Kräht der Hahn auf dem Mist, . . .
. . . wird‘s weiß auf den Feldern

Ochtrup -

„Kräht der Hahn auf dem Mist, . . .“, heißt die Serie, in der die Westfälischen Nachrichten die Ochtruper Landwirte durch das Jahr begleiten und ihnen bei ihrer täglichen Arbeit über die Schulter schauen. Anfang September wird es weiß auf den Feldern, denn dann steht bei ihnen das Kalken des Ackerbodens auf dem Programm.

Freitag, 13.09.2019, 06:00 Uhr
Ein wenig staubt es natürlich auch mit dem erdfeuchten Kalk, wenn Landwirt Bernhard Mieling mit seinem Trecker über den Acker fährt. 56 Hektar Fläche bewirtschaftet der Ochtruper. Aber nicht alle Schläge müssen jedes Jahr gedüngt werden. Aufschluss geben Bodenproben.
Ein wenig staubt es natürlich auch mit dem erdfeuchten Kalk, wenn Landwirt Bernhard Mieling mit seinem Trecker über den Acker fährt. 56 Hektar Fläche bewirtschaftet der Ochtruper. Aber nicht alle Schläge müssen jedes Jahr gedüngt werden. Aufschluss geben Bodenproben. Foto: Susanne Menzel

Wenn der Landwirt in diesen Tagen mit dem Trecker samt Anhänger auf die abgeernteten Felder fährt, wird‘s rundherum weiß. Kein Schnee ist es indes, der sich da auf die Krumen legt, sondern Kalk.

An diesem Morgen hat Bauer Bernhard Wieling in der Wester sein PS-starkes Gefährt bereits klar gemacht. Von der Raiffeisen Warengenossenschaft hat er sich das entsprechende Equipment ausgeliehen. Und das Erste, das die Chronistin im Vorfeld lernt: „Es heißt nicht kälken, sondern kalken“, schmunzelt der Fachmann. „Gekälkt werden die Wände. Die sind dann weiß. Gekalkt wird der Boden.“ Das ist dann schon mal klargestellt.

Zogen die Landwirte früher aus, um das weiße Pulver zu verstreuen, war die Umgebung gleich mit „gepudert“. Dem hat Bernhard Mieling allerdings vorgebeugt: „Ich habe den Streuer mit erdfeuchtem Material befüllt. Das verteilt sich dann nicht ganz so durch die Luft.“

Um das Bodenleben zu fördern, düngen die Bauern ihre Felder mit Kalk.

Um das Bodenleben zu fördern, düngen die Bauern ihre Felder mit Kalk. Foto: Susanne Menzel

Wie viel er wo verteilen darf, das wird – wie bei anderer Düngung auch – anhand von Bodenproben bestimmt. Die hat im Vorfeld Lena Hölscher , Beraterin der Genossenschaft, gezogen und zur Auswertung an die LUFA, ein spezialisiertes Labor für Agrar- und Umweltanalytik der Landwirtschaftskammer Nordrhein Westfalen, geschickt. Für den Acker, den Bernhard Mieling nun befährt, wurde „grünes Licht“ gegeben. „Ich bestreue längst nicht jedes Jahr alle 56 Hektar, die ich bewirtschafte“, stellt der 63-Jährige klar. „Das wäre auch sehr teuer und zudem überflüssig.“

Kalk, so führen er und Lena Hölscher aus, sei ein Gesundungsdünger und lockere ebenso wie die Zwischenfrucht den Boden. „Man sieht das Ergebnis später bei der weiteren Bearbeitung“, erklären die beiden Experten. „Die Bestellung des Ackers wird einfacher, die Erde krümeliger. Der Kalk bewirkt die Förderung der Mikrostat-Freisetzung.“ Heißt in eine etwas verständlichere Sprache übersetzt: Er fördert das Bodenleben.

Landwirt Bernhard Mieling hat sich bei der Raiffeisen-Genossenschaft einen Streuer ausgeliehen.

Landwirt Bernhard Mieling hat sich bei der Raiffeisen-Genossenschaft einen Streuer ausgeliehen. Foto: Susanne Menzel

Darüber hinaus, so Lena Hölscher weiter, steige durch das Kalken die „Regenverdaulichkeit“ der Böden. Sie würden besser befahrbar und die Neigung zur Verschlämmung nehme ab. Zudem sind trockene Krumen natürlich auch tragfähiger, die Auflast der Maschinen dringt weniger tief in den Boden ein, die großen Räder hinterlassen also nicht mehr so deutliche Spuren.

Der Kalk, den Bernahrd Mieling ausbringt, ist erdfeucht.

Der Kalk, den Bernahrd Mieling ausbringt, ist erdfeucht. Foto: Susanne Menzel

Auch für die Pflanzen bewirkt die Kalkung eine Menge Positives. „Ihnen stehen anschließend mehr Nährstoffe zur Verfügung“, verdeutlicht Mieling.

Zurzeit müssen die Bauern nach den gesetzlichen Vorgaben noch alle vier Jahre Bodenproben ziehen und untersuchen lassen. „Das soll sich allerdings bald ändern“, weiß der Ochtruper. „Die Regelung soll auf einen Drei-Jahres-Rhythmus umgestellt werden. Das ist dann auch etwas aussagekräftiger. Dann weiß man genauer, welche Felder in Ordnung sind und welche einen Zuschuss benötigen.“

Wann der Kalk ausgebracht wird, ist dem Boden an sich nach Aussage von Mieling und Hölscher schnuppe – egal, ob im Frühjahr oder Herbst. Aber der Herbst biete sich an. Und weiße Felder geben schon mal einen Vorgeschmack auf den Winter.

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