Musikkabarett bei den Kulturtagen
Ein recht sonderbares Vergnügen

Ochtrup -

Das war ein kluger und klug gemachter Kleinkunstabend am Dienstag in der Villa Winkel, als es bei den Ochtruper Kulturtagen um den österreichisch-jüdischen Kabarettisten und Komponisten Georg Kreisler ging.

Donnerstag, 28.11.2019, 07:00 Uhr
Markus von Hagen gastierte am Dienstagabend zusammen mit Philipp Ritter im Rahmen der Ochtruper Kulturtage in der Villa Winkel.
Markus von Hagen gastierte am Dienstagabend zusammen mit Philipp Ritter im Rahmen der Ochtruper Kulturtage in der Villa Winkel. Foto: Martin Fahlbusch

In seiner Anmoderation hatte Dr. Guido Dahl von „einem Edelmann und einem Ritter “ gesprochen, die sich an diesem Abend der schillernden Figur des schwarzen und surrealen Humors widmen wollten. Er kündigte Markus von Hagen als Chansonnier und Erzähler sowie seinen Klavierbegleiter Philip Ritter an, und wünschte dem leider recht überschaubaren Publikum ein außerordentliches, aber nichtsdestoweniger sonderbares Vergnügen.

Diesem Wunsch entsprachen die beiden Künstler allemal. Und das nicht nur, weil sie sofort mit Georg Kreislers vermeintlicher Erkennungsmelodie und seinem Marken-Song „Gemma Tauberln vergiften in’n Park“ begannen. Jetzt einmal abgesehen von der biologisch vertrackten Aufgabe, einen Doppelkropf-Fresser gekonnt in die ewigen Jagdgründe abfliegen zu lassen, verwunderte sofort der leicht schmierige Schmäh´ in der glibberigen Harmonie von „Wienna-Text“ und offensichtlich beschwingter Walzermusik. Merke: Hier wird in der wohligen Zweisamkeit in lauschiger Park- und Lauben-Atmosphäre der mehrfach finale Tierversuch expliziert. Da muss es den Zuhörern doch eigentlich schwarz vor Augen werden.

Markus von Hagen strampelte sich bei seinem Vortag an diesem Abend nicht einfach als Kreisler-Cover-Chansonnier ab, sondern fand stets eine eigene Note bei den oft eben auch surrealen Couplets, die fein von Philip Ritter am Klavier unterstützt wurden.

Den beiden war es wichtig, den Zuhörern das Leben und das sich daraus ergebende Werk dieses besonderen Sängers und Komponisten mit jüdischem Hintergrund, mehrfacher Flucht und Kriegserfahrung sowie amerikanischer Staatsbürgerschaft sozusagen vielschichtig vorzuführen.

Wie aktuell die Lieder des 1922 geborenen Wiener Meisters sind, ist in seinen drastischen Beschreibungen von Gaffer-Manieren oder Menschenausgrenzungen – nie mit dem Holzhammer, aber stets mit scharfer und mitunter verletzender Klinge – zu erkennen. Also war es keine Überraschung, dass Georg Kreisler immer wieder – egal in welchem Land und zu welcher Zeit – verboten und zensiert wurde, wo er doch eigentlich nur Wirklichkeiten beschreiben wollte – aber allemal überdeutlich und mit durchaus politischen Hintergedanken.

In dem mit Akribie von Markus Hagen vorbereitem und höchst informativen Programm kamen auch die biografischen „Irrungen und Wirrungen“ (Berufe, Ehen, Heimatländer, musikalisches Schaffen und so weiter) nicht zu kurz und man erfuhr, dass es auch unter assimilierten Juden so etwas wie Antisemitismus (beispielsweise gegen die Ostjuden) gab.

Mitunter schrullig, aber stets kenntnisreich und mit einer bemerkenswert passenden Lied-Auswahl, bei der auch der arme Triangelspieler im Orchester – wie sonst eigentlich immer – nicht zu kurz kam, entwarfen die beiden Künstler mit Anekdoten und gesellschaftlichen sowie privaten Zusammenhängen ein wirklich überzeugendes Gesamtbild des am 22. November 2011 in Salzburg gestorbenen Vielfachtalents, das noch bis ins hohe Alter auftrat.

Insgesamt gelang es Markus von Hagen und Philip Ritter, eine interessante Hommage auf Georg Kreisler abzuliefern, ohne sich zu sehr in den Vordergrund zu spielen, aber dennoch künstlerisch zu überzeugen. Und ganz im Sinne ihres geistig-musikalischen Vorbild-Verwandten präsentierten sie als Zugabe ein Wanderlied – in dem Georg Kreisler aber die Wanderniere durch den Körper laufen lässt . . .

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