Kurz vor Weihnachten herrscht bei der Raiffeisen-Genossenschaft Hochbetrieb
. . . wird es stressig

Ochtrup -

„Kräht der Hahn auf dem Mist, . . .“, heißt die Serie, in der die Westfälischen Nachrichten die Ochtruper Landwirte durch das Jahr begleiten und ihnen bei ihrer täglichen Arbeit über die Schulter schauen. Kurz vor Weihnachten müssen die Landwirte ihre Futterbestellungen für die Feiertage machen. Bei der Raiffeisen-Genossenschaft sorgt das für jede Menge Arbeit.

Donnerstag, 19.12.2019, 06:00 Uhr aktualisiert: 19.12.2019, 13:48 Uhr
Die Mannschaft der Raiffeisen-Genossenschaft – hier Fahrer Norman Krüger – hat kurz vor Weihnachten jede Menge zu tun. Denn um die üblichen Futtermengen auszuliefern, hat das Team nur zweieinhalb statt fünf Tage Zeit.
Die Mannschaft der Raiffeisen-Genossenschaft – hier Fahrer Norman Krüger – hat kurz vor Weihnachten jede Menge zu tun. Denn um die üblichen Futtermengen auszuliefern, hat das Team nur zweieinhalb statt fünf Tage Zeit. Foto: Andreas Koers

Jürgen Ahlert ist ein ruhiger Typ. Den stellvertretenden Geschäftsführer der Raiffeisen-Genossenschaft bringt so leicht nichts aus der Ruhe. Und trotzdem: Kurz vor Weihnachten wird es für ihn und sein Fahrer-Team richtig stressig. Denn mit den Feiertagen in Sichtweite, machen sich die Landwirte an ihre Futterbestellungen.

„Unseren Tieren ist es egal, ob Weihnachten ist oder nicht“, macht der Vorsitzende des Landwirtschaftlichen Ortsvereins, Thomas Ostendorf , deutlich. Versorgt werden muss das Vieh immer. Doch die Lagerkapazitäten auf den Höfen sind begrenzt, weiß Jürgen Ahlert. Deshalb beliefere die Raiffeisen-Genossenschaft manche Höfe mitunter ein bis zwei Mal wöchentlich mit Futter.

Das Problem: In der Woche vor Weihnachten stehen ihm und seinem halben Dutzend Fahrern statt fünf nur 2,5 Tage für die Belieferung zur Verfügung. „In dieser Zeit muss das Futter weggebracht werden“, verdeutlich der Hauptdisponent. Seine Mannschaft arbeitet deshalb Ende Dezember im Drei-Schicht-Betrieb, 24 Stunden, rund um die Uhr. Üblich sind normalerweise zwei Schichten. Die Aufgabe des 55-Jährigen ist dabei, den Überblick zu behalten, die Touren der Kollegen zu planen und dabei auch die laufenden Bestellungen im Auge zu behalten.

Getreide ist meist auf den Höfen vorhanden. Nur seien die Bestände, bedingt durch die Trockenheit im Sommer, geringer als sonst, gingen sogar zur Neige. Zudem muss das Getreide in der Regel mit anderen Futter-Komponenten angereichert werden. Die müssen wiederum bestellt werden. Und da die Landwirte in Ochtrup nicht die einzigen mit diesem Problem sind, ist das Aufkommen an den Kraftfutterwerken ebenfalls erhöht. „Dort müssen unsere Fahrer mitunter längere Wartezeiten in Kauf nehmen“, weiß Jürgen Ahlert.

Jürgen Ahlert ist Hauptdisponent der Raiffeisen-Genossenschaft. Er koordiniert die Touren.

Jürgen Ahlert ist Hauptdisponent der Raiffeisen-Genossenschaft. Er koordiniert die Touren. Foto: Anne Steven

Die Raiffeisen-Genossenschaft hat zwei Lkw und einen Silowagen im Einsatz. Geliefert wird an Landwirte in Ochtrup, aber auch bis nach Gronau, Bad Bentheim und Heek. Auf dem Gelände an der Gronauer Straße hält die Raiffeisen-Genossenschaft für Getreide Lagerkapazitäten für 10 000 Tonnen vor. Das lose Futter zum Beispiel für Schweine oder Bullen wird per Silowagen auf die Höfe transportiert und vor Ort umgefüllt. Dabei handelt es sich um Fertigfutter, eine Mischung aus Kraftfutter und anderen Komponenten. Die Liefermenge bei der losen Ware variiert übrigens zwischen „Kleinstmengen von einer Tonne“ bis hin zu „ganzen Lkw-Ladungen von 25 Tonnen“.

Hinzu kommt die „gesackte Ware“, wie es im Raiffeisen-Jargon heißt. Also beispielsweise Mineralfutter, Kälbermilchpulver oder Kleie. Diese Säcke – in der Regel zu je 25 Kilogramm – werden per Lkw ausgeliefert. „Heute muss zum Glück niemand mehr die Säcke schleppen“, meint Jürgen Ahlert schmunzelnd. Er selbst kann sich aber noch gut daran erinnern. Heute geht die Sackware palettenweise raus und es gibt technische Hilfen wie Arbeitsbühnen und Stapler.

Manchmal wird zudem „in Strecke“ geliefert. Heißt zum Beispiel bei Getreide: Die Ware kommt per Silo bei der Raiffeisen-Genossenschaft an, wird dort beprobt und von den Zulieferern direkt an die Kunden weitergefahren.

Am liebsten plant Jürgen Ahlert übrigens weit im Voraus. Dieses Bewusstsein, so der 55-Jährige, sei mittlerweile auch bei den Landwirten vorhanden. „Viele denken mit und bestellen frühzeitig“. Und trotzdem, kurz vor knapp wird es meistens doch immer mal wieder eng. Gearbeitet wird bei der Raiffeisen-Genossenschaft übrigens bis zum Heiligen Abend. „Die Kraftfutterwerke haben ihre Verladungen bis mittags geöffnet“, weiß Jürgen Ahlert. Und wenn es hart auf hart kommt, sei es sogar möglich, mit einer Sondergenehmigung das Sonntagsfahrverbot zu umgehen. Doch soweit sollte es nicht kommen, meint der Fachmann. „Wir versuchen, das Pensum bis mittags zu schaffen.“

Nach Weihnachten geht es am 27. Dezember direkt weiter, schließlich stehen dann das Wochenende sowie Silvester und Neujahr an. „Danach entspannt sich die Lage wieder“, weiß Jürgen Ahlert aus Erfahrung. Wobei, Futter muss immer geliefert werden. Denn die Tiere feiern weder Weihnachten noch Ostern, Pfingsten oder sonst ein Fest.

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