Lesung „Arbeit.Macht.Sinn“ der KAB
„Ein Mensch mit gesenktem Blick und flinken Fingern“

Ochtrup -

„Erleben bedeutet mehr, als auf einen Bildschirm zu schauen.“ Mit dieser Aussage fasste Ortrud Harhues das Ergebnis eines Abends zusammen, den sie jetzt gemeinsam mit Johannes Hoppe in der Lamberti-Büchereri als Lesung zum Thema „Arbeit.Macht.Sinn“ gestaltete.

Dienstag, 12.11.2019, 11:00 Uhr
Die Leiterin des KAB-Bildungswerkes, Ortrud Harhues, und Journalist Johannes Hoppe referierten bei der jüngsten Veranstaltung der Ochtruper KAB
Die Leiterin des KAB-Bildungswerkes, Ortrud Harhues, und Journalist Johannes Hoppe referierten bei der jüngsten Veranstaltung der Ochtruper KAB Foto: Norbert Hoppe

Die KAB St. Paulus hatte die Leiterin des KAB-Bildungswerkes und den Journalisten eingeladen, mit Texten und Visionen die Digitalisierung der Arbeit und des gesellschaftlichen Lebens unter die Lupe zu nehmen.

„Herzlich willkommen in der digitalen Welt“, begrüßte Harhues die Anwesenden, nachdem sie festgestellt hatte, dass fast alle regelmäßig ein Navi im Auto, ein Smartphone oder eine Digitalkamera benutzten. Wie ein solches Verhalten in Zukunft aussehen könnte, beschrieb Johannes Hoppe in einer Geschichte, in der eine Drohne ein Paket ins Haus liefert, ohne dass etwas bestellt wurde. „Das Internet weiß um deine bewussten und unbewussten Wünsche“, so hieß es dort. So könne die künstliche Intelligenz Macht über die Menschen gewinnen, weil sie ihnen das selbstständige Denken abnähme. Aus lauter Bequemlichkeit begebe sich der Mensch in eine Überwachbarkeit, bei der vor allem die Sozialen Medien alle verfügbaren Daten sammelten und auswerteten.

Auch die Automatisierung und Rationalisierung der Arbeit habe bedenkliche Auswirkungen angenommen, unterstrichen die beiden Referenten in ihren Beiträgen. Arbeit werde möglicherweise ganz abgeschafft oder zumindest beschleunigt. Arbeitnehmer, wie Personen im Paketzustelldienst, müssten unter großem Druck viel, aber für wenig Lohn arbeiten. Da stelle sich die Frage, wie der erwirtschaftete Mehrwert gerecht verteilt werde, war ein Thema der lebhaften Diskussion.

Die KAB, so Ortrud Harhues, setze sich bei der Umverteilung der Gewinne für ein bedingungsloses Grundeinkommen ein. In dieser Tätigkeitsgesellschaft werde die Arbeit nicht überflüssig, aber anderes trete in den Vordergrund. „In der Pflege und im Gesundheitswesen, in der Familienarbeit und im ehrenamtlichen Engagement gibt es viele sinnvolle Aufgabenfelder“, betonte Harhues.

Mit einem modernen Psalm schloss die Lesung. In einem Brief an das „liebe Internet“ beschrieb die Schauspielerin Bibiana Beglau, wie schwer es sei, sich der Faszination des Internets zu entziehen. „Ich bin ein Mensch mit gesenktem Blick und flinken Fingern“, lautete die schon fast resignierende Feststellung der Autorin am Ende ihres Textes.

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