Interview mit dem Nikolaus
Gott sei Dank habe ich fleißige Helfer

Ochtrup -

Er hat reichlich zu tun in diesen Tagen, der echte Nikolaus aus Langenhorst. Dennoch nahm er sich kurz Zeit für ein kleines Interview mit dieser Zeitung.

Donnerstag, 05.12.2019, 07:00 Uhr aktualisiert: 05.12.2019, 12:24 Uhr
Der echte Nikolaus aus Langenhorst ist gerade viel unterwegs. Der echte Nikolaus aus Langenhorst ist gerade viel unterwegs.
Der echte Nikolaus aus Langenhorst ist gerade viel unterwegs. Der echte Nikolaus aus Langenhorst ist gerade viel unterwegs. Foto: Irmgard Tappe

Die Rolle ist ihm auf den Leib geschnitten. Eine ruhige, besonnene Stimme, langsame Schritte – so stellt man sich den Heiligen Nikolaus vor, den Josef Stegemann Jahr um Jahr verkörpert. Seit circa 50 Jahren schlüpft der inzwischen pensionierte Lehrer an den Tagen um den 6. Dezember in sein rotes Gewand. So ist er auch jetzt wieder rund um die Uhr beschäftigt. Dennoch hatten wir Glück, den Nikolaus in einer freien Stunde zu erwischen.

Schön, lieber Nikolaus, dass du dir trotz deines vollen Terminkalenders die Zeit für ein Gespräch nimmst. Morgen, am 6. Dezember, machst du dich ja bekanntlich auf den Weg zu den Kindern. Da steckst du jetzt wahrscheinlich mitten in den Vorbereitungen, oder?

Nikolaus: „Ja natürlich. Mein Gewand muss gebügelt und gereinigt und meine Schuhe geputzt werden. Aber damit habe ich einen Engel beauftragt. Und dann müssen die Geschenke für die Kinder zusammengepackt werden. Gott sei Dank habe ich auch da fleißige Helfer, die mich unterstützen.“

Welche offiziellen Besuche stehen denn in den nächsten Tagen an?

Nikolaus: „Ich werde in einige Kindergärten gehen, aber auch zur Langenhorster Seniorengemeinschaft und zur Ehrenabteilung der Feuerwehr . Der Höhepunkt aber ist die große Nikolausfeier, die der Löschzug Langenhorst Jahr für Jahr organisiert.“

Vor langer, langer Zeit gingst du in der Nacht zum 6. Dezember von Haus zu Haus und stecktest den braven Kindern Äpfel, Nuss und Mandelkern in ihre blank geputzten Schuhe. Jetzt kommst du auch am Tage zu den Menschen. Seit wann ist das so?

Nikolaus: „Nachdem ich einige Jahre die Kinder an meiner früheren Wirkungsstätte Oeding besucht hatte, zog es mich nach Langenhorst. Vor 44 Jahren organisierten die Feuerwehrleute vom dortigen Löschzug eine Nikolausfeier für die Kameraden sowie deren Familien. Dazu luden sie mich ebenfalls ein. Das Ganze war im kleinen Rahmen in einem Nebengebäude des Kindergartens Sankt Michael. Das Gebäude wurde mittlerweile abgerissen.“

Aber die Nikolausfeier ist geblieben?

Nikolaus: „Ja. Sie findet seitdem in der Vechtehalle statt und ist inzwischen ein Fest für alle Familien aus dem Ort. Sogar Leute, die in eine andere Stadt gezogen sind, kommen noch gern mit ihren Kindern zu diesem Ereignis. Es ist wunderbar, was die Feuerwehrleute in mühevoller Vorbereitung auf die Beine stellen. Das verdient Lob. Ich habe es auch schon in meinem goldenen Buch vermerkt.“

Warum bringst du denn den Knecht Ruprecht mit in die Vechtehalle? Ich könnte mir vorstellen, dass die Kleinsten Angst bekommen, wenn sie die schwarze Gestalt sehen.

Nikolaus: „Er hilft mir, die Geschenke zu verteilen. Das würde ich ohne ihn überhaupt nicht schaffen. Aber ich erkläre den Kindern, dass Knecht Ruprecht ein lieber Mensch ist, auch wenn er nicht so aussieht. Fürchten muss sich niemand vor ihm. “

Erinnerst du dich noch an deinen ersten öffentlichen Auftritt in dieser Gegend?

Nikolaus: „Da ist mir eine Begegnung besonders im Gedächtnis geblieben. Als ich mich nach meinem Nikolausbesuch auf den Heimweg machte, sprach mich der damalige Langenhorster Pastor Brockmöller an. ‚Schön, dass du in dieses Dorf kommst. Aber ein Nikolaus sollte doch nicht so alte Klamotten tragen, wenn er zu den Menschen geht. Ich besorge dir was Neues‘, meinte er. Zugegeben, mein Gewand war nicht mehr besonders schön. Pastor Brockmöller ging mit mir in die Sakristei und schenkte mir dieses rote Gewand, das ich seitdem immer dann trage, wenn ich auf die Erde komme.“

Einige Leute verwechseln dich ja mit dem Weihnachtsmann. Ärgert Dich das?

Nikolaus: „Mich ärgern die Gestalten, die in roten Kapuzengewändern den Nikolaus kopieren wollen. So wie in den Kaufhäusern der Großstädte. Wer aber glaubt, das sei der Nikolaus, der kennt seine Legende nicht. Darin heißt es, dass Nikolaus als Kind einer reichen Kaufmannsfamilie aufwuchs. Seine Eltern unterstützen die Armen und Nikolaus, der später Bischof von Myra wurde, folgte ihrem Beispiel. Er verschenkte sein Erbe an Arme und Bedürftige. Ich erzähle den Menschen immer wieder gern diese Geschichte. Den Kindern in Kurzfassung und den Senioren ausführlicher.“

Freuen sich denn auch die Senioren trotz ihres fortgeschrittenen Alters noch über deinen Besuch?

Nikolaus: „Ich bin immer wieder erstaunt über die Ehrfurcht der Senioren. Komme ich zur Tür herein, ist es mucksmäuschenstill im Johanneshaus. Mich macht es glücklich, dass ich sowohl den Kindern als auch den Erwachsenen mit meinem Besuch eine Freude mache. So, jetzt wird es aber Zeit, dass ich wieder an meine Arbeit gehe. Ich möchte mir noch die Notizen in meinem Goldenen Buch durchlesen.“

Lebe wohl, lieber Nikolaus. Und Danke für das Gespräch.

Nikolaus: „Lebe wohl. Ich wünsche allen Menschen eine friedliche Advents- und Weihnachtszeit.“

Zum Thema

Am Samstag (7. Dezember) findet der Nikolaus­empfang in der Vechtehalle statt. Die Organisation übernimmt wie immer der Löschzug Langenhorst der Freiwilligen Feuerwehr. Los geht es um 15.30 Uhr, kurz darauf wird St. Nikolaus erwartet. Für Kinder, die der heilige Mann beschenken soll, können noch bis Freitag (6. Dezember) in der Bäckerei Bäumer Karten zum Preis von je vier Euro erworben werden.

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