Mahnende Revue
Täglicher Aufstand der Anständigen

Ochtrup -

Es war schon wichtig, dass Ochtrups Bürgermeister Kai Hutzenlaub am Samstagabend bei der Begrüßung zu der Veranstaltung der Ochtruper Kulturtage an dem mehrfach historischen Datum – dem 9. November – vor einer Betroffenheitsroutine angesichts der geschichtsträchtigen Ereignis- und Datumsfülle warnte.

Sonntag, 10.11.2019, 14:10 Uhr
Die „Mahnende Revue“ führten Autor, Rezitator und Sänger Burkard Sondermeier (l.) und sein ihn am Keyboard begleitender Mitstreiter Igor Kirillov den Besuchern in der Kundenhalle der Stadtsparkasse vor Augen und Ohren.
Die „Mahnende Revue“ führten Autor, Rezitator und Sänger Burkard Sondermeier (l.) und sein ihn am Keyboard begleitender Mitstreiter Igor Kirillov den Besuchern in der Kundenhalle der Stadtsparkasse vor Augen und Ohren. Foto: Martin Fahlbusch

In der gut gefüllten Kundenhalle der Verbundsparkasse Emsdetten-Ochtrup forderte er mit Blick auf die Reichspogrom-Nacht 1938 und den wieder allgegenwärtigen, furchtbar aktuellen neuerlichen Judenhass einen „täglichen Aufstand der Anständigen“, der eben viel wichtiger, praktischer und notwendiger sei, als Datumsschwangere Fensterreden.

Insofern war dann auch die sich anschließende „Mahnende Revue“, die der Autor, Rezitator und Sänger Burkard Sondermeier mit seinem ihn am Keyboard begleitenden Mitstreiter Igor Kirillov vor Augen und Ohren führte, ein bemerkenswerter und lohnender Versuch, die welterschütternden Ereignisse im Zusammenhang mit dem Zweiten Weltkrieg , seinen Auslösern und Folgen in Äußerungen, Betrachtungen und Liedern von in besonderem Sinne miterlebenden Zeitzeugen äußerst anschaulich abzubilden.

Auch wenn Burkard Sondermeier die Gabe der rheinischen Alltagssouveränität auszeichnet, die trotz Leid und Elend auch das „Menschelnde“ nicht ausblendet, war das eine dichte und in ihrer Vielfalt lohnende – sozusagen aktualisierende – Rückblicksrevue, die Unterhaltung, Erinnerung und Anregung miteinander verwob. So standen plötzlich Adolf Hitlers furchtbare Völkerrechtsgeschichts-Klitterungen in seiner Kroll-Oper-Rede zur vermeintlichen Rechtfertigung des schmählichen und bombenstrotzenden – vor allem die Zivilbevölkerung treffenden – Überfalls auf Polen in einem aufrüttelnden Spannungsverhältnis zu Friedrich Hollaenders politisch- satirischem Couplet mit Musikzitaten aus George Bizets „Carmen“: „Die Juden sind an allem schuld“ (. . . vom schlechten Wetter bis hin zur schlechten Verdauung).

Mit ein paar kundigen Bemerkungen von Burkard Sondermeier wurde beispielsweise das von Propaganda triefende Lied von Michael Jary und Bruno Balz enttarnt, das Zarah Leander so berühmt machte: „Davon geht die Welt nicht unter“ – die Welt lag 1942 längst schon in Scherben. Und nicht nur Astrid Lindgren sah in ihren Tagebucheintragungen im entfernten Schweden das Kontinente erschütternde Unheil und Elend trotz privater Bevorratungsüberlegungen kommen.

In dieser „Mahnenden Revue“ waren „Die Moorsoldaten“, Bertolt Brecht, Heinrich Böll, Jaques Prévert Hanns Eisler, Franz Liszt und Dimitrij Schostakowitsch sowie Richard Stewart Addinsel („Warschauer Konzert“), genau richtig am Platze, um ein fundiertes Erlebnis eines nachdenklich machenden – aber nicht einfach verbiesternden – Gedenk-Abends kunstvoll und künstlerisch bemerkenswert zu erzeugen. Bravo!

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