Vorstandsarbeit
„Diese Gemeinschaft fängt einen auf“

Ochtrup -

Als Franz Flaßkamp 1956 nach Ochtrup kam, war er 21 Jahre alt. Gemeinsam mit seiner Mutter übernahm er einen Bauernhof in der Oster. Und wie es damals so üblich war: „Jeder Beruf hatte seinen Verein.“ Als Landwirt kam er zur Landjugend und wurde „direkt eingeführt“, wie er lachend erzählt. Dass jemand aus der Stadt Mitglied wurde, sei zu dieser Zeit noch undenkbar gewesen, weiß Franz Holtmannspötter. Doch nach und nach habe sich der Verband auch anderen Berufsgruppen geöffnet. „Innerhalb der Landjugend wurde das begrüßt“, sagt Franz Flaßkamp.

Freitag, 27.09.2019, 23:44 Uhr
Franz Flaßkamp (r.) und Franz Holtmannspötter gehörten in den 50er und 60er Jahren dem Vorstand der Ochtruper Landjugend an. Sie möchten diese Zeit nicht missen, sagen die beiden Senioren, denn sie habe sie für ihr Leben geprägt.
Franz Flaßkamp (r.) und Franz Holtmannspötter gehörten in den 50er und 60er Jahren dem Vorstand der Ochtruper Landjugend an. Sie möchten diese Zeit nicht missen, sagen die beiden Senioren, denn sie habe sie für ihr Leben geprägt. Foto: Anne Steven

Fürs Leben gelernt

Er hat in der Landjugend gelernt, vor vielen Menschen frei zu sprechen. Das „Fest des Jahres“ sei immer das Erntedankfest gewesen, erzählt der Vorsitzende von 1958 bis 1962. Für den jungen Franz Flaßkamp galt es damals, die Begrüßung der Gäste und Würdenträger zu übernehmen. „Da ging mir das Herz“, erinnert er sich noch genau, wie aufgeregt er war. Und dann der Fauxpas: Im Eifer des Gefechts begrüßte der junge Mann den Stadtdirektor vor dem Bürgermeister. „Seitdem habe ich keine Bange mehr, vor Menschen zu sprechen“, meint der ehemalige Landjugendliche augenzwinkernd.

Ihm folgte als Vorsitzender 1962 Franz Holtmannspötter . „Ich war damals 17 und hatte noch keinen Führerschein“, erinnert sich der heute 74-Jährige an seine Anfänge. Doch auch er sei gut eingearbeitet worden. Und auch ihn habe die Arbeit im Vorstand persönlich weitergebracht. Wie sein Vorgänger lernte auch dieser Landjugend-Vorsitzende, Reden vor Publikum zu halten.

Anstrengend sei die Vorstandsarbeit manchmal schon gewesen, meint Franz Holtmannspötter rückblickend, aber sie habe ebenso viel Spaß gemacht. „Schön war es. Ich möchte diese Zeit nicht missen“, ergänzt Franz Flaßkamp. Die beiden Senioren sind stolz und froh, dabei gewesen zu sein. Sie wurden in der Landjugend erwachsen.

Dass sich in der Jugend immer viel verändert, weiß auch Willi Rensing. Der 64-Jährige war in den 70er Jahren Vorsitzender der Landjugend und erinnert sich noch gut an diese Findungsphase, in der Freunde für junge Leute so wichtig sind und in der – davon ist Willi Rensing überzeugt – viele Mitglieder in der Landjugend lernten, Verantwortung zu übernehmen.

Neuaufnahmen bei der Landjugend im November 2001 – damals noch im Jugend-Kultur-Café Hubi.

Neuaufnahmen bei der Landjugend im November 2001 – damals noch im Jugend-Kultur-Café Hubi. Foto: WN Archiv

„Diese Gemeinschaft fängt einen auf“, hat Petra Scheipers festgestellt. Sie arbeitete bis Mitte der 90er Jahre im Landjugend-Vorstand mit. Die Gewissheit, dass man denjenigen, mit denen man damals unterwegs war, vertrauen könne, sei etwas Besonderes. Ihre Tochter Kristin ist die aktuelle Vorsitzende der Landjugend – gemeinsam mit Benedikt Ostkotte. Wenn die 20-Jährige mit dem Verein unterwegs sei oder beispielsweise zur „Runde“, der Vorstandssitzung, abschwirre, müsse sie sich als Mutter keine Gedanken machen, weiß Petra Scheipers. Heute wie damals lassen sich die Vorstandsmitglieder übrigens als Abschluss ihrer regelmäßigen Treffen eine Pommes schmecken.

„Die Clique, das war früher für mich die Landjugend“, meint Marion Struck nachdenklich. All die Geschichten und Anekdoten ihrer Eltern verleiten heute zahlreiche Jugendliche, dem Verein beizutreten, wissen die Vorstandsmitglieder. So sind auch Kristin Scheipers und ihre Stellvertreterin Laura Beckwermert in den Verein gekommen. „Wir wollten das auch erleben.“

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