Ochtruper Kulturtage
Lebendige Begegnung mit dem Tod

Ochtrup -

Die Begegnung mit dem Tod - Ein sensibles Thema, das zum Ende der Ochtruper Kulturtage vom Pantomimen Christoph Gilsbach aufgegriffen wurde. Ganz ohne Worte und doch sehr beredt brachte er seine Gedanken auf der Bühne zum Ausdruck.

Samstag, 30.11.2019, 06:00 Uhr
Ohne Worte und doch sehr beredt thematisierte Pantomime Christoph Gilsbach das Geschehen.
Ohne Worte und doch sehr beredt thematisierte Pantomime Christoph Gilsbach das Geschehen. Foto: Irmgard Tappe

Eine gesichtslose Gestalt, eingehüllt in ein graues Gewand, sitzt regungslos in einem Korbsessel. Sie symbolisiert den Tod, um den dieser lautlose und zugleich beeindruckende Abend im Forum der Bücherei kreist. Aber auch um das Leben, denn Leben und Tod gehören ja zusammen. Die Besucher sind gespannt, was sie am diesem Donnerstag zum Ausklang der Ochtruper Kulturtage erwartet in der Pantomime-Aufführung „Das Leben – eine lebendige Begegnung mit dem Tod.“

Ist es überhaupt möglich, den Zuschauern ein so berührendes Thema durch ein Mimenspiel näher zu bringen? „Pantomime ist eine alte und doch so neue Ausdrucksform. Ohne Sprache thematisiert sie die Welt. Ganz ohne Worte und doch so beredt“, kündigt Dr. Guido Dahl den Pantomimen Christoph Gilsbach an, der auf Einladung des Kulturforums und des Hospizvereins in Ochtrup gastiert.

Durch seine Arbeit als Klinikclown wird der Münsteraner auch mit Krankheit und Tod konfrontiert. Diese Erfahrungen inspirierten ihn zu seinem Theaterstück, in dem er verschiedene Lebensphasen zwischen Geburt und Tod in neun Szenen mimisch umsetzt. Da ist die „Kindheit“ – unbeschwert und ohne Gedanken an das Sterben. Das Kind ermutigt den Tod sogar, mit ihm zu spielen. Aber der winkt ab. In der nächsten Szene stehen „Jugend und Schönheit“ im Mittelpunkt. Gilsbach drückt das durch Koketterie vor dem Spiegel aus. Wer denkt da schon an den Tod. Dann der „Held“, der in Kriegen kämpft und sogar versucht, den Tod zu besiegen. Er muss aber feststellen, dass der Tod unsterblich ist.

In den Köpfen der Menschen „auf dem Höhepunkt des Erfolges“ hat der Gedanke an den Tod ebenfalls keinen Platz. Viel zu sehr sind sie mit sich selbst und ihrer Karriere beschäftigt. Anweisungen geben, stets erreichbar sein. Auch für den Tod? In der nächsten Szene das Gegenteil. „Ein Mensch am Rande der Gesellschaft“. Er sucht in Mülltonnen nach Essbarem und raucht eine Zigarette, die er auf der Straße findet. Dann entdeckt er den Tod, geht auf ihn zu und redet mit ihm. Seine Körpersprache sagt: „Du und ich, wir gehören zusammen.“ Aber der Tod lässt nicht mit sich verhandeln. Er will ihn noch nicht.

Der Pantomime verschwindet hinter der Wand und kommt als jemand zurück, der sich „an den Alltag klammert“. Und an das Leben. Sehr berührend dann die Szene „Abschied und Loslassen“. Hier spürt man den Tod hautnah. Mit dramatischer Mimik „erzählt“ Gilsbach die ergreifende Geschichte einer Mutter. Sie fleht den Tod an, ihr Kind nicht zu nehmen und muss es ihm schließlich doch übergeben. Zwischen den einzelnen Szenen erklingt einfühlsame Musik, so dass die Zuschauer Zeit haben, das Gesehene zu reflektieren. In der Rolle eines „Narren“ tritt Gilsbach dem Tod mit beschwingter Heiterkeit gegenüber und legt mit ihm einen Totentanz aufs Bühnenparkett. Dann die letzte Szene „Akzeptanz und Weisheit“. Ein Wanderer am Ende seines Lebensweges betritt die Bühne. Er setzt sich zum Tod wie zu einem Freund und blickt auf ein erfülltes Leben zurück. In seinem Gesicht spiegelt sich Zufriedenheit und Gelassenheit. Für ihn hat der Tod seinen Schrecken verloren. Es regnet bunte Schmetterlinge und Louis Armstrong singt „What a wonderful day“.

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