Sophie Freermann ist landesbeste Systemelektronikerin
Tagsüber Platine, abends Bühne

Ochtrup -

Sophie Freermann hat als Systemelektronikerin einen für Frauen ungewöhnlichen Beruf – und ist dort richtig gut: Als Landesbeste schnitt die Ochtruperin jetzt bei der Gesellenprüfung ab. Am 15. und 16. November stellt sie sich in Oldenburg dem Bundesvergleich.

Donnerstag, 07.11.2019, 06:00 Uhr
Sophie Freermann steckt an ihrem Arbeitsplatz unter anderem Kabel zusammen. Die Ochtruperin hat ihre Gesellenprüfung zur Systemelektronikerin als Landesbeste abgeschlossen – und wurde auch von ihrem Ausbildungsbetrieb übernommen.
Sophie Freermann steckt an ihrem Arbeitsplatz unter anderem Kabel zusammen. Die Ochtruperin hat ihre Gesellenprüfung zur Systemelektronikerin als Landesbeste abgeschlossen – und wurde auch von ihrem Ausbildungsbetrieb übernommen. Foto: Susanne Menzel

Der Schreibtisch ist fast ein Paradebeispiel von Sauberkeit und Ordnung. Nur ein schmaler, pinkfarbener Klebestreifen an der Schublade lässt einen Rückschluss auf den Nutzer zu: Der Arbeitsplatz könnte einer weiblichen Mitarbeiterin zuzuordnen sein. Richtig! Sophie Freermann schmunzelt. Die 21-jährige Och­truperin steckt an dem Tisch Kabel zusammen oder lötet Platinen.

Die junge Frau ist Systemelektronikerin bei dem Altenberger Unternehmen Jüke Systemtechnik. Und nicht nur das: Sie hat gerade für sich ebenso wie für ihren bisherigen Ausbildungsbetrieb reichlich Lorbeeren eingeheimst. Sophie Freermann hat ihre Gesellenprüfung mit Bravour bestanden und wurde auch Siegerin auf Landesebene. Damit nimmt sie jetzt am 15. und 16. November (Freitag und Samstag) am Wettbewerb auf Bundesebene in Oldenburg teil.

Für die Ochtruperin war schon recht früh klar, „dass ein sozialer Beruf für mich nicht in Frage kommt. Mir lagen schon seit jeher eher Fächer wie Mathe oder Physik.“ So war die Richtung der Schulpraktika eigentlich recht schnell vorbestimmt.

Zunächst schaute Sophie Freermann bei dem Unternehmen, das Sonnenschutz herstellt und in dem auch ihr Vater tätig ist, hinter die Kulissen. „Das hat mir allerdings nicht so zugesagt, weil dort eine große körperliche Belastung mit schwerem Tragen erforderlich war.“ Sie hörte sich um – und stieß durch Empfehlungen auf ihren jetzigen Arbeitgeber. „Ich war das einzige Mädchen in meinen Ausbildungsjahrgang“, gibt Freermann zu.

„Über diese Praktika knüpfen wir sehr gute Kontakte zu den jungen Leuten. Die meisten, die später bei uns als Lehrlinge beginnen, haben über diesen Weg zu uns gefunden“, sagt Ausbilder Ludger Schmerling. Über die Bewerbung von Mädchen und Frauen freue sich das Unternehmen stets besonders, betont der Lehrlings-Begleiter und liefert sogleich die Begründung nach: „Sie arbeiten sehr sorgsam und filigran. Und sie sind pfiffig. Sophie beispielsweise hat sich vor ihrer Prüfungen die Arbeitshefte anderer Absolventen vorgenommen und nachgeschaut, welche Themenbereiche abgefragt wurden. Das macht nicht jeder von sich aus.“ Dass Sophie es getan hat, zahlte sich aus.

Die 21-Jährige ist begeistert von ihrer Arbeit: „Ich bestücke Platinen und verdrahte Geräte, teste sie und nehmen die Teile anschließend in Betrieb.“ Jüke stellt vor allem Produkte aus dem medizinischen Bereich her. „Das sind etwa Röntgengeräte oder jene Apparaturen, bei denen radioaktive Kontrastmittel angemischt werden“, verrät die Ochtruperin.

In ihrem Freundeskreis hat sie beruflich ein Alleinstellungsmerkmal. „Aber das ist eigentlich ganz cool“, schmunzelt Sophie Freermann. „Die Mädchen wissen zunächst gar nicht, worüber ich rede, wenn ich von meinem Job erzähle. Bei den Jungs kann ich in Gesprächen locker mithalten“, erklärt sie.

Übrigens hat die aufgeweckte junge Dame nicht nur einen für Frauen ungewöhnlichen beruflichen Weg eingeschlagen und eine Auszeichnung dabei errungen – sie ist auch in ihrer Freizeit auf nicht alltäglichem Terrain aktiv. „Ich spiele im Ensemble der Freilichtbühne Bad Bentheim“, verrät sie auf Nachfrage. Seit sieben Jahren stellt sie dort ihre schauspielerischen Fähigkeiten unter Beweis. Und das nicht nur als Statistin, „sondern durchaus in größeren Sprechrollen.“ Es sei ein sehr zeitintensives Hobby. „Besonders vor der Premiere ist man jeden Abend über Stunden gefordert. Trotzdem heißt es am nächsten Morgen früh aufstehen, um sich auf den Weg zur Arbeit zu machen.“ Bisher allerdings habe das ganz gut geklappt. „Mit ‚Michel aus Lönneberga‘ habe ich seinerzeit angefangen, zuletzt war ich dieses Jahr bei dem Stück ‚Kaninchen können es besser‘ dabei“, listet Freermann auf. Nur während ihrer Zwischenprüfung, die im Sommer stattfand, habe sie pausiert: „Das wäre sonst zu viel gewesen. Deshalb war es günstig, dass die Gesellenprüfung in die Herbstmonate fiel.“

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