Bernhild Steven backt Piepkuchen
Wenn die Hippe zwitschert

Ochtrup -

Was bei der Langenhorsterin Bernhild Steven an diesem Morgen kurz vor Silvester gebacken wird, ist unverkennbar. Ein durchdringendes Zwitschern verrät es. Ganz klar: Hier werden Piepkuchen gemacht.

Dienstag, 31.12.2019, 06:00 Uhr aktualisiert: 31.12.2019, 11:16 Uhr
Piepkuchen werden im Münsterland gerne zu Neujahr verzehrt. Bei Bernhild Steven wurden sie schon in der Kindheit gebacken. Der Teig muss allerdings mindestens zwei Stunden ruhen, bevor er verarbeitet werden kann.
Piepkuchen werden im Münsterland gerne zu Neujahr verzehrt. Bei Bernhild Steven wurden sie schon in der Kindheit gebacken. Der Teig muss allerdings mindestens zwei Stunden ruhen, bevor er verarbeitet werden kann. Foto: Anne Steven

Die waffelartige Hippe wird im Münsterland traditionell in der Vorweihnachtszeit, vor allem aber zum Jahreswechsel gebacken. Die knusprigen Hörnchen haben viele verschiedene Namen. Bei manchen heißen sie Neujahrsröllchen oder -hörnchen, bei anderen Eiser-, Quetsch- oder auch Klemmkuchen. Bernhild Steven kennt sie als Piepkuchen. Schon in ihrer Kindheit wurden sie gebacken. Verwendeten ihre Eltern dabei schwere Eisen, hat sie heute elektrische Hörncheneisen, die normalen Waffeleisen ähneln, allerdings eine ganz flache Form haben. Naja, und die zwitschern, wenn die Piepkuchen fertig sind. Doch „mal eben so“ backt man die Piepkuchen übrigens nicht. Mindestens zwei Stunden muss der Teig aus Mehl, Eiern, Kandiswasser und geklärter Butter ruhen. „Man kann ihn auch gut über Nacht stehen lassen“, empfiehlt Bernhild Steven.

Während die Basiszutaten für Piepkuchen meist die gleichen sind, gibt es bei den Gewürzen viele Abwandlungen. Manche machen Zimt in den Teig, andere verfeinern mit Zitronenabrieb oder Rum. Bei Bernhild Steven kommt eine Prise Zimt und ganzer Anis hinein. „Das ist unser Traditionsrezept“, sagt sie. Sie hat es von ihrer Mutter aus einem ganz alten Rezeptbuch. Auch ihre Rezeptkladde hat mittlerweile schon über 40 Jahre auf dem Buckel und „sieht entsprechend aus“, meint die Langenhorsterin und blättert lachend durch die Seiten, die an den Rändern mit allerlei Fettflecken verziert sind. Keine Frage: Dieses Rezeptbuch wurde benutzt. Darin finden sich noch zahlreiche weitere Rezepte, etwa eines für Spritzgebäck von ihrer Schwiegermutter oder für Dominosteine von einer Nachbarin. Doch an diesem Tag sind die Piepkuchen an der Reihe.

Die Hörnchen müssen nachher schon dünn und knusprig werden.

Bernhild Steven

Die Hörncheneisen sind inzwischen heiß genug und zeigen erneut via Zwitschern ihre Bereitschaft an, nun aus Teig leckere Hörnchen backen zu wollen. „Bei den schweren Eisen früher wurden die Platten übereinander gelegt und der Teig so gequetscht. Beim Entweichen der Luft war ein Piepen zu hören“, weiß Bernhild Steven. Da sei es natürlich viel schwieriger gewesen, zu entscheiden, wann der Piepkuchen fertig war. „Die modernen Eisen zeigen das heute zum Glück an“, ist die Ochtruperin froh und füllt eines der Geräte mit einem Löffel Teig. Die Menge müsse an dieser Stelle jeder für sich selbst herausfinden. „Die Hörnchen müssen nachher schon dünn und knusprig werden“, gibt Bernhild Steven die grobe Richtung vor. Ist der Teig zu dick, werden die Ränder labberig.

Wieder ist das schon vertraute Zwitschern zu hören. Das erste Hörnchen, das allerdings zu diesem Zeitpunkt noch eher wie eine dünne Waffel aussieht, ist fertig. Mit spitzen Fingern und einer Gabel zieht die Bäckerin den noch heißen Piepkuchen aus dem Eisen, breitet ihn auf dem Tisch aus und nimmt nun einen glattgedrechselten Holzkegel, ein sogenanntes Waffelhorn zur Hand. „Früher haben wir die Hörnchen mit der Hand gedreht. Da gab es so manches Mal verbrannte Finger“, erinnert sie sich noch gut. Mit den Holzkegeln geht es nun leichter. Standardmäßig sind die übrigens beim Hörncheneisen nicht dabei. Aber es gibt sie auf vielen Weihnachtsmärkten zu kaufen. Damit lässt sich aus dem flachen Piepkuchen rasch ein Hörnchen formen. Und schnell muss die Bäckerin sein, denn sobald der Teig abkühlt, wird er fest und lässt sich dann nicht mehr verformen.

Die Piepkuchen sind eben handgemacht. Ich finde, das darf man ruhig sehen.

Bernhild Steven

Bernhild Steven hat immer zwei Eisen im Einsatz. Und nun geht es deshalb Schlag auf Schlag: Der Reihe nach Zwitschern die Hörncheneisen und wie am Fließband wird gedreht. Auch die Berichterstatterin versucht sich in dieser Kunst, hätte aber vermutlich von Bernhild Stevens Mutter was zu hören bekommen. „Meine Mutter war da sehr pingelig. Die Hörnchen mussten perfekt sein“, erzählt die 62-Jährige. Sie selbst sei da nicht so streng. „Die Piepkuchen sind eben handgemacht. Ich finde, das darf man ruhig sehen.“

Sie hat Piepkuchen ganz früher mit ihren Eltern gebacken, später dann mit ihren Kindern oder mit Unterstützung ihres Mannes, aber auch schon mit Freundinnen in geselliger Runde. „Wenn man das alleine macht, klingeln einem irgendwann die Ohren“, sagt Bernhild Steven lachend. Doch die Arbeit zahlt sich aus. Immerhin gibt es zum Abschluss leckere Piepkuchen. Bernhild Steven isst sie am liebsten pur. Aber auch mit geschlagener Sahne oder Eis schmecken sie hervorragend. Und an Silvester oder Neujahr gehören sie im Münsterland einfach dazu.

Ochtrupern in die Töpfe geschaut

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