Viele Besucher trotzen dem spätherbstlichen Wetter
Fast wie in der Badewanne

Ochtrup -

Die Schlange vor dem Tor des Bergfreibades war lang, als die Schwimmmeister am Freitagmorgen zum ersten Mal nach der Renovierung die Pforten öffneten. Trotz der kühlen Außentemperaturen nutzten viele Besucher die Chance, ihre ersten Bahnen im neuen Edelstahlbecken zu ziehen.

Samstag, 02.11.2019, 06:00 Uhr aktualisiert: 04.11.2019, 17:10 Uhr
Viele Wasserratten nutzten am Freitagmorgen die Möglichkeit, ein paar Bahnen im renovierten Bergfreibad zu ziehen. Das Wasser wurde auf mollige 24 Grad aufgeheizt.
Viele Wasserratten nutzten am Freitagmorgen die Möglichkeit, ein paar Bahnen im renovierten Bergfreibad zu ziehen. Das Wasser wurde auf mollige 24 Grad aufgeheizt. Foto: Maximilian Stascheit

Freitagmorgen, 9.55 Uhr. Der Himmel ist trüb und das Thermometer auf dem Ochtruper Berg zeigt fünf Grad Celsius an. Doch vor dem Eingang des Bergfreibades bildet sich bereits eine lange Schlage. Rund 20 unerschrockene Wasserratten warten – teilweise mit Handschuhen und Mütze – bereits sehnsüchtig darauf, dass die Schwimmmeister Stefan Polhuis und Björn Bendias endlich das Türchen öffnen.

Bergfreibad Ochtrup

Einen ganzen Sommer lang mussten die Ochtruper auf das Bergfreibad verzichten. Doch nun hat das Warten endlich ein Ende. Zwar sieht das Areal immer noch nach einer Baustelle aus, doch die Stadtwerke haben ihr Versprechen eingehalten und lassen die Badegäste trotz des spätherbstlichen Wetters drei Tage lang ins Schwimmbecken.

Die Stimmung an diesem Morgen gleicht der eines normalen Saisonstarts, wenn sich die Stammgäste des Freibades nach den Wintermonaten vor den Eingangstoren wiedertreffen. Viele Frühschwimmer sind dabei, die den ganzen Sommer auf ihr Morgenritual verzichten mussten. Eine Besucherin hat sogar einen Kuchen gebacken – für die Badegäste, aber natürlich auch die Schwimmmeister und die Mitarbeiterinnen an der Kasse.

Dann endlich ist es soweit: Die Pforten sind geöffnet und die ersten Besucher stürmen bereits aufs Schwimmbecken zu. Auch ich lasse mir diese Chance nicht entgehen und ziehe mir die Badehose an, die in diesem Sommer viel zu selten zum Einsatz gekommen ist. In den Umkleidekabinen laufen schon seit einer ganzen Weile die Heizungen. Die Schwimmmeister versprechen eine Wassertemperatur von 24 Grad. Und der leicht aufsteigende Dampf über dem Schwimmbecken spricht für sich.

Freigegeben ist bisher nur der direkte Weg von der Umkleidekabine ins Schwimmbecken. Schon nach wenigen Sekunden an der frischen Luft beginnt das Zittern. Der Bademantel wird über den Schrankenzaun geschmissen und die Badelatschen direkt neben der Treppe platziert.

Bei den ersten Schritten hinein ins Becken bin ich erschrocken, wie kalt sich 24 Grad Wassertemperatur anfühlen können. Doch schon nach der ersten geschwommenen Bahn in dem 50-Meter-Becken fühlt es sich fast so an wie in der Badewanne.

„Das ist so schön warm. Ihr könntet das Bad eigentlich bis Weihnachten auflassen“, ruft eine Besucherin Björn Bendias zu. Einige Meter weiter lässt sein Kollege Stefan Polhuis den Blick über das Becken schweifen – und zwar standesgemäß mit Sonnenbrille. „Ich arbeite jetzt seit 21 Jahren hier im Freibad. Die Leute kennen mich gar nicht anders“, erzählt er lachend. Auch dem Freibadpersonal ist an diesem Morgen sichtlich anzumerken, wie sehr sie den Badebetrieb vermisst haben.

Nach 20 Minuten ist meine erste Schwimmeinheit dieser kurzen Freibadsaison beendet. Mit leicht blauen Lippen stelle ich mich unter die warme Dusche. Viele der Eröffnungsgäste verweilen beim Verlassen des Freibades noch für ein kleines Gespräch auf der Terrasse. Und der Satz „Ich freue mich schon so auf den nächsten Sommer“ ist dabei unzählige Male zu hören.

Normalerweise zieht Hans-Otto Rösemeier im Sommer jeden Morgen gegen 7.30 Uhr seine Bahnen im Bergfreibad. Am Freitagmorgen war er einer der Ersten, die sich in die Fluten des neuen Edelstahlbeckens stürzten. „Es ist richtig toll geworden“, zeigt sich der 69-Jährige nach seiner ersten Schwimmeinheit begeistert. Wie viele andere Gäste, die sich an diesem Morgen einen Eindruck vom neuen Freibad verschaffen wollen, ist er der Meinung, dass sich das lange Warten auf die Eröffnung gelohnt hat.

„Es ist nur schade, dass wir im Vergleich zum früheren Becken eine lange Bahn weniger haben. Da wird man sich wahrscheinlich gegenseitig in die Quere kommen“, so Hans-Otto Rösemeier.

„Ich finde es richtig schön, dass sie das Bad noch für diese drei Tage geöffnet haben. Da kann man sich jetzt schon richtig auf das nächste Jahr freuen“, erzählt Helga Hewing, die ebenfalls zu den Frühschwimmern gehört und ergänzt: „Wenn die Flatterbändchen und Zäune mal weg sind, sieht es wahrscheinlich auch ganz anders aus.“

In der Umkleidekabine sind am Eröffnungstag zwar einige Stimmen zu hören, in denen dezente Kritik und Unverständnis über die vielen Bauverzögerungen durchklingt. Doch die Resonanz, das nimmt auch ein sichtbar glückliche Herbert Bätker als Leiter technische Versorgung der Stadtwerke zur Kenntnis, war an diesem Morgen eindeutig positiv.

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