Landjugend feiert 70-jähriges Bestehen
Der Blick über den eigenen Tellerrand

Ochtrup -

Wer seinen 70. Geburtstag feiert, der wird in der Regel nicht mehr als Jugendlicher bezeichnet. Der Landjugend geht es da irgendwie anders. Denn trotz seiner stolzen 70 Jahre hat sich der Verein seine Jugendlichkeit bewahrt. Steigende Mitgliederzahlen und ein aktiver Vorstand sind der lebende Beweis. Doch was hat sich in all den Jahren verändert? Was wurde aus den Jugendlichen von einst? Welche Geschichten und Anekdoten gibt es zu erzählen und was unterscheidet die Landjugend von damals zu der von heute?

Samstag, 28.09.2019, 07:00 Uhr
Beim plattdeutschen Theaterstück „De Hexenhoff“ mit Klaus Herbering, Petra Dankbar und Birgit Rotermann mit.   Beim plattdeutschen Theaterstück „De Hexenhoff“ wirkten Klaus Herbering, Petra Dankbar und Birgit Rotermann mit.
Beim plattdeutschen Theaterstück „De Hexenhoff“ mit Klaus Herbering, Petra Dankbar und Birgit Rotermann mit.   Beim plattdeutschen Theaterstück „De Hexenhoff“ wirkten Klaus Herbering, Petra Dankbar und Birgit Rotermann mit. Foto: Archiv Landjugend

„Die Landjugend ist für so manche Ehe verantwortlich“, meint Franz Flaßkamp schmunzelnd und wirft seiner Frau einen schelmischen Blick zu. Man schrieb das Jahr 1963 ,als sich das heutige Ehepaar Flaßkamp auf einer Nikolausfeier der Landjugend kennenlernte. Der junge Mann von einst ist heute 84 Jahre alt. Doch noch immer fühlen er und auch der 74-jährige Franz Holtmannspötter sich ganz eng mit der Landjugend verbunden. Die beiden Ochtruper sind dem typischen Landjugendalter zwar längst entwachsen, aber die Erinnerungen an diese Zeit, sind noch sehr lebendig.

Und es wurde ja auch sonst nichts geboten.

Franz Flaßkamp

Um die Mädchen vom Lande auf die Ehe vorzubereiten, organisierte die Landjugend in den 60er Jahren sogenannte Brautgemeinschaftstage. „Da wurden die Frauen und Mädchen durch Priester aufgeklärt“, weiß Franz Holtmanspötter. Auch Vorträge gehörten damals zum Programm. „Ein Drittel musste aber etwas mit Kirche zu tun haben“, erzählt Franz Holtmannspötter grinsend. Die Geistlichen hätten damals eben noch viel mehr zu sagen gehabt. „Und es wurde ja auch sonst nichts geboten“, ergänzt Franz Flaßkamp.

Weitere Veranstaltungen waren das Erntedankfest, Bastelabende, Lichtbildvorträge zum Beispiel über die USA, Adventsfeiern sowie später Karneval . Im Fokus stand zudem der Austausch mit anderen Landjugenden aus der Umgebung – der Blick über den Tellerrand sozusagen. So gab es gegenseitige Besuche bei Landjugendfesten und manchmal auch Fußballspiele.

Als Willi Rensing dem Verband in den 70er-Jahren vorstand, waren Quiz- und Diskussionsabende beliebt – durchaus auch mal zu anspruchsvollen Themen. Dazu wurden zum Beispiel Referenten aus Münster eingeladen. Für die Jugendlichen damals galt es, mit einem Generationenkonflikt zurechtzukommen. Die Eltern-Generation sei durch die Kriegszeit noch traumatisiert gewesen. Die Jugendlichen mussten lernen, mit ihnen umzugehen. Das sei mitunter nicht einfach gewesen, weiß Willi Rensing.

1992 führte eine Reise die Landjugend nach Bahlingen.

1992 führte eine Reise die Landjugend nach Bahlingen. Foto: Archiv Landjugend

Darüber hinaus habe die Landjugend ihren Mitgliedern Möglichkeiten geboten, den eigenen Horizont zu erweitern, etwa durch Fahrten ins europäische Ausland. Norbert Scheipers hat dieses Angebot gerne angenommen. Er reiste in den 80er-Jahren nach London und Rom. Und während sich die Landjugendlichen damals mit jenen aus Epe weniger gut verstanden habe, unternehmen die aktuellen Mitglieder jährlich eine Planwagenfahrt in den benachbarten Kreis Borken.

Die Leute wurden ja immer verrückter.

Norbert Scheipers

Landjugendfeste und das auch heute noch beliebte plattdeutsche Theater gehörten früher zu den Haupteinnahmequellen der Landjugend. Wobei die Partys zumeist auf den Höfen der Eltern gefeiert wurden. „Wir haben dafür noch Scheunen gefunden“, weiß Norbert Scheipers. Später habe kaum ein Landwirt mehr seine Räumlichkeiten zur Verfügung stellen wollen. Die Partylocation musste mit Bauzäunen abgesperrt werden. „Die Leute wurden ja immer verrückter“.

Doch das ist wohl kein Vergleich zu den Auflagen, die der Landjugend-Vorstand heute im Blick haben muss, wenn er ein Landjugendfest organisiert. Zudem seien die Partys lange nicht mehr lukrativ genug. Auch deshalb denkt der aktuelle Vorstand um Kristin Scheipers und Benedikt Ostkotte mittlerweile um. „Wir werden die Osterparty canceln“, erklärt Kristin Scheipers. Die Veranstaltung lohne sich einfach nicht mehr. Längst muss auch ein Verband wie die Landjugend neue Wege gehen. So habe beispielsweise die öffentliche Silvesterparty großen Anklang gefunden, erzählt Benedikt Ostkotte. Auch die letzten Winterwanderungen oder das zwanglose Fußballtraining kamen bei den Landjugendlichen gut an. Ein Klassiker ist nach wie vor das Erntedankfest. Immer noch werde der Erntekranz gebunden. „Es gibt so Sachen, die ziehen sich durch. Die bleiben einfach“, meint Benedikt Ostkotte.

Wir werden die Osterparty canceln.

Kristin Scheipers

Dazu gehört auch das plattdeutsche Theater. 1966 entstand die Theatergruppe übrigens relativ spontan – na klar – an der Theke im ehemaligen Jugendheim. Schnell fanden sich ein paar Mitspieler und innerhalb von zwei Wochen wurde das erste Theaterstück einstudiert. Franz Holtmannspötter hat noch die Plakate von damals, als unter anderem „Hatt tiegen Hatt“ auf dem Programm stand. Auch heute erfreuen sich die Bühnenstücke großer Beliebtheit.

Beim plattdeutschen Theaterstück „De Hexenhoff“ wirkten Klaus Herbering, Petra Dankbar und Birgit Rotermann mit.

Beim plattdeutschen Theaterstück „De Hexenhoff“ wirkten Klaus Herbering, Petra Dankbar und Birgit Rotermann mit. Foto: Archiv Landjugend

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