Ochtrup einst und heute
Tradition hat ihren Platz

Ochtrup -

Wenn Tradition und Moderne ihren Weg Hand in Hand gehen, dann ist die Grundlage für eine Erfolgsgeschichte schon gelegt. So wie beim Handwerksbetrieb Ruhwinkel, seit inzwischen 92 Jahren in Ochtrup ein Inbegriff für die Gewerke Heizung, Sanitär und Klima.

Dienstag, 10.09.2019, 06:00 Uhr
Das Stammhaus des Unternehmen stand an der Bahnhofstraße. Von dort aus übersiedelte der Betrieb an die Marktstraße 4 und 1992 dann an den heutigen Sitz an der Schützenstraße 127.
Das Stammhaus des Unternehmen stand an der Bahnhofstraße. Von dort aus übersiedelte der Betrieb an die Marktstraße 4 und 1992 dann an den heutigen Sitz an der Schützenstraße 127. Foto: Susanne Menzel

Gründer Paul Ruhwinkel hatte 1927 sein Augenmerk zunächst auf die Klempnerei gerichtet und installierte in Badezimmern die erforderlichen Gasheizöfen. „Damals war noch viel Handarbeit gefragt“, erzählt sein Enkel, ebenfalls mit Namen Paul Ruhwinkel, von den Anfängen. Er habe zwar seinen Großvater nie persönlich kennengelernt, „aber ich habe neben dem Betrieb auch den Vornamen von ihm geerbt.“ In Ehren hält der 56-Jährige ebenso ein Zeugnis der filigranen Kunst des Handwerks, das ihm sein Vater Heinz, der die Unternehmensgeschicke in zweiter Generation geleitet hat, hinterließ: Für seine Meisterprüfung hatte der Herr Papa einen zwölfeckigen Bowletopf aus Kupferblech angefertigt. Die Zeichnung dazu hängt heute im Entree des Unternehmens, der Topf selbst wird sicher aufbewahrt. „Ich glaube, zu solch einer Feinarbeit ist heute kaum noch jemand in der Lage. Das Exemplar wäre vermutlich unbezahlbar“, schätzt Paul Ruhwinkel Junior.

Ohnehin hat sich der Beruf – aber auch die Aufgaben im Sanitärbereich – im Laufe der letzten Jahrzehnte erheblich gewandelt, schildert Ruhwinkel. Zu Gas und Wasser haben sich die Felder Heizung, Sanitär, Klima, Solar und Lüftung hinzugesellt. Nachhaltigkeit und Energiesparen spielen überall eine zentrale Rolle. „Man sieht das breite Themenfeld schon in der Ausbildung. Hier wurden in der Vergangenheit zwei Berufe zusammengelegt. Die Lehrlinge heute müssen sich da innerhalb von dreieinhalb Jahren eine Menge Wissen aneignen“, erklärt er. Und mit der Gesellenprüfung hört das Lernen nicht auf. Die ständige Weiterentwicklung in dieser Handwerkssparte erfordert eine regelmäßige Weiterbildung.

Auf 25 Mitarbeiter ist das Ochtruper Unternehmen angewachsen, vier Auszubildende hat Ruhwinkel in der Regel unter Vertrag. Und nicht nur in der Töpferstadt, sondern bis runter ins Ruhrgebiet („In der Regel in einem Umkreis von 100 Kilometern.“) wickelt das Team die vielfältigen und sehr unterschiedlichen Aufträge ab.

Krankenhäuser, Schulen oder die öffentliche Hand – „,man sucht sich seine Nischen“, sagt Paul Ruhwinkel. Und das nicht immer unter einfachen Bedingungen. „Inzwischen müssen wir eine Menge Qualifikationen vorlegen, bevor wir eine Baustelle als Handwerker bearbeiten dürfen“, schildert der Fachmann. „Oder wir sind gefordert, die Aufträge bei laufendem Betrieb zu erledigen.“

Die Technisierung sowie die Digitalisierung haben die pure Hand-Arbeit längst abgelöst beziehungsweise ergänzt. „Die erste EDV-Anlage haben wir im Büro 1986 bekommen“, erinnert sich Ehefrau Marion, die ihren Mann im Unternehmen unterstützt. Aktuell sind sechs der Arbeitsplätze im Backstage-Bereich EDV-gestützt. Das fängt bei der Buchführung an und geht bei Zeichnungen weiter. „Es gibt stets eine Menge zu beachten und zu recherchieren“, sagt der Chef. „Alleine kann man all diese Anforderungen nicht bewältigen“, hat er sich deshalb auch Unterstützung an die Seite geholt. „Technisch oder rechtlich sind wir in einem stetigen Wandel. Da müssen wir auf der Höhe bleiben. Das kann eine Person nicht leisten, deshalb hat jeder seinen Schwerpunkt. Über einen regelmäßigen Austausch bleiben wir dann alle auf dem erforderlichen Stand“, zieht er heute mehr vom Büro aus die Fäden, als dass er von Baustelle zu Baustelle eilt: „Dafür habe ich erfahrene Meister, die auch mit der Bauleitung betraut sind.“

Manchmal allerdings ist es die Nostalgie, die Erinnerung, die ihn dann doch nach draußen, vor Ort, treibt. So wie etwa bei der Restaurierung des Ochtruper Freibades. „Da haben wir einst die Installation gemacht. Jetzt sind wir für die neue Heizungsanlage zuständig“, freut sich Paul Ruhwinkel Junior über diesen Auftrag ganz besonders. Da schließt sich zudem wieder der Kreis zu Opa und Firmengründer Paul Senior. „Viele ältere Kunden sagen, ich sehe ihm ähnlich. Das kann ich zwar nicht beurteilen, aber es macht auch ein bisschen stolz“, gibt er leise zu. So hat die Tradition auch an dieser Stelle in der Moderne ihren berechtigten Platz.

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