Thomas Cook-Pleite: Umfrage in den Reisebüros
„Ein touristischer Obergau“

Ochtrup -

Urlaub – eine sensible Zeit, in der Regel gut vorbereitet. Was aber passiert, wenn der Reiseveranstalter Insolvenz anmeldet?

Freitag, 11.10.2019, 19:00 Uhr
Urlaub auf den Malediven – ein Traumziel für die schönste Zeit des Jahres.
Urlaub auf den Malediven – ein Traumziel für die schönste Zeit des Jahres. Foto: Susanne Menzel

Für viele ist der Urlaub die schönste Zeit des Jahres. Er wird oft sorgfältig geplant – und mit Vorfreude auf die Tage und Wochen gewartet. Und dann macht der Reiseveranstalter pleite. . .

„Der Frust war bei einigen schon recht groß“, sagt Kathrin Krimpmann , Geschäftsführerin des Reisebüros „TUI-Travelstar“ an der Bahnhofstraße, auf die Frage nach Reaktionen der Kunden auf die Insolvenz des Urlaubsanbieters Thomas Cook . „Für uns als Reisebüro war die Situation sehr heftig - gleichsam ein touristischer Obergau“, beschreibt sie ihre Eindrücke.

Das Büro habe alle betroffenen Kunden informiert und Gespräche angeboten, was aktuell zu tun sei. „Urlaub ist ein sehr sensibles Thema“, hebt Kathrin Krimpmann hervor. Deshalb hätten sie, ihre Geschäftsführer-Kollegin Ute Pont und weitere drei Mitarbeiterinnen viel Zeit in Beratung investiert. „Wir haben uns bemüht, ein gutes Gefühl zu verbreiten soweit das möglich war, und haben für unser Vorgehen viel Zuspruch erhalten“. Teilweise seien Kunden sogar in den Arm genommen worden. Zudem habe das Reisebüro von vielen offizielle Mitteilungen für „unsere Arbeit zu einem sehr komplexen Thema profitiert.“

Schließlich sei mit Thomas Cook ein große,r sehr vertrauenswürdiger Reiseveranstalter – Neckermann, Öger-Tours und weitere Marken – „auch für uns überraschend“ in Schwierigkeiten geraten. „Es hat denen bestimmt weh getan, eine solche Meldung bekannt machen zu müssen“, ist Kathrin Krimpmann überzeugt. Bis Ende Dezember sind alle Reisen abgesagt. Ob Thomas Cook im Januar wieder in das operative Geschäft einsteigen könne, sei derzeit nicht absehbar.

Aktuell sind Kunden von Thomas Cook allerdings eher verunsichert, was ihren Urlaub und dessen Zukunft angeht.

Aktuell sind Kunden von Thomas Cook allerdings eher verunsichert, was ihren Urlaub und dessen Zukunft angeht. Foto: dpa

Die „große Krise“ habe aber gezeigt, dass Reisebüros vor Ort wichtige Arbeit leisten und ihre Berechtigung haben“, verweist Kathrin Krimpmann auf Urlauber, die zwar in einem Online-Portal gebucht hätten, jetzt aber Beratung in ihrem Büro nachgefragt hätten. „Online gibt es kaum belastbare Informationen.“

Urlaub sei eine Zeit, die mit vielen Emotionen verbunden sei, versteht die Geschäftsführerin, dass viele Kunden „mit Wut im Bauch“ das Reisebüro aufgesucht hätten. „Schließlich geht es letztlich immer auch um Geld.“ Aber: „Alles bis zum 31. Dezember haben wir inzwischen in trockenen Tüchern.“

Kathrin Krimpmann erinnert zudem an die Flieger-Pleiten in jüngeren Vergangenheit. „Eine neue Dimension“, sagt sie und verweist auf Air Berlin, Wow oder Germania. „Wer nur Flüge buchen will, dem empfehlen wir inzwischen, unser Versicherungspaket dazu abzuschließen..“ Das greife allerdings „nicht rückwirkend.“

Das sieht auch Egon van Almsick so. Der Inhaber des Reisebüros an der Weiner Straße betont zwar, dass es in seiner Kundschaft nur wenige Betroffene gebe. Trotzdem: „Alle haben Geld verloren, auch wir als Reisebüros“, stellt van Almsick fest. „Ob es überhaupt etwas zurückgibt, steht noch in den Sternen“. Er könne den Reiseveranstalter in Zukunft nicht mehr guten Gewissens empfehlen. „Da ist viel Vertrauen verloren gegangen“. Die bereits fertigen Kataloge für 2020 habe er „schon in die Tonne geworfen.“ Gut sei aus seiner Sicht lediglich, dass Thomas-Cook-Kontingente in verschiedenen Anlagen inzwischen anderen Anbietern zur Verfügung stünden.

Er erinnert sich noch genau an den Beginn der Krise in der Nacht vom 22. auf den 23. September. „Morgens sind noch Leute von Greven aus nach Mallorca geflogen. Mittags ging dann gar nichts mehr.“

Meike Oßendorf, Inhaberin des Büros Reisekompass an der Laurenzstraße, berichtet, dass sich verunsicherte Kunden gemeldet hätten, auch solche, die Flüge bei Condor gebucht hätten. „Das war aus unserer Sicht überschaubar, da wir nicht Veranstalter abhängig arbeiten“. In allen Fällen sei eine „kompetente Beratung“ erfolgt „Wir haben dafür alles an Neuigkeiten zu der Insolvenz gesammelt“, erläutert sie die Vorbereitung. „Wir haben uns bemüht, alternative Angebote zu finden, da die Urlaubszeit für viele einen großen Stellenwert hat.“

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