister Dr. Henning Scherf im Forum der Bücherei St. Lamberti. Der Hospizverein Ochtrup-Metelen hatte in Kooperation mit der Bücherei den 81-Jährigen eingeladen, um zum Thema „Über das Sterben reden und den Abschied leben lernen“ zu sprechen.

Es war ein Abend, der in jeder Beziehung eine Bereicherung für die zahlreichen Besucher war, so dass das Platzangebot im Büchereiforum nahezu gesprengt wurde. Sogar aus Rheine und den benachbarten Niederlanden waren Interessenten nach Ochtrup gekommen, für die sich die Anreise sicher gelohnt haben dürfte, wie Hospizkoordinator Dieter Lange-Lagemann vermutete.

Etwas aus dem Leben machen

„Wir sollten versuchen, das Leben vom Ende her zu denken und uns auf unsere Endlichkeit einlassen“, empfahl Scherf den Besuchern der Veranstaltung. Er appellierte an sie, gerade auch im Alter noch etwas aus seinem Leben zu machen und sich aus einer Haltung der Verantwortlichkeit für andere Menschen einzusetzen. Auch ein bewusstes Auseinandersetzen mit Sterben und Tod sollte einen Platz im Leben finden. „Wir sind die Nächsten, die dran sind“, hob Scherf in seinen Ausführungen hervor.

Die Hospizbewegung und vor allem das vielfältige Engagement der zumeist ehrenamtlich Tätigen bezeichnete er als die eindruckvollste Bürgerbewegung unserer Zeit. „Sie unterstützen Familien, wenn ein Angehöriger im Sterben liegt, damit ein Sterben zu Hause in vertrauter Umgebung und in der Obhut lieber Menschen möglich ist“, sagte Scherf, der sich dafür einsetzt, dass den Ehrenamtlichen der Rücken gestärkt wird.

Kind der Kriegsgeneration

Eindrucksvoll schilderte Scherf seine ganz persönlichen Begegnungen und Erfahrungen mit Sterben und Tod. Als Kind der Kriegsgeneration habe er Sterben von Angehörigen und Freunden im Krieg und auf der Flucht erleben müssen. Davon berichtete Scherf auch in einem Buch, aus dem er dem Publikum Auszüge vortrug und mit dem er Mut machen wolle, Abschied gemeinsam zu leben, um erträglicher zu machen, was alle durchleben müssen.

Interessant und spannend empfanden die Anwesenden Scherfs Erfahrungen mit einer Wohngemeinschaft mit zehn älteren Menschen, mit denen er in der Bremer Innenstadt wohnt. „Holen wir die Älteren in unsere Mitte“, warb Scherf dafür, sie nicht abzuschieben, sondern ihnen „inmitten der Städte und Gemeinden ihren Platz in der Gesellschaft zu geben“. Den anwesenden Ratsmitgliedern empfahl er am Ende einer lebendigen Diskussion, Leerstände, die er beim Spaziergang durch die Ochtruper Innenstadt entdeckt habe, in Wohnungen und Begegnungsmöglichkeiten umzuwandeln.

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