Platzmangel in der Musikschule
„Da scheppern Ihnen die Ohren weg“

Ochtrup -

In der Musikschule herrscht Platzmangel. Aktuell wird der Unterricht an 17 Standorten in 28 Räumen erteilt. Die Dozenten müssen mitunter mehrmals täglich ihren Arbeitsstätten wechseln. Musikschulleiter Andreas Hermjakob möchte dieses Problem angehen. Er bekommt nun Unterstützung aus der Politik. Sowohl die CDU als auch die FWO haben Anträge gestellt, künftig das ehemalige Uponor-Verwaltungsgebäude unter anderem als Musikschule zu nutzen. So könnte auch die Stadtkapelle dort eine neue Heimat finden.

Mittwoch, 11.12.2019, 06:00 Uhr aktualisiert: 11.12.2019, 09:38 Uhr
Der Raum über dem Foyer der Stadthalle wird seit Kurzem von der Musikschule genutzt. Kapazitäten dieser Art hätte Musikschulleiter Andreas Hermjakob gerne mehr. Denn die Bildungseinrichtung leidet unter akutem Platzmangel.
Der Raum über dem Foyer der Stadthalle wird seit Kurzem von der Musikschule genutzt. Kapazitäten dieser Art hätte Musikschulleiter Andreas Hermjakob gerne mehr. Denn die Bildungseinrichtung leidet unter akutem Platzmangel. Foto: Anne Steven

Es könnte alles so schön sein: Die Musikschule in Ochtrup wie auch der gesamte Zweckverband freuen sich über steigende Schülerzahlen, das musikalische Angebot ist breit aufgestellt und auch die Dozenten sind mit den Honorarentwicklungen durchaus zufrieden, wie Musikschulleiter Andreas Hermjakob betont. Doch der Musikschule macht die Raumnot zu schaffen. Sie ist wie ein zu fest geschnürtes Korsett – und das nicht erst seit gestern.

Problem seit den 90er Jahren

Das Problem habe es schon in den 90er Jahren gegeben, erinnert sich der Leiter des städtischen Fachbereichs Ordnung, Schulen, Soziales, Michael Alfert. „Die Musikschule hat immer schon gesucht.“ Seit 2016 heißt deren Leiter Andreas Hermjakob. Er möchte das Problem nun endlich angehen und ist der Ansicht, dass die Bildungseinrichtung mit besseren Raumkapazitäten noch viel mehr bieten könnte, vor allem mehr Qualität.

Die Musikschule sei schwer zu verorten, sagt ihr Leiter. Insgesamt befinden sich 28 Räume an 17 verschiedenen Unterrichtsstätten in der Nutzung. Seit 2015 wird ein Großteil des Unterrichts in der Lambertischule erteilt, da die vormalige Schwerpunkt an der Pestalozzischule als künftige Feuerwache wegfällt. Weitere Unterrichtsstätten sind die Realschule, das Gymnasium, die Marien- und die Von-Galen-Schule, fünf Kitas sowie jeweils ein Raum in der Kirchengemeinde und der Stadthalle.

Die Basis hat sich verändert

Der Grundgedanke, für den Musikschulunterricht die Grundschulen zu nutzen, um dort nachmittags Angebote unterzubringen, sei nicht verkehrt, findet Hermjakob. Jedoch hätte sich die Basis verändert. In den Grundschulen gibt es heute den offenen Ganztag und die Hausaufgabenbetreuung. Das binde zusätzlich Raumkapazitäten am Nachmittag. Hinzu kommen Elternsprechtage, Projektwochen oder auch Weihnachtsfeiern. Dass Lehrer ihre Klassenräume schon nachmittags für eine am nächsten Tag stattfindende Weihnachtsfeier dekorieren, kann Hermjakob verstehen. Doch er hat ebenso Verständnis für seine Dozenten, die den Raum dann nicht oder nur mit großem Aufwand nutzen können.

Apropos: Die Musikschule hat einen hohen Anspruch an ihre Lehrkräfte. „Wir erwarten einen Abschluss an einer Musikhochschule“, erklärt Hermjakob. Gleichzeitig könne er ihnen zwar mittlerweile ein anständiges Honorar bieten, jedoch keinen festen Arbeitsplatz. „Die Dozenten müssen mitunter mehrmals am Tag ihren Arbeitsplatz wechseln“, weiß der Musikschulleiter. Hinzu kommt das Pendeln zwischen den Unterrichtsstätten. „Da müssen wir attraktiver werden“, wünscht sich Hermjakob, dass die Musikschule auch als Arbeitgeber wahrgenommen wird.

Nicht selten fallen Kurse und Unterrichtseinheiten aus, weil keine adäquaten Räume zur Verfügung stehen. „Der Dozent bekommt sein Geld, weil ich ihn bestellt habe. Der Schüler bekommt sein Geld aber ebenfalls zurück“, rechnet Hermjakob vor. Neben diesem finanziellen Faktor ärgert den Musikschulleiter aber auch die fehlende Kontinuität des Musikunterrichts. Letzteres habe wiederum Auswirkungen auf die Qualität.

Adäquate Unterrichtsräume

Doch wie und vor allem wo könnte besser laufen? „Es müssten für rund 200 Jahreswochenstunden adäquate Unterrichtsräume geschaffen werden“, erklärt der Musikschulleiter. Da bei voller Auslastung bis zu 15 Dozenten gleichzeitig unterrichteten, gelte es mindestens 15 Räume vorzuhalten, die parallel nutzbar sein müssten.

Große Klassenräume wie es sie an den Schulen gibt, seien für den Musikunterricht nicht optimal. „Da scheppern Ihnen die Ohren weg“, weiß Hermjakob aus Erfahrung. Besser seien kleine, akustisch optimierte Übungskammern. In der Vergangenheit habe die Stadt durch eine Mehrfachnutzung der Räume viel Geld gespart. Doch derzeit drehe sich das Gebäudekarussell in Ochtrup und biete womöglich eine Chance für die Musikschule. Hermjakob schwebt in diesem Zusammenhang aber nicht ein eigenes Gebäude für die Musikschule vor. Eine gemeinsame Raumnutzung sei auch weiterhin vorstellbar. Die CDU und auch die Freien Wähler haben den Vorschlag gemacht, das ehemalige Uponor-Gebäude an der Professor-Katerkamp-Straße unter anderem für diese Zwecke zu nutzen (siehe Infokasten). „Es hätte eine optimale Struktur“, findet auch Hermjakob, der sich dort umgesehen hat, Gefallen an der Idee.

Musikschule in der Marienkirche?

Noch besser würde ihm aber eine andere Lösung gefallen: die Marienkirche. „Man könnte dort mit Containern arbeiten. Da sieht dann aus wie in einem kleinen Indianerdorf oder wie ein Weihnachtsmarkt“, erklärt der Musikschulleiter. Das Prinzip stammt aus dem Messebau. Hermjakob hat es in Frankfurt gesehen. Wie in einem Baukastensystem werden die einzeln beheizbaren und schalloptimierten Container in unterschiedlichen und je nach Bedarf angepassten Größen im Kirchenraum angeordnet. Kostenpunkt? Hermjakob schätzt pro Container etwa 15 000 bis 30 000 Euro. „Das wäre doch eine charmante Lösung“, findet der Ochtruper. Er betrachtet die Raumnot auch als Chance, die Musikschule neu und viel besser aufzustellen. Die Container könnten übrigens auch an der Professor-Katerkamp-Straße integriert werden. Investiert werden müsste dort ohnehin, schätzt Hermjakob.

Zum Thema

Am morgigen Donnerstag berät der Rat der Stadt Ochtrup in öffentlicher Sitzung über dieses Thema. Beginn ist um 17.30 Uhr in der Gaststätte „Happens Hof“.

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Anträge zur Nutzung des ehemaligen Uponor-Gebäudes

Die CDU- und auch die FWO-Fraktion beantragen, im ehemaligen Uponor-Verwaltungsgebäude nach dem Auszug der provisorischen Kita im Sommer 2020 die Nutzung sowohl für die Musikschule als auch für die Stadtkapelle beziehungsweise andere Vereine zu ermöglichen. „Die Raumsituation ist für einen geordneten Musikunterricht sehr unbefriedigend. Sowohl Schüler als auch Dozenten müssen sich mit Räumen abfinden, die nicht den heutigen Anforderungen entsprechen“, wird Fraktions-Chef Hajo Steffers in einer Pressemitteilung der CDU zitiert. Die Stadtkapelle habe bislang keine alternativen Räume gefunden. Die Musiker halten ihre Proben schon seit mehr als 30 Jahren unter dem Dach der ehemaligen Pestalozzischule ab. „In Gesprächen wurde klar, wie wichtig es für beide Institutionen, für Schüler, Dozenten und Orchestermitglieder ist, einen adäquaten Ort in der Innenstadt zu finden, damit Kinder, Jugendliche und Musiker die Musikräume gut erreichen können. Diese Möglichkeit ist mit dem ehemaligen Uponor-Gebäude gegeben“, äußert sich die Bürgermeisterkandidatin der CDU, Barbara Kuhls-Mahlitz. Die CDU möchte für erste Planungs- und Umbaumaßnahmen in 2020 Haushaltsmittel in Höhe von 30 000 Euro bereitstellen.

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Auch die Freien Wähler sind in Gesprächen mit den Beteiligten zu einem ähnlichen Schluss gekommen. Als erstes sei im Zusammenhang mit einer künftigen Nutzung des ehemaligen Uponor-Gebäudes die Musikschule zu nennen. „Aber es gibt auch andere Gruppen und Vereine (zum Beispiel den Schachklub), die immer mal wieder ihren schon länger existierenden Raumbedarf bei der Verwaltung oder bei politischen Fraktionen angemeldet haben. Die schon durchgeführten Maßnahmen zur Nutzung des Gebäudes als provisorische Kindertagesstätte bieten sicherlich eine gute Basis für weitere Planungen“, schreiben die Freien Wähler in ihrem Antrag. Ziel müsse es sein, ein neues „Musik- und Vereinsheim“ zu schaffen.

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