Familie Bierbaum über 120 Jahre als Händler am Ort
Vom Kolonialladen zum Kaufhaus

Ochtrup -

Ob er heute noch einmal das Wagnis eingehen würde, ein Kaufhaus zu eröffnen? Johannes Bierbaum braucht nur Sekunden für seine Antwort. Und die fällt ganz eindeutig aus: „Nein! Die Zeit der Kaufhäuser ist vorbei. Spezialgeschäfte, die haben in der Innenstadt noch eine Chance. Aber ansonsten ist es schwer, sich zu behaupten. Die Kunden möchten heute große Einkaufseinheiten geboten bekommen. Nicht allein nur zum Bummeln, sondern als Erlebniswelt.“

Freitag, 10.01.2020, 08:00 Uhr
Vor zehn Jahren gab es noch die Spielewelt sowie Intersport Bierbaum (großes Bild, links)– und auch Schnee in der Fußgängerzone. Die Hollandwochen zeichneten sich vor allem durch den Süßigkeitenverkauf aus (kl. Bild).
Vor zehn Jahren gab es noch die Spielewelt sowie Intersport Bierbaum (großes Bild, links)– und auch Schnee in der Fußgängerzone. Die Hollandwochen zeichneten sich vor allem durch den Süßigkeitenverkauf aus (kl. Bild). Foto: Repro/Privat

Von der war der kleine Kolonialwarenladen weit entfernt, den Elisabeth Bierbaum 1899 mit einem Darlehn der Textilwerke Laurenz in der Töpferstadt eröffnet hatte. „Das waren vielleicht 50 bis 100 Quadratmeter Verkaufsraum“, schätzt Johannes Bierbaum .

1924 übernahm Elisabeths und Bernhards Sohn Clemens das Geschäft in Ochtrup, 1949 eröffnete er eine Filiale mit Herden, Öfen und Eisenwaren an der Ochtruper Straße im benachbarten Gronaus. In Ochtrup erfolgte sieben Jahre später der Umbau zum ersten Kaufhaus (an der Stelle des heutigen K+K) für Großgeräte und das bestehende Sortiment. 1968 wurde nach dem Kauf der Grundstücke der Teupen Landmaschinentechnik auch dort ein Kaufhaus errichtet. „Um 1973 fing die Ära der großen Läden an, in denen verschiedene Sortimente unter einem Dach angeboten wurden“, erinnert sich Johannes Bierbaum. Seine Familie hat das Unternehmen damals in zwei Bereiche gegliedert: Das Kaufhaus Bierbaum ging an Eberhard und Franz-Clemens Bierbaum (die Söhne von Clemens Bierbaum), das Fachgeschäft Bernhard (und Elisabeth) Bierbaum, Bahnhofstraße 28-30, verblieb bei Clemens Bierbaum. Dort wurden weiterhin Großgeräte wie Waschmaschinen und Öfen sowie Eisenwaren verkauft. Ein Großbrand im Dezember 1981 legte an der Bahnhofstraße beide Häuser in Schutt und Asche. Zwei Jahre dauerte der Neubau.

Die Schließung der Filiale in Gronau, ein weiteres Kaufhaus in Borghorst, die Eröffnung zweier Mode-Filialen in Hamm und Osnabrück, die Schließung des Kaufhauses 1986 samt der Top-Chic-Filialen in Ochtrup – „Es war schon eine wechselvolle Geschichte in all den Jahren“, sagt Johannes Bierbaum, der das Geschäft 1982 von der Mutter übernommen hat und heute als Geschäftsführer der Freizeit Bierbaum GmbH fungiert. „Wir waren stets ein familiär geführtes Unternehmen. Aber auch als solches muss man auf den Markt immer wieder flexibel reagieren. Manchmal brechen Sortimente aufgrund eines geänderten Kaufverhaltens weg. Da darf man sich dann nicht dran klammern.“

So wurde auch das Unternehmen Bierbaum in der Töpferstadt erweitert und umgestellt, um 1986 als Freizeit Bierbaum“ mit Spielwaren, Intersport, Campingmöbeln und Eisenwaren wieder an den Start zu gehen. Dieses Mal allerdings ohne Großgeräte. Während Spiel- und Sportwaren sich an der Bahnhofstraße konzentrierten, wurden zwei Jahre später Eisenwaren und Campingmöbel mit dem Kauf des Möbelhauses Issinghoff unter dem Label „Workshop Bierbaum“ an die Professor-Gärtner Straße umgelagert. „Vielen Ochtrupern im Gedächtnis geblieben sind da sicher noch die Hollandwochen, die wir im Workshop-Haus regelmäßig durchgeführt haben. Die Verkäuferinnen hatten Trachten an und die angebotenen Süßigkeiten waren sehr begehrt.“ Etwas mehr als zehn Jahre war der Laden Anlaufstelle in der Töpferstadt. „Bis zur Eröffnung des Hagebau-Marktes 1999. Da haben wir dann geschlossen“, sagt Johannes Bierbaum.

Post-Shops in Ochtrup, Stadtlohn und Bad Bentheim sowie eine Intersport- Filiale in Gronau folgten bis 2009 unter der Bierbaum-Regie. Doch das Kaufverhalten der Kunden wie auch das Angebot und die Einzelhandelsstruktur änderten sich mehr und mehr. Vor Ort hatte sich das Outlet-Center etabliert – „und bedingt durch die Erweiterungsgenehmigung des heutigen DOC auf 14 000 Quadratmeter haben wir Intersport und die Spielwelt nicht mehr weiterbetreiben können und wollen“, zieht Bierbaum Bilanz. „Das Konzept, das wir als klassische Händler brauchen, lässt sich heute in kleinen Gemeinden nicht mehr umsetzen“, sagt er klar und deutlich. Die Kunden kommen in den Laden, schauen sich das gesuchte Teil dort „live und in Farbe“ an, bevor sie es wenig später im Internet bestellen. „Selbst die Ausbildung im Einzelhandel ist inzwischen vielfach überholt“, sagt Geschäftsmann Johannes Bierbaum. „Kenntnisse in Buchhaltung, im Ein- oder Verkauf sind doch kaum noch gefragt. Die Angestellten werden kurz eingearbeitet – das war‘s. Die Ware wird gebracht, gehängt, kassiert. Mehr ist – mit Ausnahme bei Lebensmitteln oder Spezialgeschäften wie etwa dem Optiker oder Stoffladen – nicht mehr gefragt.“

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