GGM Gastro auf Expansionskurs
Die Tellerwäscher-Saga

Epe/Ochtrup -

Solche Erfolgsgeschichten können nicht geplant werden: GGM Gastro ist ganz klein im Jahr 2004 aus der Not heraus entstanden – und jetzt auf dem Weg, Weltmarktführer zu werden. Die nächste Erweiterung des nach Ochtrup umgesiedelten Betriebs steht schon wieder an.

Freitag, 10.01.2020, 18:00 Uhr aktualisiert: 10.01.2020, 18:12 Uhr

Es ist manchmal eine Idee, ein kleiner Funke zur richtigen Zeit und am richtigen Ort. Mitunter verbirgt er sich sogar – zunächst unbeachtet – mitten auf dem Weg, der aus der beruflichen Talsohle hinaus wieder ans Tageslicht führen soll. So geschehen bei Manuel Elma. Als dieser 2004 seinen Gastronomiebetrieb schloss und die dort zuvor verwendeten Küchengeräte veräußern wollte, merkte er recht schnell, wieviel Potenzial sich hinter diesem Verkauf verbarg. Herde, Kühlschränke, Theken – solcherlei Inventar war am Markt scheinbar gefragt.

Die Geschäftsführer Manuel Elma (kl. Foto l.) und Markus Inan (kl. Foto r.) streben in ihrer Branche den weltweiten Spitzenplatz an.

Die Geschäftsführer Manuel Elma (Mitte l.) und Markus Inan (Mitte r.) streben in ihrer Branche den weltweiten Spitzenplatz an. Foto: GGM Gastro

Da haben sich zwei Menschen getroffen, die sich gegenseitig ergänzen: der eine hatte die Kontakte, der andere das handwerkliche Geschick.

Vertriebsleiterin Marion Kockmann

Der heute 46-Jährige witterte seine Chance – und kaufte von nun an entsprechende Konkursmassen aus Großküchen und Imbissbetrieben auf. Er reparierte, bearbeitete und erneuerte defekte Teile, brachte sie in Schuss – und verkaufte die Ware wieder. Über einen Bekannten lernte Manuel Elma wenig später Markus Inan kennen, der bis dahin Gastronomiebetriebe mit Lebensmitteln beliefert hatte. „Da haben sich zwei Menschen getroffen, die sich gegenseitig ergänzen: der eine hatte die Kontakte, der andere das handwerkliche Geschick. Zusammen bauten sie ein Netzwerk auf und aus. So entstand das erste kleine gemeinsame Unternehmen“, berichten Vertriebsleiterin Marion Kockmann und Business Development Manager Gabriel Bakir aus der Unternehmensgeschichte. Es klingt ein wenig nach der „Vom-Tellerwäscher-zum-Millionär“-Saga, was sich in den nächsten Jahren aus dem Zwei-Mann-Betrieb entwickelt hat. Aus dem An- und Verkauf von Gebrauchtgeräten, dem Weiterverkauf von Produkten des Großhandels und dem Zufallsgedanken, für diesen Vertriebsweg auch das Internet zu nutzen, hat sich die Anstrengung der beiden Geschäftsführer fast verselbstständigt. Sie haben es 14 Jahre später nach eigener Aussage zum europaweiten Marktführer der Branche gebracht: GGM Gastro. „Platz eins weltweit ist zum Greifen nah. Da arbeiten wir dran“, verrät Gabriel Bakir.

Aus Epe in die weite Welt

„Auf etwa 100 Quadratmetern Ausstellungsfläche, es könnten auch 200 gewesen sein, ist das Duo Inan/Elma damals in Epe gestartet“, erzählen Kockmann und Bakir aus der Historie. 500 Quadratmeter Lagerfläche standen ursprünglich zur Verfügung. Aus einem wurden ruck-zuck sieben, acht Standorte. Der Platz allerdings blieb überall eng. „Es war stets eine Katastrophe, wenn die Ware kommissioniert und verschickt werden musste“, erinnert sich Marion Kockmann. 2012 beschlossen Manuel Elma und Markus Inan, mit einem Umzug von Epe ins Gewerbegebiet von Ochtrup Nägel mit Köpfen zu machen, um das Dauerprovisorium zu beenden. „Der Sprung war enorm: In der Töpferstadt standen uns 40 000 Quadratmeter an Hallenfläche sowie ein Verkaufsraum zur Verfügung. Zudem ausreichend Reservefläche“, sagt Kockmann.

An den Standorten des Unternehmens können die Produkte real in Augenschein genommen werden.

An den Standorten des Unternehmens können die Produkte real in Augenschein genommen werden. Foto: GGM Gastro

Die Wachstumskurve des Kantinen- und Gastronomie-Ausstatters zeigte weiter nach oben. Und es kam, wie es kommen musste: Bereits zwei Jahre später waren die Räume erneut zu eng, eine Erweiterung stand an. 2018 kamen noch einmal 15 000 Quadratmeter hinzu. Der Weg an die Weltspitze soll in diesem Jahr mit zusätzlichen 100 000 Quadratmetern Lagerfläche in Angriff genommen werden. Für 2021 ist ein neues Bürogebäude vorgesehen.

Wir haben uns zum ‚Amazon‘ der Gastronomie entwickelt

Business Development Manager Gabriel Bakir

Schau- und Kühltheken, Kartoffelofenwagen, Verkaufsmobile, Dämpfer, Vitrinen, Buffet-Inseln, Kühlschränke oder Food-Trucks – in dem Tochterunternehmen GGM Möbel Diner sogar Stühle, Tische und Regale – sind nur ein Teilspektrum des umfangreichen Portfolios. „Wir haben uns zum ‚Amazon‘ der Gastronomie entwickelt“, ist Gabriel Bakir stolz auf seinen Arbeitgeber.

Vier Flugzeuge als Werbeträger

Das GGM-Logo ziert vier Flugzeuge als Werbeträger. Der Verkauf über die Website (mehr als die Hälfte des Umsatzes), aber auch Produkte zum Anfassen („Wir sind echt, nicht nur virtuell.“) an verschiedenen europäischen Standorten, 500 Mitarbeiter – verteilt auf zehn Länder und fit in 18 Sprachen – sind beeindruckende Zahlen, die GGM Gastro vorlegt. „Es fehlen bei der Markterschließung noch Frankreich und der britische Raum.“ Etwa 300 Beschäftigte zählt der Standort Ochtrup. Die Belegschaft hat ein Durchschnittsalter „von Mitte bis Ende 20, gefühlt aber wesentlich jünger, weil wir alle vom Enthusiasmus von Manuel Elmar mitgetragen werden“, unterstreicht Marion Kockmann. „Manuel Elmar treibt voran, Markus Inan hält zusammen.“

Nachhaltigkeit als großes Thema

Nachhaltigkeit ist aktuell ein großes Thema im Unternehmen. „Momentan suchen wir nach Möglichkeiten, abbaufähiges und recycelbares Verpackungsmaterial einzusetzen. Auch das papierlose Büro haben wir in Angriff genommen“, berichtet Gabriel Bakir. Strom sparen und eine gute Energieklassen beim Warenangebot seien bereits eine Selbstverständlichkeit, auf die beim Einkauf geachtet werde.

„75 Prozent der Länder dieser Welt decken wir mit unseren Waren ab“, listen Kockmann und Bakir auf. Dabei gebe es Gerätschaften, die überall gleichermaßen gefragt seien, von Belgien bis Athen oder China: „Das sind Kühlgeräte und Pizzaöfen.“ In den USA dagegen gibt es zwei weitere, unangefochtene Hits: Currywurst-Schneidemaschinen und Döner-Grills. „Die sind halt sehr speziell“, wissen die deutschen Experten. „Es gibt in Amerika wohl Konzepte – aber keine passenden Geräte. Die liefern wir. Die heimische Produktion muss nur ein wenig auf den amerikanischen Markt umgerüstet werden.“ Gearbeitet wird hüben und drüben mit unterschiedlicher Spannung, lukullisch gibt’s auf den Kontinenten aber einen ähnlichen Geschmack,.

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