Vier Unternehmen als „Wegbereiter“ ausgezeichnet
„Er kam – und ging nicht wieder“

Ochtrup -

Johanna Eining, Laura Heinze und Florian Schmitz haben, so scheint es, ihre Traumausbildung gefunden. Während die drei Ochtruper in der Praxis richtig gut sind, brauchen sind in der Theorie ein bisschen Unterstützung. Und die gibt es vom Verein „Lernen fördern“, der jetzt ihre Ausbildungsbetriebe auszeichnete.

Mittwoch, 27.11.2019, 06:00 Uhr
Sie freuen sich über die „Wegbereiter 2020-2021“-Urkunde: (v.l.) Franz Ten Barge (Fietsen Arends) mit Azubi Florian Schmitz, Malermeister Stefan Althoff mit der Auszubildenden Laura Heinze sowie Regina Stohldreier (Tagespflege „Vita“) mit Johanna Eining.
Sie freuen sich über die „Wegbereiter 2020-2021“-Urkunde: (v.l.) Franz Ten Barge (Fietsen Arends) mit Azubi Florian Schmitz, Malermeister Stefan Althoff mit der Auszubildenden Laura Heinze sowie Regina Stohldreier (Tagespflege „Vita“) mit Johanna Eining. Foto: Susanne Menzel

„Er kam – und ging nicht mehr weg. Er hat sich unentbehrlich gemacht. Was blieb uns anderes übrig, als ihn einzustellen?“ Franz Ten Barge von Fietsen Arends grinst verschmitzt. Der Niederländer wirft einen aufmunternden Blick auf den jungen Mann, der neben ihm sitzt. Florian Schmitz scheint kleine Kabbeleien dieser Art zu kennen. Auch er lächelt. Die Chemie zwischen den beiden stimmt. Für den Verein „Lernen fördern“ mit einer der Gründe, den Arbeitgeber mit dem Siegel „Wegbereiter 2020-2021“ auszuzeichnen.

Für Florian Schmitz kam beruflich eigentlich nie etwas anderes in Frage, als an Fahrrädern herumzuschrauben. „Wobei er sich nicht an normale Leezen begibt“, stellt Ten Barge aber sofort klar. „Sein Metier sind einzig und allein die E-Bikes.“ Das Faible für die Zweiräder habe er durch den Opa, erzählt der 19-Jährige. Und so stand Fahrradmonteur ganz oben auf der Wunschliste zur Berufswahl. Schulisch allerdings konnte er lange Zeit nicht so punkten wie bei seinem praktischen Einsatz. Die Rechtschreibung fällt ihm schwer. Mit Unterstützung von „Lernen fördern“ und eines Praktikums, das er sogar über den festgelegten Zeitraum hinweg ausdehnte, klappte es mit dem Ausbildungsplatz. Und nicht nur das: „Wir sind im Team sehr stolz auf ihn. Er ist eine wertvolle Ergänzung. Und das hat er sich selber erarbeitet“, zeigt Franz Ten Barge seinen Stolz auf den Lehrling ganz offen.

Dass Florian Schmitz sich bei Fietsen Arends gut aufgehoben fühlt, merkt man nicht nur daran, dass er sich in der Praxis über die Maßen hinaus engagiert. Auch die Theorie geht ihm immer besser von der Hand. Die Zwischenprüfung schaffte er mit einer glatten Zwei. „Er macht sich so gut, dass er die Ausbildung vermutlich nach zwei statt nach drei Jahren beenden kann“, ist Franz Ten Barge ganz optimistisch.

Erfolgsgeschichten bei der Zertifizierung zum „Wegbereiter“ schreiben aber noch drei weitere Töpferstädter Arbeitgeber. Neben dem Materiallager der Bundeswehr sind das die Tagespflege „Vita“ und der Malermeister-Betrieb Stefan Althoff . „Es ist nicht nur in Zeiten des Fachkräftemangels wichtig, über den Tellerrand hinaus zu schauen und jungen Menschen eine Chance zu geben, deren Lebensweg vielleicht nicht ganz so gerade und geschmeidig verläuft“, sind sich Regina Stohldreier (Tagespflege) und Stefan Althoff einig. „Es ist eine Herausforderung, aber eine positive“, so ihr Credo.

Johanna Eining hat sich ebenfalls über ein Praktikum bei der Tagespflege „Vita“ das Vertrauen ihrer Chefin Regina Stohldreier erarbeitet. „Wir haben in diesen acht Wochen gemerkt, dass sie für den Beruf sehr geeignet ist. Die Praxis macht ihr viel Spaß, sie ist sehr engagiert. In der Theorie benötigt Johanna etwas Unterstützung“, fasst Stohldreier zusammen. Das Lernen, so führt die 20-Jährige Auszubildende aus, bereitet ihr aufgrund einer Lese-Rechtschreibschwäche Probleme. „Hier bekomme ich durch den Verein ‚Lernen fördern‘ Nachhilfe. In einer kleinen Gruppe unterstützen wir uns gegenseitig“, so ihre Erfahrungen. Die Tagespflege hat mit Johann den ersten – aber vermutlich nicht den letzten – Lehrling eingestellt. „Wir schauen, ob wir im kommenden Jahr eine weitere Auszubildende einstellen“, sagt Regina Stohldreier.

„Der Malerberuf ist voll mein Ding“, bekräftigt die Dritte im Bunde, Laura Heinze. Die 24-Jährige ist eine von zwei Auszubildenden von Malermeister Stefan Althoff. Sie hatte zuvor Praktika in einer Tischlerei sowie bei einem Maler in Metelen gemacht, „bevor ist bei Stefan gelandet bin.“ Hier, so sagt sie, fühle sie sich voll akzeptiert und unterstützt. Eine Lese- und Rechtschreibschwäche erschwert der jungen Frau den theoretischen Part. „Allerdings helfen wir uns im Betrieb gegenseitig.“ Stefan Althoff hat sich bewusst für Laura Heinze entschieden: „Hätten wir sie nicht genommen, hätte sie bei ‚Lernen fördern‘ ihre Ausbildung gemacht und wäre damit sicherlich unterfordert gewesen. Hier bekommt sie das volle Programm geboten. Und das war der Schub, den sie nicht zuletzt im Hinblick auf ihr Alter auch gebrauchte.“ Der Frust, auf 22 Bewerbungen nur eine einzige Reaktion erhalten zu haben, ist bei der 24-Jährigen vergessen. Sie blickt optimistisch in die Zukunft – vor allem in die nahe. Im Frühjahr steht die Zwischenprüfung an. „Und die will ich gut bestehen“, mangelt es Laura nicht an Motivation.

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