1971 hatte die Töpferstadt erstmals ein Kinderdreigestirn
Als der Karneval nach Ochtrup kam

Ochtrup -

1971, zwei Jahre nach seiner Gründung, stellte der Förderkreis Kinderkarneval erstmals ein Dreigestirn. Damals regierten Prinz Karl-Heinz Schmitz, Prinzessin Mariele Oelerich (heute van Lier) und Till Hermann Herbering die Narren. Wie die Kinder von einst ihren Job als jecke Majestäten erlebten, haben Prinzessin und Till Redakteurin Anne Steven erzählt.

Samstag, 09.11.2019, 06:00 Uhr
Lang, lang ist’s her: 1971 bildeten (v.l.) Hermann Herbering, Mariele van Lier (damals Oelerich) und Karl-Heinz Schmitz das erste Ochtruper Kinderdreigestirn.
Lang, lang ist’s her: 1971 bildeten (v.l.) Hermann Herbering, Mariele van Lier (damals Oelerich) und Karl-Heinz Schmitz das erste Ochtruper Kinderdreigestirn. Foto: Archiv Förderkreis Kinderkarneval

Auf dem Schwarz-weiß-Foto aus dem Jahr 1971 lächelt Mariele van Lier (damals hieß sie noch Oelerich) freundlich in die Kamera. Doch so richtig begeistert war die damals Elfjährige nicht, als der Förderkreis Kinderkarneval sie zu Och­trups erster Karnevalsprinzessin machte.

„Mama, du musst mitkommen“, habe ihre Tochter damals zur ihr gesagt, erinnert sich Marianne Oelerich noch gut an die verhaltene Reaktion ihrer Tochter. „Also bin ich hinterher gelaufen.“ Positiv in Erinnerung geblieben ist Mariele van Lier allerdings die Pony-Kutsche, mit der sie, der damalige Prinz Karl-Heinz Schmitz und Till Hermann Herbering als Kinderdreigestirn beim ersten Rosenmontagszug unterwegs waren. Daran kann sich auch noch Hermann Herbering erinnern. Der heute 56-Jährige bekam damals einen riesigen Dauerlutscher geschenkt. Doch genießen konnte er die Süßigkeit nicht. „Ich habe ihn auf der Kutsche liegen gelassen und nie mehr wiedergesehen“, erzählt der Till von einst lachend.

Ich habe den riesigen Dauerlutscher auf der Kutsche liegen gelassen und nie mehr wiedergesehen.

Hermann Herbering

Der Siebenjährige wusste mit seiner Rolle als Till zunächst gar nichts anzufangen. Seine Eltern lasen ihm die Geschichte von Till Eulenspiegel vor. Das Motto: „Da musst du eigentlich nur dummes Zeug machen.“ Für einen Siebenjährigen eigentlich keine Herausforderung.

Hermann Herbering war 1971 der Till des ersten Kinderdreigestirns von Ochtrup.

Hermann Herbering war 1971 der Till des ersten Kinderdreigestirns von Ochtrup. Foto: Anne Steven

Neben seiner Teilnahme am Rosenmontagszug machte das Kinderdreigestirn an Weiberfastnacht auch eine Rundreise durch die Kneipen. Auf den Schultern der Förderkreismitglieder wurden die kleinen Majestäten durch die rappelvollen Gasträume getragen. „Das war furchtbar“ war Mariele van Lier vor allem der Kontakt mit den vielen Betrunkenen unangenehm. „Heute ist das ja glücklicherweise anders. Da geht es bei den Auftritten des Kinderdreigestirns gesittet zu“, weiß Marianne Oelerich. Doch all das musste sich erst noch entwickeln. Der Förderkreis habe ja selbst nur zwei Jahre nach seiner Gründung noch in den Kinderschuhen gesteckt.

Für Ochtrups erste Karnevalsprinzessin endete die verrückte Kneipentour, die, wie Manfred Scho vom Förderkreis Kinderkarneval weiß, von der Gaststätte „Zur Erholung“ über das „Scharfe Eck“, die Gaststätten Elfering und Blanke bis hin zu „Wiesken Tres“ (Gaststätte Paßlick) verlief – dann übrigens daheim bei einem heißen Kakao und gegrilltem Hähnchen. „Das haben sich die Kinder damals gewünscht“, erzählt Marianne Oelerich wie sie Prinz und Prinzessin nach deren Auftritt unter ihre Fittiche nahm.

Da kriegen so manche von den älteren Leuten einen richtigen Glanz in den Augen.

Manfred Scho

48 Jahre ist das mittlerweile her. Heute hat das Dreigestirn deutlich mehr Auftritte, die aber viel besser geplant seien, betont Manfred Scho. Besonders gern gesehen seien die Drei beim Seniorenkarneval und ähnlichen Festen. „Da kriegen so manche von den älteren Leuten einen richtigen Glanz in den Augen“, weiß Manfred Scho. Vielleicht erinnern sie sich dabei an die wilden Zeiten, als überall in Ochtrup kräftig Karneval gefeiert wurde. „Bis Mitte der 80er Jahre war das so“, weiß auch Hermann Herbering. Während er aber irgendwann die Lust am närrischen Treiben verlor, machte der Förderkreis weiter. „Ich bewundere die Leute, die das bis heute machen“, zieht er seinen Hut vor so viel ehrenamtlichem Engagement.

Vor 48 Jahren war Mariele van Lier (l.) die erste Prinzessin des Förderkreises Kinderkarneval. Begleitet wurde sie damals von ihrer Mutter Marianne Oelerich.

Vor 48 Jahren war Mariele van Lier (l.) die erste Prinzessin des Förderkreises Kinderkarneval. Begleitet wurde sie damals von ihrer Mutter Marianne Oelerich. Foto: Anne Steven

Bis Mitte der 1970er Jahre wurde das Dreigestirn übrigens von unterschiedlichen Schützenvereinen gestellt. Irgendwann ergab sich die Regelung, dass immer der Verein, der die Turnusversammlung ausrichtet, Prinz, Prinzessin und Till aus seinen Reihen stellt.

Am morgigen Sonntag feiert der Förderkreis Kinderkarneval sein 50-jähriges Bestehen. In diesem Rahmen wollen die Narren auch das neue Dreigestirn vorstellen. Außerdem sind sämtliche ehemalige Dreigestirne aus einem halben Jahrhundert zu den Jubiläumsfeierlichkeiten eingeladen. Manfred Scho hat in diesem Zusammenhang noch eine Bitte: „Wer ihn noch hat, möge bitte seinen Orden mitbringen.“

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Der Förderkreis Kinderkarneval lädt alle Ochtruper am Sonntag (10. November) zum Karnevalsfrühschoppen in die Stadthalle ein. Los geht es um 11.11 Uhr. Der Eintritt ist frei.

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