Bunte Mischung an Tatvorwürfen
Jugendschöffengericht stellt 19-Jährigen für zwei Jahre unter Bewährung

Ochtrup/Rheine -

Wegen einer regelrechten bunten Mischung an Tatvorwürfen musste sich am Mittwoch ein 19-jähriger Gronauer vor dem Jugendschöffengericht in Rheine verantworten.

Mittwoch, 08.01.2020, 16:24 Uhr aktualisiert: 08.01.2020, 18:45 Uhr
Ein 19-Jähriger musste sich am Mittwoch wegen diverser Tatvorwürfe vor dem Jugendschöffengericht verantworten.
Ein 19-Jähriger musste sich am Mittwoch wegen diverser Tatvorwürfe vor dem Jugendschöffengericht verantworten. Foto: dpa

Versuchte räuberische Erpressung in Tateinheit mit Körperverletzung, Urkundenfälschung, Fahren ohne Führerschein und ohne Versicherung sowie fahrlässige Körperverletzung in Tateinheit mit Unfallflucht. Wegen dieser bunten Mischung an Tatvorwürfen, die er zwischen März und Juli 2019 in Ochtrup begangen haben soll, musste sich am Mittwoch ein 19-jähriger Gronauer vor dem Jugendschöffengericht in Rheine verantworten.

Das Gericht stellte die Schuld des Angeklagten fest und ihn für zwei Jahre unter Bewährung. „Wenn Sie Mist bauen oder gegen die Auflagen verstoßen, verhandeln wir neu und legen ein Strafmaß fest“, warnte der Richter ihn in der Urteilsbegründung eindringlich vor Fehlverhalten. Mit dem Urteil folgte das Gericht der Empfehlung der Jugendgerichtshilfe.

Bewährungsauflagen

Die Staatsanwältin hatte nur erzieherische Maßnahmen beantragt, die das Gericht ihm zur Bewährungsauflage machte: Ein Anti-Aggressionstraining, Schadenswiedergutmachung von 550 Euro, eine Führerscheinsperre von zehn Monaten sowie 200 Euro an die Landeskasse, weil er von einem Polizei-Taxi von Gronau zur Verhandlung nach Rheine gebracht werden musste. Der 19-Jährige hatte den Termin bei Gericht schlicht verschlafen, wie er reumütig gestand, und ließ zwei Stunden auf sich warten.

Er ist bereits mehrfach strafrechtlich vorbelastet. Der Jugendgerichtshelfer sprach von Rasereien im Straßenverkehr. „Es waren schon wilde Szenen dabei“.

Autofahrt ohne Führerschein und betrunken

Bei einem Geburtstag mit Freunden am 27. März 2019 war er „besoffen“ und ohne Führerschein ins Auto gestiegen, um an der Tankstelle Nachschub zu besorgen, wie er am Mittwoch sagte. Ein 17-jähriger Partygast setzte sich vor dem Start nach Absprache mit ihm auf die Motorhaube und wurde in der ersten Kurve auf die Straße geschleudert. Gemeinsam überlegten die Partygäste, wie sie dem Vater des Verletzten den Bänderriss und die Schürfwunden erklären sollten. Der Angeklagte soll Einfluss auf die Aussagen genommen haben, was er auch einräumte. Weil diese Taten gemeinschaftlich begangen wurden, wurde ein Teil davon eingestellt.

Mit dem Motorrad auf dem Radweg unterwegs

Am 2. Juli 2019 fuhr er ohne Führerschein und Haftpflichtversicherung mit einem gefälschten Kennzeichen Motorrad auf einem Fahrradweg und touchierte dabei das Fahrrad eines Bekannten aus Ochtrup, der mit seinem Sohn unterwegs war. Ohne sich um den Schaden zu kümmern, setzte der Angeklagte die Fahrt fort. Der 42-jährige Geschädigte bestätigte das als Zeuge: „Er kam plötzlich um die Ecke geschossen, mein Fahrrad war Schrott“, zum Glück seien sie gesundheitlich unversehrt geblieben. 200 Euro Schadensersatz muss der Angeklagte dafür leisten.

Erpressung via WhatsApp

Von einem 17-Jährigen aus Ochtrup erpresste der Angeklagte via WhatsApp zehn Euro für Marihuana. Als der ihm das Geld verweigerte, verpasste er ihm am 28. März 2019 am Bahnhof mehrere Ohrfeigen. Dafür muss er 150 Euro Schmerzensgeld an den Geschädigten zahlen.

Der Angeklagte ist vor einem halben Jahr nach Gronau gezogen, angemeldet ist er dort aber noch nicht. „Keine Zeit“, wie er sagte. „Sie melden sich da heute noch an“, ermahnte der Richter ihn.

Schuldfeststellung ohne festes Strafmaß

Eine Schuldfeststellung ohne festes Strafmaß gibt es nur im Jugendstrafrecht. Damit bekommt der Verurteilte die Chance, sein Leben ohne Altlasten zu ändern. Nach zwei Jahren erlischt der Schuldspruch und behindert seine berufliche Karriere nicht dauerhaft. Verstößt er jedoch gegen die Auflagen oder begeht neue Straftaten, droht ihm in einem neuen Verfahren eine Gefängnisstrafe oder ein mehrwöchiger Dauerarrest.

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