Gesundheitsförderung und Prävention
Kommune ist wie eine Drehscheibe

Ochtrup -

Gesundheit und Prävention sind nicht nur Sache eines jeden Einzelnen – auch die Kommune kann hierbei mit guten Rahmenbedingungen und einem Netzwerk von Akteuren unterstützen.

Freitag, 18.10.2019, 06:00 Uhr
Mit einem Impulsvortrag, der auch gesündere Ernährung (Foto o.) zum Inhalt hatte, warb Professor Dr. Matthias Bellinghausen (r.) für kommunale Prävention und Gesundheitsförderung. Mit der Gesellschaft für Prävention ist er damit und bis hin nach Berlin aktiv.
Mit einem Impulsvortrag, der auch gesündere Ernährung (Foto o.) zum Inhalt hatte, warb Professor Dr. Matthias Bellinghausen (r.) für kommunale Prävention und Gesundheitsförderung. Mit der Gesellschaft für Prävention ist er damit und bis hin nach Berlin aktiv. Foto: dpa

„Gesundheit endet nicht an der Haustür oder am Werkstor. Und Gesundheitskompetenz beinhaltet die Fähigkeit sowie die Fertigkeit, dieses Wissen auch anzuwenden. Ein Beispiel: Wir wissen alle, dass Schokoriegel ungesund sind – essen sie aber trotzdem.“ Aufgrund einer straffen Zeitvorgabe eher im Galopp statt im langsamen Schritt, dafür aber sehr plastisch, erläuterte Professor Dr. Matthias Bellinghausen jetzt den Lokalpolitikern in der Sitzung des Stadtrates, dass auch sie ihr Scherflein zu einer kommunalen Prävention und Gesundheitsförderung beitragen können.

Gleich zu Beginn machte der Referent die Probe aufs Exempel: „Wer von Ihnen kennt denn das Präventionsgesetz“, schaute er sich in der Runde fragend um. Es waren (ohne Details auszuplaudern) nur wenige Finger, die daraufhin in die Höhe schnellten. Für Bellinghausen Motivation, mit ein wenig Basisaufklärung grundsätzliche Informationen an den Mann und die Frau zu bringen.

„Jedes zweite in Mitteleuropa geborene Kind kann 100 Jahre alt werden. Es hätte sogar ein biologisches Potenzial für 140 Jahre. Was wir allerdings bisher letztlich geschafft haben, ist, unsere Leidenszeit zu verlängern. Denn es gibt keine Zunahme der krankheitsfreien Jahre durch ein längeres Leben. Es wird vielmehr polarisiert durch gesund und ungesund.“ Es sei daher ratsam, so Bellinghausen, auch seitens der Kommune den Fokus auf Primärprävention und die Vermeidung von Risikoverhalten zu setzen, um den Symptomen zuvorzukommen.

Gemeint ist damit nun nicht, dass die Kommune eine Art Gesundheitspolizei durch die Straßen schickt, die jeden Bürger zu gesünderem Essen und/oder mehr Bewegung ermahnt.

Die Stadt allerdings kann auf ein Netzwerk von Lebenswelten in Kitas, Schulen, Vereinen, Betrieben oder Pflegeeinrichtungen zurückgreifen, dort weitere Verknüpfungen untereinander unterstützen – oder aber auch bei öffentlichen Belangen genau diese Förderung und Prävention im Blick haben, etwa durch die Schaffung entsprechender Rahmenbedingungen im Straßenbau.

Prof. Dr. Matthias Bellinghausen.

Prof. Dr. Matthias Bellinghausen. Foto: privat

Der Fachmann nannte noch ein weiteres Beispiel: „Wir alle werden immer dicker. Ein Drittel der Menschheit brachte 2016 zu viel auf die Waage. Zu reichhaltige ungesunde Ernährung, zu wenig Bewegung – das sind die Trigger. Gründe liegen aber manchmal auch in der emotionalen oder sozialen Isolation. Wenn Menschen sich, aus welchen Gründen auch immer, aus der Gesellschaft zurückziehen. Wir sind genetisch darauf ausgelegt, uns am Tag zwischen zehn und zwölf Stunden leicht zu bewegen. Das machen nur die wenigsten. Da wird sich vielleicht mal samstags beim Sport ausgepowert. Das war‘s dann aber auch schon. Im Alltag werden die Kids statt dessen morgens mit dem Auto oder dem Bus zur Schule gebracht, statt den Weg per Rad oder zu Fuß zurückzulegen. Hier könnte die Stadt präventiv mit der Verbesserung der Schulwege aktiv werden. Die Kommune ist wie eine Drehscheibe, die alle Gruppen erreicht: von Kindern über Erwachsene, Alte oder Arbeitslose.“

Einen gesundheitsförderlichen Entwicklungsprozess anzustoßen, zu koordinieren oder zu leiten und in diesen auch andere Akteure mit einzubinden, unterstütze das Präventionsgesetz. Die Gesellschaft für Prävention, so der Matthias Bellinghausen, diene als Moderator und gebe sozusagen den „Kick-off vor Ort“. Sie stößt mit ihrem Experten-Netzwerk an und erstellt beispielsweise ein Erstgutachten mit Handlungsempfehlungen und bindet etwa bereits vorhandene Angebote mit ein.

Bellinghausen abschließend: „Eine gute Moderation nutzt das Potenzial aller daran Beteiligten, fördert das Machbare und beugt unrealistischen Wunschvorstellungen vor.“

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