Ochtruper Kulturtage: Kirchenkabarett
Theologische Grundreinigung

Ochtrup -

„Ein anspruchsvoller und vielseitiger Kulturherbst, der Licht und Lachen in die düstere Zeit bringt“ - so bezeichnet Bürgermeister Kai Hutzenlaub die Ochtruper Kulturtage. Zum Auftakt gab es am Donnerstagabend in der voll besetzten Villa Winkel eine Art „theologische Grundreinigung“.

Samstag, 09.11.2019, 05:00 Uhr
Das Kabarettehepaar „Klüngelbeutel“ – Ulrike und Wolfram Behmenburg – fegte zum Auftakt der Kulturtage in der Villa Winkel die „Krümel vom Tisch des Herrn“.
Das Kabarettehepaar „Klüngelbeutel“ – Ulrike und Wolfram Behmenburg – fegte zum Auftakt der Kulturtage in der Villa Winkel die „Krümel vom Tisch des Herrn“. Foto: Irmgard Tappe

Das Kabarettehepaar „Klüngelbeutel“ fegte die „Krümel vom Tisch des Herrn“. Ulrike und Wolfram Behmenburg nahmen das Publikum mit auf eine satirische Reise durch die bunte Kirchenwelt. Spritzig und pointenreich durchleuchteten sie die Facetten kirchlichen und religiösen Lebens.

Eigentlich ist Theologie ja ein eher schwieriges Thema. Zum Beispiel Martin Luthers Reformationstheologie. Wie soll man sie einem Laien verständlich machen? Das Ehepaar aus dem Rheinland kennt sich da allerdings bestens aus. Er ist evangelischer Pfarrer und sie – Sozialpädagogin von Beruf – ist ebenfalls kirchlich engagiert. Luthers Lehren brachten die beiden „ Jecken vor dem Herrn“ den Besuchern auf kölsche Art und mit Hilfe von Karnevalsschlagern näher. „Wir sind alle kleine Sünderlein“, sangen sie inbrünstig, um die Rechtfertigungstheorie zu erläutern. Und das Thema „Laienkelch“ beschrieben sie mit dem Lied „Bring doch eene mit, stell dich nit so an.“ Das Publikum amüsierte sich köstlich und war während des Programms ebenfalls gefordert, denn das Duo hatte verschiedene Mitmachaktionen im Klüngelbeutel.

Bissig, aber keineswegs bösartig griffen die Kirchenkabarettisten im Laufe des Abends verschiedene kirchliche Fragen auf und nahmen das Verhalten der Gläubigen liebevoll aufs Korn. Ulrike Behmenburg erzählte, dass sie wie viele ihrer Mitmenschen um Weihnachten herum an akutem Protestantismus leidet. Aber was macht man dagegen? „Ich gehe an Weihnachten einmal in den Gottesdienst. Dann hat mein Immunsystem so viele Antikörper gebildet, dass ich ein ganzes Jahr lang Ruhe habe.“ Zack, das war ein ironischer Seitenhieb ohne erhobenen Zeigefinger. Und etliche Katholiken im Saal werden erkannt haben, dass sie möglicherweise an akutem Katholizismus leiden. Vielleicht würde es mehr Menschen in die Kirchen locken, wenn das Publikandum als Rap vorgetragen würde? Wie der Lektor Theodor Schmidt (Wolfram Behmenburg) es neuerdings macht.

In den religiösen Betrachtungen des Kabarettduos ist auch das Sterben ein Thema. „Wenn der Herjott ruft, dann ist Sense“, meinten die Kabarettisten und erzählten, dass jeder auf seine Art die Himmelfahrt antritt. „Der Professor gibt den Geist auf, der Gärtner beißt ins Gras, der Pastor muss dran glauben, die Putzfrau wird zu Staub und der Beamte schläft friedlich ein.“ Und wer nach so viel Religion noch immer Glaubenszweifel hat, der sollte „Lamento“ anrufen, eine von Klüngelbeutel eingerichtete „Servicestelle für Glaubensreklamationen“.

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