Interkulturelle Woche
Ein authentischer Einblick

Ochtrup -

Einen Einblick in sein Land und seine Kultur gab am Donnerstagabend Ibrahim Mustafa. Der Syrer kam 2015 als Flüchtling nach Deutschland. Im Rahmen der Interkulturen Woche sprach er nun im Forum der Bücherei St. Lamberti.

Samstag, 28.09.2019, 05:00 Uhr
Einen Einblick in das Land Syrien sowie in seine Fluchtroute gab Ibrahim Mustafa im Rahmen der Interkulturellen Woche.
Einen Einblick in das Land Syrien sowie in seine Fluchtroute gab Ibrahim Mustafa im Rahmen der Interkulturellen Woche. Foto: Grafik: Jessica Dirkes

Die meisten der etwa 60 Interessenten, die am Donnerstag in das Bücherei-Forum gekommen waren, kannten Syrien bisher wohl nur aus Nachrichtensendungen. Und dort wird meistens nichts Gutes über das arabische Land berichtet. Einen authentischen Einblick in das Land, seine Kultur, aber auch den Krieg mit seinen verheerenden Folgen für die Menschen gab Ibrahim Mustafa , der bei einer Veranstaltung des Vereins „Miteinander“ im Rahmen der Interkulturellen Woche sein Heimatland vorstellte.

Syrien, Land und Leute

„Die meisten Menschen haben Bilder von Bürgerkrieg, Flucht und Vertreibung im Kopf“, bedauerte Mustafa. Auch wenn dieses schon seit einigen Jahren bittere Wirklichkeit sei, so habe das Land viele kulturelle und historische Schätze vorzuweisen.

Mit Fotos und Videoeinspielungen präsentierte Mustafa antike Kulturen, die verschiedenen Religionen, Städte, Musik und den Alltag der Menschen in seinem Heimatland mit den 24 Millionen Einwohnern. Beeindruckende Bilder aus Aleppo und Damaskus, eine der ältesten bewohnten Städte der Welt, zeigten die Vielfalt der

Ibrahim Mustafa sprach im Rahmen der interkulturellen Woche im Forum der Bücherei St. Lamberti.

Ibrahim Mustafa sprach im Rahmen der interkulturellen Woche im Forum der Bücherei St. Lamberti. Foto: Norbert Hoppe

unterschiedlichen Kulturen und Religionen, die bis zum Beginn des Bürgerkrieges friedlich miteinander lebten. Fast tat es schon weh, großartige Bilder von Kathedralen, Moscheen, Märkten und Plätzen zu sehen und gleichzeitig Fotos, auf denen dieselben Orte und Gebäude nur noch als Ruinen wahrzunehmen sind.

Aber auch Kultur und Brauchtum vermittelte Mustafa eindrucksvoll in seinem Vortrag. Dass Begrüßungsriten anders sind als in Deutschland, war vielen der Anwesenden bekannt. Aber dass bei Hochzeiten Frauen und Männer getrennt feiern, sei in Deutschland gewiss kaum vorstellbar, so war aus dem Zuhörerkreis zu vernehmen. Als Mustafa Bilder einiger typisch syrischen Speisen wie Falafel, Hummus und Baklava vorstellte, lief so manchem das Wasser im Mund zusammen. „Ich will nur ein bisschen Appetit machen“, so das erklärte Ziel des Referenten.

Bürgerkrieg

Wie schrecklich der Bürgerkrieg in Syrien ist und wie sehr die Menschen darunter leiden, sparte Mustafa in seinem Vortrag nicht aus. „Es muss aufhören, dass Syrer auf Syrer schießen“, mahnte er und nannte als Folge die Flucht von etwa zehn Millionen Menschen, die überwiegend in der Türkei, im Irak und im Libanon aufgenommen worden seien. Mit vielen neu gewonnenen Eindrücken von einem bisher weitgehend unbekannten Land entließ das Publikum Ibrahim Mustafa mit viel Beifall und Dank für seinen Mut, schwierige politische Zusammenhänge in Syrien und darüber hinaus zu verdeutlichen.

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