Kirchenmusikalische Stunde in St. Johannes Baptist
Auch die Orgel singt

Ochtrup -

Eine musikalische Reise durch die Jahrhunderte – dieses Thema umfasste die kirchenmusikalische Stunde am Samstag in der Kirche St. Johannes Baptist in Langenhorst.

Dienstag, 08.10.2019, 08:00 Uhr
Gestalteten eine kirchenmusikalische Stunde, die mehr Zuhörer verdient gehabt hätte: Organist Thomas Harnath, Stefanie Bußkönning, Dagmar Feldmann, Michael Schneider und Christine Hülser,
Gestalteten eine kirchenmusikalische Stunde, die mehr Zuhörer verdient gehabt hätte: Organist Thomas Harnath, Stefanie Bußkönning, Dagmar Feldmann, Michael Schneider und Christine Hülser, Foto: Thomas Lischik

Fünf Musiker präsentierten ein interessant und geschickt zusammengestelltes Konzertprogramm, das Werke von Johann Sebastian Bach und Georg Friedrich Händel in den Mittelpunkt stellte, aber auch weitere Stücke anderer Komponisten passend zur Jahreszeit umfasste. Der Ochtruper Sänger Michael Schneider eröffnete den musikalischen Reigen mit dem bittersüßen Liebes- und Sterbelied „Bist du bei mir“, das Bach in sein Notenbüchlein für Anna Magdalena Bach aufnahm.

Organist Thomas Harnath interpretierte zwei Stücke von Hans-André Stamm (*1958), „Hommage à Bach“ und der Fantasia „Bach in Ireland“. Alles klingt frisch und locker, regelrecht genussvoll auskomponiert und ebenso wiedergegeben, großartig. Am Ende des Bach-Blocks kam wieder der Meister selbst in einer hübschen Bearbeitung des Menuetts und Badinerie aus der Orchestersuite zu Wort. Christine Hülser an der Querflöte überzeugte mit vollem Ton und feiner Artikulation.

Zwischen die überwiegend raschen und bewegten Stücke des Programms hatten die Künstler immer wieder Ruhepunkte eingebaut, so auch zu Beginn des Händel-Blocks mit der wunderschönen Arie „Süße Stille, sanfte Quelle“ für Sopran, Flöte und Orgel. Stefanie Bußkönning gelang eine ausdrucksvolle Interpretation. Als Kunstwerk noch bekannter vielleicht ist die zweite Händel-Arie aus dem Messias, „Er weidet seine Herde“, vorgetragen von der Sopranistin Dagmar Feldmann.

Wer nun bei Hans André Stamms „Cavatine“ gespannt darauf wartete, welcher Sänger nun wohl singen würde, wurde damit überrascht, dass es sich dabei um ein ausgesprochen hübsches Orgelsolowerk mit irischem Flair handelte, Thomas Harnath brachte die Orgel zum Singen. Die Langenhorster Orgel bietet trotz ihrer begrenzten Größe eine Vielfalt an Klangmöglichkeiten.

Danach war wieder Zeit für eine musikalische Ruheoase, Dagmar Feldmann lud das Publikum mit einem anmutigen „Sei stille dem Herrn“ von Mendelssohn zum Verweilen ein und machte spürbar, dass Kraft oft aus der Stille wächst. Große Stimmkraft bewies Michael Schneider in dem noch dem Geist der Romantik verschriebenen Magnificat von George Dyson (1883-1964), machtvoll und sonor erklangen da die dramatisch vertonten Worte des marianisch-biblischen Lobgesangs.

Irisch-schottisch anmutende Musik zwischendurch von Hans-André Stamm, Harnath zauberte virtuos eine an die Last Night of the Proms erinnernde Stimmung bei „Cortége de Joie“, malte mit sensibler Flötenunterstützung Landschaftsbilder in „Sheebeg and Sheemore“ und glänzte mit umwerfendem Drive in den Oktav-Repetitionen bei der harmonisch raumgreifenden Toccata gaelica.

Rauschender Beifall brandete nach der Schlusskantate auf, die alle Sänger vereinte, „Cantate Domino“ von Dietrich Buxtehude. Buxtehude schuf mit diesem polyphon verzwickten Vokalwerk ein kompliziertes und filigran gewebtes barockes Prachtstück, das seine Interpreten mit seinen teilweise schwierigen Einsätzen vor große musikalische Aufgaben stellt. Die Sänger stellten sich den Koloraturen mit angenehm-leichter Stimmgebung und konnten so ihr Publikum mit auf die Führung durch eine fein gearbeitete musikalische Architektur nehmen.

Ihre Zugabe „Der Mond ist aufgegangen“ schlug einen inhaltlichen Bogen zum melancholischen Konzertbeginn und schloss so die Klammer um ein hörenswe r­tes Musikerlebnis, das mehr Zuhörer verdient hätte.

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