Bauernproteste münden in Gesprächsrunde
Es kommt Bewegung in die Debatte

Ochtrup -

Mehrere Demos und Protestaktionen gegen die Agrarpolitik der Bundesregierung in den vergangenen Monaten – gestern das Gesprächsangebot von NRW-Ministerpräsident Armin Laschet an die Landwirte: „Mit letzterer hätte ich gar nicht gerechnet“, erklärte Thomas Ostendorf, Sprecher des Landwirtschaftlichen Ortsvereins. „Es scheint langsam Bewegung in die Debatte zu kommen.“  

Dienstag, 14.01.2020, 06:00 Uhr
In Ochtrup hatten die Landwirte ebenfalls mit mehreren Protestaktionen auf ihre Forderungen aufmerksam gemacht.
In Ochtrup hatten die Landwirte ebenfalls mit mehreren Protestaktionen auf ihre Forderungen aufmerksam gemacht. Foto: Luca Nacke

Eine Trecker-Demo am Stadthallen-Kreisel, wenige Wochen später an den Ortsaus- und einfahrten, am Wochenende beim Besuch der Bundesumweltministerin Svenja Schulze in Telgte. Und gestern die Gesprächseinladung zum Agrargipfel von NRW-Landesvater Armin Laschet nach Düsseldorf. „Mit letzterer hätte ich gar nicht gerechnet. Ich war völlig überrascht, als ich davon morgens im Radio gehört habe“, erklärte Thomas Ostendorf , Sprecher des Landwirtschaftlichen Ortsvereins, auf Nachfrage dieser Zeitung. „Es scheint langsam Bewegung in die Debatte zu kommen.

Allen ist klar, dass Proteste und Demos alleine keine Änderung bewirken. Die gibt es nur durch Gespräche, indem man sich zusammen an einen Tisch setzt“, ist dem Ochtruper klar.

Dass es kein leichter Weg sein wird, weiß Ostendorf wie auch seine Berufskollegen. „Es wird ein Mittelding geben müssen“, formuliert es Ostendorf. „Den Politikern sitzen einerseits die Bauern im Nacken, andererseits die EU. Und sie müssen dabei irgendwie das Gesicht wahren.“ Dennoch sollten aus seiner Sicht die wesentlichen Knackpunkte in der aktuellen Agrarpolitik der Bundesregierung beseitigt werden.

Das wäre zum einen die Messstellendebatte beim Grundwasserschutz: „Da muss es eine wesentlich bessere Binnendifferenzierung und ein genaueres Hinschauen in die Fläche geben. Es kann nicht sein, dass bis zur Landesgrenze zwischen NRW und Niedersachsen die Messstellen auf nordrhein-westfälischer Seite rot anzeigen, direkt hinter der Grenze aber grün.“ Zu den Niederlanden hin sei es ähnlich. „Das Gewässer kennt keine Landesgrenzen. Wenn ein Kind in der Klasse dick ist, muss doch nicht gleich die ganze Klasse abnehmen. Man muss diese Prüfungen viel kleinstrukturierter in Augenschein nehmen.“

Die größte Angst mache den Landwirten allerdings die geplante Düngemittel-Verordnung. „Wenn wir nur noch 20 Prozent unter Bedarf ausbringen dürfen, entsteht eine Mangelversorgung bei den Pflanzen. Wohin das führt, haben wir bereits in Frankreich und auch in Dänemark gesehen“, nennt Ostendorf Beispiele.

Natürlich seien bei der aktuellen Debatte auch die Bauern gefragt, nimmt der Ochtruper seine Berufskollegen ebenfalls in die Pflicht. „Wir haben garantiert an der einen oder anderen Stelle in der Vergangenheit mit der Viehhaltung übertrieben. Da sind wir sicherlich gefragt – und auch mit im Boot – es künftig vernünftig zu machen. Was deshalb nun von politischer Seite überlegt wurde, ist stumpf gesagt überzogen. Da, wo es ins Fachliche geht, sind wir gerne bereit, zu verhandeln.“

Als ersten Schritt dazu sieht er den Agrargipfel von Ministerpräsident Armin Laschet. „Dass er sich des Themas annimmt, ist okay. Denn nur dem redenden Volke kann geholfen werden, ist meine Meinung.“

Erstaunt ist Thomas Ostendorf darüber, „dass sich in den vergangenen Monaten sehr viele junge Landwirte den Protesten angeschlossen haben. Früher war es so, dass die Alten losgezogen sind und die Jungen lieber daheim blieben, um das Vieh und den Hof zu versorgen. Jetzt geht das junge Volk auf die Straße – und die Rentner bleiben zu Hause. Vielleicht liegt es daran, dass sich der Nachwuchs in Whatsapp-Gruppen vernetzt hat und so in der Lage ist, schnell zu reagieren. Sie sind dabei und wollen mitmachen. Das ist gut so. Allerdings sollte auch eine Demo immer begründet sein und nicht nach dem Gießkannenprinzip durchgeführt werden.“

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