Zwei Austauschlehrerinnen an der Lambertischule
Veränderungen brauchen Zeit

Ochtrup -

Anregungen aus dem deutschen Schulsystem nehmen Tahmina Olimova und Elena Uryumtseva sicherlich einige mit in ihre Heimatländer Tadschikistan und Kasachstan. Aber die beiden Austausch-Lehrerinnen an der Lamberti-Grundschule wissen: „Veränderungen brauchen Zeit.“

Dienstag, 12.11.2019, 06:00 Uhr
Tahmina Olimova (r.) und Elena Uryumtseva (l.) begleiten Marlies Lütkehermölle, Leiterin der Lamberti-Schule, in den Unterricht. Im Gespräch mit den Kindern erzählen die beiden Frauen mehr über das Schulsystem in ihren Heimatländern. Zahlreiche Notizen (r. Foto) zum Unterrichtsablauf haben die Gäste bereits gemacht.
Tahmina Olimova (r.) und Elena Uryumtseva (l.) begleiten Marlies Lütkehermölle, Leiterin der Lamberti-Schule, in den Unterricht. Im Gespräch mit den Kindern erzählen die beiden Frauen mehr über das Schulsystem in ihren Heimatländern. Zahlreiche Notizen (r. Foto) zum Unterrichtsablauf haben die Gäste bereits gemacht. Foto: Susanne Menzel

„Nicht alle Änderungen sind gerne gesehen. Manche brauchen auch etwas Zeit.“ Tahmina Olimova und Elena Uryumtseva blicken sich an und lächeln. Die beiden Frauen aus Tadschikistan und Kasachstan sind seit einer Woche als Austauschlehrerinnen an der Lambertischule zu Gast. Sie wollen sich über das deutsche Schulsystem informieren und „manche Dinge davon demnächst auch bei uns im Unterricht einfließen lassen“, versichern sie.

Zum siebten Mal beteiligt sich die katholische Grundschule an dem Angebot des Kultusministeriums. „Eigentlich ist dabei vorgesehen, dass jeweils ein Pädagoge zugewiesen wird. Durch ein Versehen waren es in diesem Jahr zwei“, schmunzelt Direktorin Marlies Lütkehermölle , die den Gästen stets Kost und Logis während ihres Aufenthaltes anbietet.

Es spielt bei Tahmina Olimova und Elena Uryumtseva sogar noch ein ungewöhnlicher Zufall mit: „Wir haben uns vor drei Jahren bei einem Weiterbildungsjahr in Bonn kennengelernt“, erzählen die 32-Jährigen, die in ihren Heimatländern den Deutschunterricht an ihren Schulen anbieten. „Dass wir nun wieder gleichzeitig in Deutschland sind, war weder geplant noch abgesprochen, sondern für uns eine große Überraschung.“

Nun hospitieren sie in den Klassen eins bis vier, nehmen zahlreiche Eindrücke auf – und gerne mit zurück nach Hause. „Dass es hier verschiedene Dienste gibt – vom Bank- bis zum Tafeleinsatz – ist bei uns nicht üblich“, berichtet Tahmina Olimova. „Auch nicht, dass alles in Ruhe besprochen wird. In den tadschikischen Schulen geht es immer schnell, schnell.“ Positiv aufgefallen ist ihr ebenso der morgendliche Sitzkreis, in dem sich Kinder und Lehrer begrüßen und einander wichtige Dinge erzählen. „Anschließend wird von einer Art Kalender eine Frage abgerissen und über die in der Folge ausgiebig diskutiert, bevor der eigentliche Unterricht startet“, haben die Frauen in ihren Notizbüchern vermerkt.

Letztere sind übrigens schon gut gefüllt. Seite für Seite stehen da Stichworte zu Methodik und Didaktik eng auf Deutsch und Russisch vermerkt. „Wenn wir in zwei Wochen wieder heimwärts fahren, werden wir in kleinen Seminaren dem Kollegium berichten“, so die Frauen. Beispielsweise auch darüber, dass „hier schon die Jüngsten dazu ermuntert werden, ihre eigene Meinung zu äußern. Sie werden von den Lehrern darin bestärkt, dass diese wichtig ist und gehört wird.“

Ein weiterer Aspekt ist das Fächerangebot. „Religion gibt es bei uns an der Schule nicht. Das finde ich schade. Hier kommt sogar der Pastor in die Einrichtung und hält Gottesdienste ab“, hebt Elena Uryumtseva hervor. Voll des Lobes sind beiden Pädagoginnen zudem darüber, „wie kollegial Schulleitung und Lehrerkollegium miteinander umgehen. Marlies Lütkehermölle hat stets die Türen für alle geöffnet. Da herrscht in Tadschikistan wie auch in Kasachstan mehr Distanz.“

Natürlich gehört zu einem Austausch noch ein wenig mehr als nur der berufliche Blick. Das Kultur- und Freizeitprogramm sah in den vergangenen Tagen schon den Besuch des karnevalistischen Frühschoppens, der „mahnenden Revue“ oder der Stadt Münster vor. „Und die besten Döner der Stadt kennen wir jetzt auch“, lachen die Gäste.

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Übrigens ist der Austausch an der Lambertischule nicht nur einseitig. Pädagogin Anne Koers hat in diesen Tagen die Zusage erhalten, dass sie noch vor Karneval zu einem dreiwöchigen Aufenthalt nach London fahren kann.

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