Debatte über Standort des neuen Rathauses
Kosten versus Belebung

Ochtrup -

Ihre Argumente für einen Rathaus-Neubau an der Weinerstraße erläuterte die Verwaltung am Freitagabend im Rahmen einer Bürger-Informationsveranstaltung. Intensiv wurde dabei über eine mögliche Attraktivitätssteigerung der Innenstadt, über die Kosten und ebenso über Alternativ-Standorte diskutiert.

Montag, 30.09.2019, 06:00 Uhr
Zahlreiche Ochtruper wollten sich am Freitagabend zu Stadtentwicklung und ganz besonders über den Rathaus-Neubau in der Weinerstraße informieren.
Zahlreiche Ochtruper wollten sich am Freitagabend zu Stadtentwicklung und ganz besonders über den Rathaus-Neubau in der Weinerstraße informieren. Foto: Steven

375 Sitzplätze hatten die städtischen Mitarbeiter am Freitagabend vorsorglich in der Stadthalle bereitgestellt. Das war gut kalkuliert, denn bei der Informationsveranstaltung zur Stadtentwicklung und zum Rathaus-Neubau blieb fast kein Stuhl leer.

Bürgermeister Kai Hutzenlaub zeichnete in seiner Einführung die Entscheidungsfindung des Rates von vier möglichen Rathaus-Standorten im Juli 2017 hin zum Standort an der Weinerstraße im Juli 2019 nach. Die aktuell immer wieder in die Diskussion gebrachte Fläche am ehemaligen DRK-Zentrum (Pius­straße/Alte Maate) sei damals gleich zu Beginn aus dem Rennen gewesen. „Für diesen Standort hat sich keine Fraktion ausgesprochen“, betonte der Verwaltungschef.

In der Weinerstraße hat die Stadt im Sommer 14 bebaute und zwei unbebaute Grundstücke gekauft, um dort ein neues Rathaus zu errichten. Auf dieser Fläche soll die Verwaltung untergebracht werden, aber auch ein „Haus für Bürger“, geschaffen werden, wie Hutzenlaub es formulierte.

Kämmerer Roland Frenkert schätzte das Vorhaben inklusive eines massiven Sicherheitspuffers für beispielsweise mögliche archäologische Ausgrabungen auf 16,5 Millionen Euro. Diese Summe müsste die Kommune komplett über 30 Jahre finanzieren. Geschätzte jährliche Belastung: 330 000 Euro. „Das liegt im Bereich des Machbaren“, so Frenkert. Aktuell gebe die Stadt allein für die Miete von Rathaus II und III (Gausebrink und Hinterstraße) jährlich 192 000 Euro aus. Etwaige Einnahmen durch eine geplante multifunktionale Nutzung des neuen Rathauses auch für Veranstaltungen und dergleichen hat Frenkert bewusst aus der Berechnung herausgelassen.

Marc Föhrer vom Büro „Stadt+Handel“ aus Dortmund, der Ochtrup bereits beim Einzelhandelskonzept betreute, befürwortete die Entscheidung des Rates für die Weinerstraße. „Es gibt aus meiner Sicht keinen Grund, das Rathaus an dieser Stelle nicht zu bauen. Nutzen Sie die Möglichkeit!“ Nur mit Handel und Gastronomie ließe sich die Weinerstraße nicht füllen, erinnerte Föhrer an die vielen Leerstände.

Gegenwind kommt in dieser Sache derzeit von Hermann Holtmann und Hajo Steffers (Fraktionsvorsitzende von FDP und CDU) sowie Susanne Dorsten. Sie streben ein Bürgerbegehren an, das den Ratsbeschluss vom 4. Juli dieses Jahres kippen und den Kauf der Grundstücke an der Weinerstraße rückgängig machen soll. Das Projekt ist ihnen zu teuer. Holtmann argumentierte am Freitagabend, die Stadt könne das Rathaus an einem anderen Standort etwa 5,5 bis 7 Millionen Euro günstiger bauen. Mit dem Bau in der Weinerstraße würden lediglich Leerstände kaschiert. „Wir haben dort einen Investor. Lassen wir ihn doch arbeiten.“

Dem hielt Frenkert entgegen, dass der Investor in einer Runde mit den Fraktionsvorsitzenden den Rathausbau befürwortet habe. „Er hat keinen Plan. Ich finde das hätte Sie sagen können“, meinte der Kämmerer.

Schützenhilfe bekam Holtmann von seinem Mitstreiter Hajo Steffers, für den der belebende Effekt eines Rathauses in der Weinerstraße nicht die hohen Kosten aufwiegt. Er erklärte, dass auch der Standort der aktuellen Feuer- und Rettungswache eine Alternative darstelle. Dafür müsste die Stadt keine Schulden machen, so seine Argumentation. Um die Innenstadt zu gestalten, reichten Bebauungspläne und die Gestaltungssatzung aus. „Dafür müssen wir nicht in die Eigentümerrolle.“

Wie es mit der Weinerstraße weitergehen soll, dafür habe er indes keinen Plan. Das sei Sache des Investors, so Steffers.

https://event.yoochoose.net/news/705/consume/10/2/6965560?categorypath=%2F2%2F84%2F61%2F93%2F105%2F182%2F
Poller schützen bald den Domplatz
Der städtische Ordnungsdezernent Wolfgang Heuer (l.) und Norbert Vechtel (Ordnungsamt) vor der längsten Sperranlage in der City an der Loerstraße. Bis 2021 sollen alle relevanten Innenstadt-Zufahrten mit Überfahrschutzpollern ausgestattet sein.
Nachrichten-Ticker