Ochtrup einst und heute
Seine Oma wollte, dass er Priester wird

Ochtrup -

Dr. Johannes Kleine-Rüschkamp war Arzt aus Leidenschaft und ein Langenhorster mit Herz. Nach dem Zweiten Weltkrieg eröffnete er die erste Arztpraxis in dem Ochtruper Ortsteil. Wie er war und, was ihn im Ort bei den Menschen so beliebt hat, berichtet seine Tochter Hildegard Schulze Elshoff im Rahmen der WN-Serie „Ochtrup einst und heute“.

Samstag, 16.11.2019, 06:00 Uhr
Dr. Johannes Kleine-Rüschkamp war Arzt aus Leidenschaft und ein Langenhorster Original.
Dr. Johannes Kleine-Rüschkamp war Arzt aus Leidenschaft und ein Langenhorster Original. Foto: Privatarchiv Familie Kleine-Rüschkam

Seine Oma hätte sich gewünscht, dass er Priester wird, doch Johannes Kleine-Rüschkamp studierte Medizin. Er war der erste Arzt, der in Langenhorst nach dem Zweiten Weltkrieg eine Praxis eröffnete. Ein sehr beliebter Arzt übrigens, wie sich seine älteste Tochter Hildegard Schulze Elshoff erinnert. „Seine Patienten standen für ihn immer an erster Stelle, Tag und Nacht ist er für sie dagewesen.“

Viele Langenhorster erinnern sich noch an ihn. Er war ein Arzt, der es mit seiner ruhigen Art perfekt verstand, seinen Patienten die Angst zu nehmen – sowohl die vor der Behandlung als auch die Sorge vor einer ernsten Erkrankung“, erzählt seine Tochter. Außerdem habe er immer den gesamten Menschen gesehen und neben der Schulmedizin auch auf Naturheilverfahren gesetzt.

Seine erste Praxis hatte Dr. Johannes Kleine-Rüschkamp im Haus seiner Großmutter (vorderer Gebäudeteil). Im zweiten kleineren Gebäude, dem ehemaligen Schulhaus, war die zweite Praxis untergebracht.

Seine erste Praxis hatte Dr. Johannes Kleine-Rüschkamp im Haus seiner Großmutter (vorderer Gebäudeteil). Im zweiten kleineren Gebäude, dem ehemaligen Schulhaus, war die zweite Praxis untergebracht. Foto: Privatarchiv Familie Kleine-Rüschkamp

Johannes Kleine-Rüschkamp, der selbst immer nur Hans genannt werden wollte, wurde am 30. Juli 1920 in Langenhorst geboren. Sein Vater Josef Kleine-Rüschkamp war Lehrer. Fleißig sei ihr Vater in der Schule gewesen – das hat seine Tochter in den Unterlagen im umfangreichen Nachlass ihres Vaters entdeckt. „Zeugnisse, Rechnungen, Bilder und sonstige Belege sind alle noch da – er konnte partout nichts wegwerfen“, sagt Schulze Elshoff mit einem Augenwinkern. Selbst das Telegramm, mit dem Josef Kleine-Rüschkamp seine Eltern über die Geburt ihres Enkels informierte, ist noch vorhanden.

1938 legte Johannes Kleine-Rüschkamp am Arnoldinum in Burgsteinfurt sein Abitur ab. Danach studierte er Medizin in Münster, Hamburg, München und Göttingen. Sein Physikum bestand er im Jahr 1940. „Mein Vater war an vielen medizinischen Themen sehr interessiert“, berichtet Schulze Elshoff. Praktikumsnachweise in den Bereichen Radiologie, Chirurgie – „geschnibbelt hat mein Vater immer gerne “ – und Gynäkologie sind in seinem Studienbuch zu finden. Trotz des Krieges zog der Langenhorster sein Studium durch und schrieb seine Dissertation zum Thema Epiphysentumore, die mit „sehr gut“ bewertet wurde. Ab 1944 durfte er den Titel „Doktor“ führen. Während des Krieges arbeitete der Arzt unter anderem in Lazaretten.

Im umfangreichen Nachlass ihres

Im umfangreichen Nachlass ihres Foto: Privatarchiv Kleine-Rüschkam

ln Göttingen lernte Kleine-Rüscbkamp seine spätere Frau Marilies kennen, die ebenfalls Medizin studierte. „Eine Frau, die ganz anders war als mein Vater, die ihm aber immer zur Seite stand“, beschreibt Schulze Elshoff ihre Mutter. „Als Verlobte reiste sie in Rot-Kreuz-Tracht für meinen Vater nach Norddeutschland, um ihm 1945 in der Wingst zu helfen, aus britischer Gefangenschaft in die amerikanische zu fliehen. Mein Vater hatte gehört, dass Amerikaner ihre Gefangenen schneller freilassen.“

Seine Verlobte kümmerte sich derweil um die Verletzten in der britischen Zone. In der amerikanischen Gefangenschaft erhielt der Arzt kurz drauf die „Go-Home-Erlaubnis“ und durfte nach Langenhorst zurückkehren. Seine Verlobte sei kurz darauf ebenfalls freigelassen worden. 1947 fand die Hochzeit statt.

In Langenhorst arbeitete Johannes Kleine-Rüschkamp zunächst in der Einrichtung für Gehörlose und im Erholungsheim für lungenkranke Kinder. Seine Oma, Änny Kleine-Rüschkamp, geborene Schepers, die sich so gewünscht hatte, dass ihr Lieblingsenkel Priester wird, unterstützte den jungen Arzt. Sie ermöglichte ihm, in ihrem Haus mit einer Bäckerei, einer Wirtschaft und einer Poststelle in zwei Zimmern seine erste Praxis einzurichten. 1954 überließ sie ihrem Enkel dann im ehemaligen Schulhaus nebenan die erste Etage für eine größere Praxis. Die Rechnung für die Umbaukosten hat Schulze Elshoff ebenfalls im Nachlass entdeckt. Weil auch diese Praxis schnell zu klein wurde, schenkte „Tante Änny“, wie die im Ort sehr beliebte Großmutter von Dr. Johannes Kleine-Rüschkamp von fast allen liebevoll genannt wurde, dem Mediziner ein größeres Grundstück am Schürkamp, wo er Wohnhaus und Praxisräume bauen und fortan mit seiner Familie leben konnte.

„Für uns war das nicht immer leicht“, erinnert sich die Tochter. „Auch nachts wurde mein Vater herausgeklingelt und die ganze Familie war wach.“ Den Arztkoffer, der immer griffbereit an der Haustür stand, hätten die Helferinnen immer fertig gepackt dorthin stellen müssen, erzählt die Tochter.

Ab 1972 half auch Marilies Kleine-Rüschkamp in der Praxis, aber nie als niedergelassene Ärztin. Später kümmerte sie sich an der Berufsschule um die Ausbildung von Arzthelferinnen.

Anfang der 1990er Jahre hörte Johannes Kleine-Rüschkamp mit der Arbeit auf. Die Nachfolge war durch seinen Sohn Winfried, der dort heute noch praktiziert, geregelt. Die dritte Generation stehe ebenfalls schon in den Startlöchern, berichtet Schulze Elshoff, die es freut, dass das Erbe ihres Vaters in dessen Sinne fortgesetzt wird. Johannes Kleine-Rüschkamp starb 2005, kurz vor seinem 85. Geburtstag.

Johannes und Marilies Kleine-Rüschkamp.

Johannes und Marilies Kleine-Rüschkamp. Foto: Privatarchiv Kleine-Rüschkam

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